Forschungsfeld Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Öffentliche Auftritte: 2. WIRTSCHAFTSHISTORISCHES SYMPOSIUM am 15. und 16. Mai 2008

 

 


Körperliche Verstümmelung zur "Wertsteigerung" – Eunuchen als Sklaven

Kordula Schnegg (Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik der Universität Innsbruck)


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Vereinzelt informieren antike Quellen darüber, dass Menschen kastriert wurden, um ihren Marktwert als Sklaven zu steigern. Die Hinweise in den schriftlichen Quellen sind jedoch sehr dürftig und geben kaum Einblicke in die Situation der betroffenen (verstümmelten) Personen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Quellen hinsichtlich der Fragestellung nach den Lebensrealitäten von Eunuchensklaven gestaltet sich demgemäß schwierig. Dennoch lege ich in meinen Ausführungen das Hauptaugenmerk auf Eunuchen und ihren „verletzten“ Körper. Der menschliche Körper war (auch) in der Antike mit politischen und sozialen Bedeutungen versehen. Ein künstlich herbeigeführtes Unfruchtbarsein, eine Kastration, eine Genitalverstümmelung hatte nicht nur „spürbare“ Konsequenzen für den Betroffenen (die zuweilen bis zum Tod führten), sondern eröffnete demjenigen, der über den Körper des Sklaven verfügte, zusätzliche und lukrative Perspektiven zur „Verwendung“ des in Mitleidenschaft Gezogenen.

In den Ausführungen werde ich nicht nur die Informationen aus den antiken Quellen thematisieren, sondern auch auf die Fragestellung, wie solche Informationen vor dem Hintergrund aktueller geschlechtertheoretischer Diskussionen über Geschlecht und Körper zu verstehen sind, eingehen.