Vier Personen stehen vor einer roten Leinwand mit SPÖ Aufschrift.

Alexandra Weiss, Viktoria Wind, Elisabeth Fleischanderl, Heike Welte (v.l.)

Maria Ducia-Forschungs­preis 2026 verliehen

Am 10. März 2026 erhielt Mag.a Viktoria Wind BA für ihr Disser­ta­ti­ons­kon­zept „Von ‚Arbeiter-Soldaten‘ und ‚Verteidigern der Republik‘: Aushand­lungen sozi­al­de­mo­kra­tisch-mili­tä­ri­scher Männ­lich­keit in Öster­reich (1914-1933)“ den mit 2.000,- Euro dotierten Maria Ducia-Forschungs­preis.

Der Preis

Gestiftet vom Landtagsklub der SPÖ-Tirol, wurde der Preis von der Landtagsabgeordneten und Klubobfrau der SPÖ-Tirol Elisabeth Fleischanderl und der Jury-Vorsitzenden Ass.-Prof.in Dr.in Heike Welte überreicht. Die Organisation des Preises wurde vom Büro für Gleichstellung und Gender Studies abgewickelt.
Mit dem Maria Ducia-Forschungspreis, der heuer zum 9. Mal vergeben wurde, verfolgen wir zwei Ziele: Der Preis soll Nachwuchswissenschafter:innen bei der Fertigstellung ihrer Arbeit unterstützen und er soll für kritische, feministische Frauen- und Geschlechterforschung eine breitere Öffentlichkeit herstellen. Die Jury, unter dem Vorsitz von Heike Welte, wählte diesmal unter 29 Einreichungen das Konzept von Viktoria Wind von der Universität Graz aus.
Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf historischen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die aus der Perspektive feministischer Frauen- und Geschlechterforschung beleuchtet werden. Besonders unterstützt werden Arbeiten, die eine gesellschaftspolitische Relevanz besitzen. D.h., wir möchten mit dem Ducia-Preis auch einen fruchtbaren Austausch von Wissenschaft und Politik fördern. Gesellschaftspolitische Relevanz heißt auch, dass wir die langen Schatten der Vergangenheit, die bis in unsere Gegenwart reichen, die unseren Alltag und Lebensbedingungen prägen, zum Thema machen. Auch die Themen, die Maria Ducia in ihren Landtagsreden aufgriff, zeigen die Langlebigkeit mancher politischen Debatten.

Die Preisträgerin …

Viktoria Wind studierte an der Universität Graz und hat dort zunächst das Bachelorstudium Geschichte und daran anschließend das Lehramtsstudium Deutsch und Geschichte absolviert. In beiden Qualifizierungsarbeiten widmete sie sich dem Themenkomplex Männlichkeitskonstruktionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Österreich. Auch ihr Dissertationsstudium absolviert sie an der Universität Graz, außerdem hat sie für ihr Forschungsthema auch schon Drittmittel eingeworben, unter anderem das DOC-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und das Elisabeth List Junior Fellowship Programm.
Ihre Berufliche Tätigkeit umfasst aber auch die Kulturvermittlung, die Koordination und Konzeption von Ausstellungen, und eine Reihe von wissenschaftlichen Vorträgen, Präsentationen und Workshops, die eng mit ihrem Forschungsthema verbunden sind. Sie unterrichtete an der Universität Graz, am Institut für Geschichte sowie in der Pädagog:innenfortbildung von Universalmuseum Joanneum und der Pädagogischen Hochschule Steiermark. Und nicht zuletzt hat sie auch bereits eine Reihe von wissenschaftlichen Aufsätzen in einschlägigen Zeitschriften publiziert.

… und ihre Arbeit

In ihrer Dissertation setzt sich Viktoria Wind mit militärischen und politischen Ordnungen als vergeschlechtlichte Macht- und Exklusionsregime auseinander und zeigt damit eine hohe gesellschaftspolitische Relevanz und eine klare feministische Perspektive. Es wird u.a. sichtbar, wie Demokratisierungsprozesse nach 1918 mit einer fortgesetzten Ausgrenzung von Frauen aus dem Militärraum verbunden waren, wie sie historisch hergestellt, legitimiert, aber auch umkämpft waren. Dazu aus dem Gutachten zum Konzept: „Besonders produktiv ist die Verbindung von Militär-/Gewaltgeschichte mit feministischer Geschlechtergeschichte, weil so die politischen Implikationen von Männlichkeitskonstruktionen für Staatsbürgerschaft, Republik und soziale Ordnung herausgearbeitet werden.“
Das diese Fragen von Geschlecht, „Wehrfähigkeit“ und Staatsbürgerschaft erst relativ spät zu politischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen führten, begründet Viktoria Wind so: „Gerade, weil weiße Männlichkeit in der bürgerlichen Geschlechterordnung der Moderne für die Norm, für das Normale steht, blieb sie meist unsichtbar. Das Normale muss niemand beschreiben. Und weil Krieg zum Teil auch heute als rein ‚männlich‘ wahrgenommen wird, kam auch dem Geschlecht des Soldaten lange keine Aufmerksamkeit zu.“
Wie nun konkret die österreichische Sozialdemokratie und die Arbeiter:innenbeweung militärische Männlichkeit entwarfen, wurde bisher weder für die Erste, noch für die Zweite Republik untersucht. Viktoria Wind dazu: „Die Demokratisierung des Militärs mithilfe der Soldatenräte und Vertrauensmänner eröffnete einen Spielraum für die Konstruktion eines Soldatenideals, das den Soldaten als ‚Verteidiger und Beschützer der Republik‘ ins Zentrum rückte.“
Jury-Vorsitzende Heike Welte betonte vor dem Hintergrund des politischen Rechtsrucks und einem Erstarken traditioneller bis autoritärer Männlichkeitsentwürfe die hohe gesellschaftliche Relevanz des Projekts: „Überzeugend sind dabei auch die reflektierten Brücken zur Gegenwart.“

Sowohl das Gutachten als auch die Jury sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich um eine wissenschaftlich und gesellschaftlich relevante und vielversprechende Arbeit handelt, die den Ausschreibungskriterien dieses Preises in höchstem Maße entspricht. Der Autorin ist ein äußerst spannendes, wissenschaftlich anspruchsvolles Konzept gelungen, das neugierig auf die fertige Arbeit macht.

Informationen zum Preis: https://www.uibk.ac.at/leopoldine/gender-studies/preise/ducia.html

Alexandra Weiss
(Büro für Gleichstellung und Gender Studies)

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