Der Preis des Fürstentums Liechtenstein gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen für wissenschaftliche Leistungen an den Innsbrucker Universitäten und wird seit 1983 jährlich vergeben. Die Ehrung der ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fand in feierlichem Rahmen im Regierungsgebäude in Vaduz statt. Die Urkunden wurden von Regierungsrat Dr. Emanuel Schädler überreicht. „Wissen ist ein Rohstoff, den man nicht einfach abbauen kann, man muss ihn sich schaffen. Gerade in Liechtenstein sind wir uns dessen sehr bewusst und unterstützen daher diesen Preis aus tiefster Überzeugung“, betonte Regierungsrat Schädler in seiner Festrede.
Der mit insgesamt 14.000 Euro dotierte Preis für das Jahr 2025 wurde zu gleichen Teilen an die Ausgezeichneten vergeben.
Die Rektorin der Universität Innsbruck, Veronika Sexl, sprach ihren Dank für die langjährige Förderung der Forschung aus: „Diese Auszeichnung gehört zu den angesehensten Preisen unserer Universität und wird bereits seit mehr als vier Jahrzehnten verliehen. Im Namen der Universität Innsbruck danke ich dem Fürstentum Liechtenstein herzlich für die kontinuierliche Unterstützung. Diese bedeutende Partnerschaft stärkt unsere akademische Leistungsfähigkeit und schafft eine wichtige Grundlage dafür, Forschung auf höchstem Niveau zu ermöglichen und wissenschaftliche Karrieren zu fördern.“
Auch der Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, Gert Mayer, betonte die Bedeutung des Preises: „Das Fürstentum Liechtenstein setzt mit diesem Preis bereits seit vielen Jahren ein Zeichen für den hohen Wert von Wissenschaft. Dafür sind wir als forschungsintensive Medizinische Universität besonders dankbar. Die Anerkennung hervorragender wissenschaftlicher Leistungen ist für junge Forscherinnen und Forscher nicht nur Bestätigung, sondern vor allem Motivation. Wir sind stolz auf unsere Preisträgerin“.
Die Preisträgerinnen und Preisträger
Universität Innsbruck
Gabriela Gniewosz
Gabriela Gniewosz studierte Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und schloss ihr Diplomstudium 2009 mit Auszeichnung ab. Anschließend promovierte sie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, wo sie sich mit den unterschiedlichen Wirkungen freiwilligen Engagements beschäftigte. Nach weiteren wissenschaftlichen Stationen in Würzburg, Frankfurt, München und Salzburg forscht sie seit 2021 an der Universität Innsbruck, seit 2022 als Assistenz-Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft.
Im Zentrum ihrer Forschung stehen Familienbeziehungen sowie die emotionale und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Dabei untersucht sie insbesondere, wie sich Wahrnehmungen von elterlicher Wärme zwischen Eltern und Kindern unterscheiden und welche Bedeutung diese Übereinstimmungen oder Abweichungen für das Wohlbefinden junger Menschen haben.
In ihren, in den Fachzeitschriften Developmental Psychology, Zeitschrift für Bildungsforschung und Journal of Family Psychology veröffentlichten und nun prämierten Arbeiten zeigt Gabriela Gniewosz, dass Kinder und Jugendliche sich besser entwickeln, wenn sie und ihre Eltern familiäre Wärme ähnlich wahrnehmen. Unterschiede in diesen Wahrnehmungen sind dabei nicht nebensächlich, sondern geben wichtige Hinweise auf die Qualität familiärer Beziehungen. Je nach Situation können solche Abweichungen Ausdruck normaler Entwicklungsprozesse sein oder auf Belastungen hinweisen. Ihre Forschung trägt damit wesentlich zum Verständnis bei, wie Familienbeziehungen das Wohlbefinden junger Menschen beeinflussen.
