Zwei Skitourengeherinnen im alpinen Gelände

Das AAC-Projekt entwickelt bis August 2026 verschiedene Angebote für einen nachhaltigen, digital-unterstützten Outdoorsport. Dazu gehört unter anderem auch eine Studie zum Nachhaltigkeitsverständnis im Outdoorsport.

Nach­hal­ti­ger Out­door­sport: Wahr­neh­mung und Taten gehen aus­ein­an­der

Das Interreg-Projekt „AAC Alpine Awareness Camps" vereint seit September 2023 Partner aus Bayern und Österreich für mehr Nachhaltigkeit im alpinen Outdoorsport. Nun liegen erste Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der Universität Innsbruck vor, die wertvolle Einblicke in das Verhalten von Outdoorsportler:innen gibt.

Seit September 2023 arbeiten die Universität Innsbruck, der Tourismusverband Kaunertal, der Tourismusverband Kitzbüheler Alpen Brixental sowie die Allgäu GmbH unter Federführung des Vereins zur Information über alpine Gefahren an dem grenzüberschreitenden Projekt AAC Alpine Awareness Camps zusammen.

Das Projekt antwortet auf die Herausforderungen eines stetig wachsenden Trends zum Outdoorsport. Skifahren, Biken, Klettern und andere Sportarten im freien Gelände bedeuten nicht nur ein erhöhtes individuelles Sicherheitsrisiko, sondern führen auch zu einer steigenden Belastung von Natur und Umwelt sowie zu Nutzungskonflikten zwischen unterschiedlichen Interessensgruppen.

Altersgruppen halten unterschiedlich viel von Öffi-Nutzung

Von Herbst 2023 bis Frühjahr 2025 wurde unter der Leitung von Mike Peters, Professor für Management und Marketing an der Universität Innsbruck, mittels Online-Fragebogen und Experteninterviews eine wissenschaftliche Studie zum nachhaltigen Outdoorsport durchgeführt. Unter den insgesamt 140 Studienteilnehmer:innen befanden sich Bergsportler:innen, Bergführer:innen, Bike Guides, Tourismusverbände und Bergbahnen. Auf die Frage „Was Nachhaltigkeit für mich bedeutet“ wählten die meisten Befragten die langfristige Nutzung von Produkten, Energiesparen und den Schutz der Landschaft. Zu den am stärksten wahrgenommenen Veränderungen am Berg zählten der Wandel des Landschaftsbilds (Gletscher/Wald/Wasser), das Wetter im Winter sowie die Frequenz der Menschen am Berg.

Während die persönliche Bedeutung von Nachhaltigkeit hoch eingeschätzt wird, stimmt das tatsächliche Verhalten oft weniger überein – in der Wissenschaft wird dieses Phänomen als Attitude-Behaviour Gap bezeichnet. Auffällig sind vor allem Unterschiede in Alters- und Geschlechtergruppen: Die Aussage „Nachhaltigkeit bedeutet für mich…öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen“ hatte in der Altersgruppe 26-35 eine Zustimmung von 4,43 erreicht, während der Mittelwert bei den 56- bis 65-Jährigen bei 3,15 lag (5=trifft sehr stark zu). Jüngere Befragte sahen den Beitrag des öffentlichen Verkehrs zur Nachhaltigkeit somit deutlich stärker, als dies ältere Befragte taten. Zudem werden öffentliche Verkehrsmittel mehr von Frauen als Männern genutzt.

Österreichische Studienteilnehmer:innen bewerteten die Veränderungen am Berg für „Naturgefahren im Sommer“ deutlich stärker als die deutschen. Das „Wetter im Winter“ wurde hingegen von den deutschen Studienteilnehmer:innen als stärker verändert wahrgenommen als von den österreichischen Befragten. Unterschiede in den Altersgruppen ergab sich bei der „Veränderung des Landschaftsbildes“: 26- bis 35-Jährige nahmen die Veränderung mit einem Mittelwert von 4,62 um einiges stärker wahr als über 65-Jährige mit einem Mittelwert von 3,57 (5=trifft sehr stark zu).

Information als Schlüssel, Hebel bei Kindern und Jugendlichen

Mike Peters untermauert: „Nutzer:innen und Institutionen müssen sich anpassen, mehr Eigenverantwortung übernehmen und die Natur respektieren. Der Schlüssel liegt in der Information, um Verständnis für die Belastungen zu schaffen und Verhaltensänderungen zu fördern, z.B. durch Besucher:innen-Lenkung. Besonders Kinder, Jugendliche aber auch jene Gruppen, die zwar eine Absicht zeigen, aber schlussendlich dann doch zur weniger nachhaltigen Wahl (bspw. Anreise mit PKW) greifen, sollten mit konkreten Angeboten angesprochen werden, da hier die größten Veränderungspotenziale liegen“, so der Wissenschaftler.

Konkrete Projektinhalte: Von Camps bis zur digitalen Plattform

Das AAC-Projekt entwickelt bis August 2026 verschiedene Angebote für einen nachhaltigen, digital-unterstützten Outdoorsport. Dazu gehört neben sechs Pilotcamps zu den Themen „Snow“, „Bike“ und „Climb“ sowie zwei grenzüberschreitenden Impulsveranstaltungen für regionale Partner auch die genannte Studie zum Nachhaltigkeitsverständnis im Outdoorsport. Zusätzlich gibt es „Train-the-Trainer Workshops" zur Qualifizierung von Bergführer:innen und Guides und kürzlich wurde eine digitale Plattform gelauncht, die der gesamten Outdoor-Sport-Community, Tourismusverbänden und Regionalmanagements zur Verfügung steht. Ein besonderer Fokus liegt auf der Entwicklung eines didaktischen und inhaltlichen Konzepts für die AAC-Formate, das Tourismusverbände und andere Multiplikatoren für ihre eigenen Qualifizierungen nutzen können. Weitere Informationen unter www.alpine-awareness.eu

(red/F.acT)

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