Der Christbaum


Der Christbaum ist für uns heute ein ganz selbstverständlicher Bestandteil des Weihnachtsfestes, Ausdruck weihnachtlicher Stimmung, ein althergebrachter Weihnachtsbrauch eben. Wie alt ist dieser Brauch aber tatsächlich? Quellen aus dem Mittelalter berichten zwar noch nichts von Nadelbäumen, weisen aber auf die Verwendung von Tannengrün hin, vor allem während der zwölf Rauhnächte von Weihnachten bis zum Dreikönigstag. Tannengrün wurde über der Haustür befestigt oder auch in den Wohnräumen hängend angebracht. Die grünen Zweige sollten Schutz und Glück bringen.

Die ersten Berichte über einen  geschmückten Nadelbaum als Mittelpunkt des Weihnachtsfestes stammen aus dem Elsaß vorreformatorischer Zeit. Herrschergesellschaften, Vereine und Zünfte schmückten ihren Baum, bei Umzügen wurde er vorangetragen, um ihn herum wurde getanzt und dabei wurde auch ausgiebig getrunken und gegessen.

Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ändert sich die Funktion des Christbaumes als Gemeinschaftsbaum mit dem fröhlichen Treiben. Das Aufstellen des Christbaumes verlagert sich ganz in den familiären Bereich, allerdings vorerst nur bei Weihnachtsfeiern des städtischen Bürgertums im protestantischen Deutschland und an den Fürstenhöfen Europas. Der Siegeszug des Christbaumes von Deutschland in die Welt beginnt schließlich im 18. Jahrhundert mit dem Aufblühen der Familienkultur bzw. der allgemeinen Verbürgerlichung der Lebensformen. Mit der Überwindung der konfessionellen Barriere gegen Ende des 19. Jahrhunderts, der Christbaum ist ja ursprünglich ein protestantisches Gewächs, hält er auch Einzug in die katholischen Gebiete und damit auch in Österreich.

Seit dieser Zeit wird er auch in katholischen Kirchen links und rechts vom Altar aufgestellt. Zunächst vor allem in der bürgerlichen Bevölkerung als  weihnachtliches Symbol fungierend, verbreitet er sich mit Beginn des 20. Jahrhunderts auch allmählich bei den Arbeitern und in der bäuerlichen Bevölkerung. Noch im Jahre 1930 wird etwa (im Schlern) berichtet, dass Bauern den Christbaum nur vom Hörensagen kennen, und wenn man doch einen Christbaum in einem Bauernhaus antreffe, sei er meist nur den Städtern nachgeahmt.

Belege für die ersten Christbaum-Feiern in Innsbruck reichen in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. In den Innsbrucker Bürgerfamilien frönte man dieser jungen Modeerscheinung, die auch schon am Kaiserlichen Hof in Wien gepflegt wurde. Weitere Verbreitung erfuhr der Christbaum in der Innsbrucker Bevölkerung vor allem über Innsbrucker Vereine, wo sich Christbaum-Feiern zu öffentlichen Vereinsfesten großer Beliebtheit erfreuten. Der Frauenverein spendete den Kinderbewahranstalten Christbäume. Turnverein und Feuerwehr hielten Christbaumverlosungen ab. Der Katholisch-Politische Volksverein für Nordtirol hielt bei seinen Christbaumfeiern deklamatorische und musikalische Vorträge. Der Kaufmännische-, der Beamten-, der Hilfsbeamten- und der Musikverein gestalteten ihre Christbaumfeiern zu karikativen gesellschaftlichen Ereignissen. Ein besonderer Beitrag zur Verbreitung des Christbaum-Brauches in ganz Tirol wurde von Johann Mahl-Schedl, Ritter von Alpenburg, geleistet. Über den 1849 von ihm gegründeten "Radetzky-Verein" zur Unterstützung invalider Soldaten und Schützen verschickte Alpenburg in ganz Tirol die "Fliegenden Blätter des Radetzky-Vereines". Eines dieser 1852 erschienenen Blätter enthielt das erste uns bekannte Innsbrucker Christbaumbild: "Der Christbaum des Invaliden". Die Zeichnung, von Alpenburg selbst angefertigt, zeigt einen im Bett liegenden beinamputierten Kaiserjäger über dem ein Christbaum mit brennenden Kerzen schwebt. Das dazugehörige Gedicht schildert die letzten Augenblicke im Leben des Invaliden, dessen Gedanken an die überstandene Kriegszeit vom Christbaum überstrahlt werden.