Innsbruck unter Wasser

 

Im Untergrund der Landeshauptstadt trifft man bei Bohrungen immer wieder hellgraue tonige Ablagerungen an, die früher in Inzing, Arzl und in Baumkirchen zur Ziegelherstellung abgebaut wurden. Es handelt sich um Sedimente, die am Grund eines ehemaligen Sees abgelagert wurden. Dieser reichte von Vomp bis in die Gegend von Telfs, vermutlich sogar bis zum Eingang des Ötztales. Die Rekonstruktion dieses fjordartigen Gewässers gestaltet sich schwierig, da nachher der Inn-Gletscher der letzten Eiszeit das Tal stark veränderte. Sicher ist jedoch, dass der See bis in etwas 720 m Seehöhe gereicht hat, d.h. die Wassersäule über der Stadt Innsbruck betrug rund 150 m.

Das Alter dieses einstigen Sees kennt man, da in Baumkirchen neben Fischresten auch Holzstücke gefunden wurden, deren Alter mit der Radiokarbonmethode bestimmt wurde. Dies wurde später durch Messungen anhand der OSL Methode (siehe Vitrine rechts) bestätigt.

Wollte man Innsbruck heute 150 m tief unter Wasser setzen müsste man im Unterland eine ziemlich breite und hohe Staumauer errichten. Damals dürfte es die Natur ähnlich gemacht haben, wenngleich von diesem Damm heute so gut wie keine Spuren mehr zu sehen sind (Stichwort: Erosion des eiszeitlichen Inn-Gletschers). Mit ziemlicher Sicherheit bildete sich dieser Damm im Vorfeld des Ziller-Gletschers, der von Süden kommend Richtung Inntal floss. Der Damm war kein Eisdamm (dieser wäre zu instabil gewesen), sondern bestand aus Sediment, das sich vor der Gletscherzunge anhäufte. Im Zuge des Vormarsches des Ziller-Gletschers wurde übrigens auch der Grundstein für die Entstehung des Achensees gelegt, der durch einen mächtigen Sedimentpfropfen vom Inntal abgetrennt ist.

Die Freude über ein Häuschen am Ufer dieses Sees wäre damals allerdings im wahrsten Sinn des Wortes getrübt geworden, da dieser kein warmer See mit tiefblauer Farbe war, sondern ein arktisches Gewässer, trüb ob der großen Sedimentfracht, die die Zuflüsse in diesen See schütteten. Im Winter war er zugefroren, und die Winter waren damals lange und sibirisch-kalt.

Apropos Häuschen am See: Das Inntal war damals, mitten in der letzten Glazialzeit, nicht menschenleer: Funde in der Tischofer Höhle bei Kufstein datieren in diese Zeit. Ob diese Altsteinzeitjäger auch im See gefischt haben ist unbekannt; gesehen haben sie ihn bei ihren Wanderungen innaufwärts aber mit Sicherheit. 

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