Mir war schon lange klar, dass ich mich in meinem Leben mit Kunst befassen werde. Vom ersten Plan in der Kindheit, Autorin, über Cellistin und kurz darauf Tänzerin zu werden, bin ich wieder am Ursprung angelangt: bei der Literatur. Um erste literaturwissenschaftliche Erfahrungen zu erlangen und vor allem in einer Atmosphäre zu verweilen, in der man stundenlang in Paralleluniversen verschwinden kann, bietet die kleine, von Bergen umschlossene und dabei so friedliche Stadt den idealen Raum. So existiert man im Geisteswissenschaftenturm, und während sich die Leselisten über einem auftürmen, bewegt man sich von Seminarraum 40123 über den Hörsaaltrakt bis in den historischen Lesesaal, indem man sein Gehirn auf Papierseiten auslagert oder durch literarische Texte erweitert. Tritt man dann nach draußen in die Frühlingsluft, überquert die Brücke über dem blauen Fluss, der die Stadt zerteilt, und erklimmt den kleinen Hügel, steht man in einem von Magnolien überwucherten botanischen Garten. Dort ragen die vertrauten Bergspitzen über einem hinauf, und man fühlt sich, als lebe man in einem kleinen Gewächshaus, in dem man die Möglichkeit hat, intellektuell sowie persönlich über sich hinauszuwachsen.
Doch was das alles ungemein bereichert, ist die glückliche kleine Familie, die das Komparatistik Institut verkörpert. Endlich, zum ersten Mal im Leben, fand ich mich neben gleichgesinnten Menschen wieder. Alle Lehrenden sind herzlich, engagiert, und alle verbindet eine brennende Passion für Bücher, Film, bildende Kunst, Tanz, Kultur oder Sprachen... Und dabei wird man im Ausleben jener Passion, nachdem man mit wertvollen Werkzeugen ausgestattet wurde, weitgehend frei gelassen. Sehr früh im Studium wurde mir beispielsweise klar, dass ich für die literarische Moderne brenne und in dem Freiraum, der einem gelassen wird, kann dieses Interesse optimal vertieft werden. Man hat die Möglichkeit in einem Seminar eine Erzählung Kafkas mit deren Filmadaptionen zu vergleichen, im anderen kann man im Detail expressionistische Lyrik analysieren. Man kann seinen Interessen uneingeschränkt nachgehen, und während man durch die Natur streift, über Texte nachsinnt und Argumente für einen Essay im Kopf sammelt, hat man die Möglichkeit, behütet literarisch gefördert zu werden und dabei zu wachsen.
