Wie kann indigenes Wissen von Urgroßeltern und Großeltern an junge Menschen der Community weiter gegeben werden, die fern ihrer angestammten Territorien und überwiegend in urbanen Räumen leben? Wie lassen sich die gesellschaftlichen Brüche überwinden, die französische und britische Kolonisatoren insbesondere durch die systematische Trennung von Kindern von ihren Familien und deren „Erziehung“ in Residential Schools verursacht haben? Und wie können Erinnerungsräume und Archive gestaltet werden, wenn zwischen den Generationen keine gemeinsame Sprache mehr existiert?
Diesen Fragen gingen am 2. und 3. Juni 2026 rund 120 Schüler:innen mit dem kanadischen Digital Artist Stéphane Nepton aus dem Volk der Innu nach und erhielten Einblicke in seine an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft angesiedelten Projekte. Neptons Ziel ist es, mithilfe neuer Technologien und 3-D-Animationen die intergenerationelle Weitergabe von Wissen zu fördern und immersive Formen des Erinnerns zu schaffen. Im zweiten Teil der jeweils dreistündigen Workshops konnten die Schüler:innen mit frei zugänglichen Apps eigene Fotos aus dem Familienarchiv bearbeiten, in 3-D-Projektionen verwandeln und diese durch eine Tonspur in Form eines zuvor selbst aufgenommenen zweiminütigen Interviews mit älteren Bezugsperson ergänzen.
Neben kultur-historischen Fragestellungen standen insbesondere die reflektierte Erweiterung digitaler Kompetenzen sowie die Sprachen Französisch und Englisch als Arbeitssprachen im Mittelpunkt. Das Fazit der Organisatorinnen, Dr. Doris Eibl und Prof. Dr. Birgit Mertz-Baumgartner (beide Institut für Romanistik) fällt entsprechend positiv aus: „Kulturwissenschaftliche Forschung zum Angreifen, zahlreiche interkulturelle Erfahrungen und ein Erleben von mehrsprachigen Kommunikationssituationen im besten Sinn. Vor allem aber sehr viel Spaß für alle Teilnehmenden!“
