„Christoph Probst hat an unserer Universität Medizin studiert. Er wurde in Innsbruck verhaftet und am 22. Februar 1943 in München-Stadelheim hingerichtet – als Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose, gemeinsam mit Sophie und Hans Scholl. Dieser Zusammenhang verpflichtet uns als Universität Innsbruck, sein Andenken zu bewahren und die Frage, die sein Leben aufwirft, niemals zur Ruhe kommen zu lassen: Was bedeutet es, in schwierigen Zeiten Haltung zu zeigen?“, sagte Rektorin Veronika Sexl zu Beginn der Veranstaltung und begrüßte besonders die zahlreichen Mitglieder der Familie Probst im Publikum. „Bereits zum 7. Mal veranstalten wir – die Medizinische Universität Innsbruck, die Universität Innsbruck und die Unipfarre gemeinsam – die Christoph-Probst-Lecture, die wir 2020 zum 350. Jubiläum der Universität initiiert haben“, ergänzte Vizerektor Dirk Rupnow in seiner Begrüßung. „Die Idee ist es, die zentralen Ideale, für die die Mitglieder der Weißen Rose eingestanden und auch gestorben sind, immer wieder vor dem Hintergrund unserer Vergangenheit und mit Blick auf unsere Gegenwart zu reflektieren: Freiheit, Demokratie, Zivilcourage. Es geht darum, vom Erbe Christoph Probsts und seines Freundeskreises ausgehend zu fragen, was diese Werte und Ideale für uns heute bedeuten, wie es um sie bestellt ist und was von uns gefordert ist, wenn wir sie ernst nehmen und uns um sie kümmern wollen.“
7. Christoph-Probst-Lecture von Manfred Nowak zur Bedeutung der Menschenrechte in Zeiten politischer Unsicherheit
Der Vortrag befasst sich mit der Entwicklung der Menschenrechte weltweit seit dem Ende des 2. Weltkriegs, also während des Kalten Kriegs, in der Aufbruchstimmung der 1990er Jahre und im Kontext der multiplen Krisen und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die Lecture versucht auch Parallelen zwischen den 1920er und 2020er Jahren sowie mögliche Gründe für den allmählichen Zerfall jener multilateralen Nachkriegsordnung aufzuzeigen, die ein „Nie wieder“ nach zwei Weltkriegen und dem Holocaust versprochen hatte und in der die Menschenrechte bisher eine entscheidende Rolle gespielt haben. Schließlich sollen mögliche Szenarien für eine Bekämpfung dieser multiplen Krisen aufgezeigt werden.
Jahrzehntelanges Ringen
Manfred Nowak ist heute Generalsekretär des Global Campus of Human Rights und Professor für Internationalen Menschenrechtsschutz in Venedig und Wien und Mitbegründer des Wiener Forum für Demokratie und Menschenrechte. Als UN-Experte in verschiedenen Funktionen beschäftigte er sich viele Jahre vor allem mit dem Erzwungenen Verschwindenlassen, der Folter und in einer 2019 erschienenen globalen Studie mit dem Freiheitsentzug von Kindern. In seinem Vortrag an der Universität Innsbruck zog er zunächst einen Vergleich zwischen Entwicklungen in den 1920- und 2020-Jahren, um dann zu zeigen, wie die Menschenrechte geschaffen und international implementiert wurden. Nicht zu kurz kamen auch die aktuellen Tendenzen zur Aushöhlung der internationalen Ordnung und mögliche Auswege aus dieser Situation.