Yanliang Guo
Yanliang Guo studierte Physik im Rahmen eines Doppelstudiums an der Wuhan University und der Universität Lyon. Anschließend absolvierte er ein Masterstudium in Quantenoptik an der École Polytechnique in Frankreich. Sein Doktoratsstudium auf dem Gebiet Atomphysik absolvierte er an der Universität Paris 13, wo er sich mit den Eigenschaften von Quantengasen und deren superfluidem Verhalten beschäftigte. Seit 2021 forscht er als Postdoc an der Universität Innsbruck am Institut für Experimentalphysik im Bereich Quantenphysik.
Im Zentrum seiner Forschung stehen stark wechselwirkende Quantensysteme, insbesondere sogenannte ultrakalte Quantengase in reduzierten Dimensionen. Dabei untersucht er, wie sich die physikalischen Eigenschaften von Materie verändern, wenn ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird, etwa in ein- oder zweidimensionalen Systemen, sowie wie sich solche Systeme unter nichtgleichgewichtiger Vielteilchendynamik entwickeln.
In seinen, in den Fachzeitschriften Nature Physics, Science Advances, Science sowie Nature veröffentlichten und nun prämierten Arbeiten konnte Yanliang Guo zeigen, dass sich die Eigenschaften von Quantensystemen grundlegend verändern, wenn ihre Dimensionalität reduziert wird. So konnte er nachweisen, dass Teilchen in solchen Systemen je nach betrachteter Skala unterschiedliche Dimensionen „wahrnehmen“ und unter bestimmten Bedingungen unerwartete Abkühlungseffekte auftreten. Darüber hinaus gelang ihm die experimentelle Beobachtung eines Zustands, in dem ein Vielteilchen-Quantensystem, das gezielt aus dem Gleichgewicht gebracht wird, seine Dynamik nicht in ein thermisches Gleichgewicht überführt. Schließlich konnte er zeigen, dass sich in eindimensionalen Systemen neuartige Quasiteilchen, sogenannte Anyonen, realisieren lassen, die zwischen Bosonen und Fermionen vermitteln. Seine Arbeiten liefern damit grundlegende neue Einsichten in die Physik niedrigdimensionaler Vielteilchen-Quantensysteme.
Thomas Schubatzky
Thomas Schubatzky studierte an der Karl-Franzens-Universität Graz Mathematik und Physik auf Lehramt und schloss seine Studien mit Auszeichnung ab. Nach dem Unterrichtspraktikum promovierte er im Bereich der Physikdidaktik ebenfalls mit Auszeichnung. Anschließend war er als Universitätsassistent an der Universität Graz tätig, bevor er an die Universität Innsbruck wechselte, wo er sich 2024 im Fach Didaktik der Physik habilitierte. Seit 2024 ist er Assoziierter Professor am Institut für Fachdidaktik sowie am Institut für Experimentalphysik der Uni Innsbruck.
Im Fokus seiner Forschung steht, wie Lehrpersonen Wissen, Motivation und Selbstwirksamkeit im Umgang mit digitalen Technologien im naturwissenschaftlichen Unterricht entwickeln. Dabei untersucht er insbesondere das Zusammenspiel dieser Faktoren bei angehenden Physiklehrkräften. In seinen prämierten, in den Fachzeitschriften Computers & Education sowie Computers and Education Open veröffentlichten Arbeiten zeigt Thomas Schubatzky, dass der Aufbau digital-medienbezogenen Wissens vor allem darauf basiert, wie gut Lehrpersonen verstehen, wie Schülerinnen und Schüler physikalische Inhalte wahrnehmen und welche Vorstellungen sie dazu haben. Motivation und Vorerfahrungen mit digitalen Medien erweisen sich nicht nur als wenig förderlich, sondern zeigen sogar einen unerwartet negativen Zusammenhang mit dem Lernerfolg: Je höher die Motivation der Studierenden, desto geringer fällt ihr Lernzuwachs in den Seminaren aus. Dies deutet darauf hin, dass ein einseitiger Fokus auf Motivation allein der Professionalisierung sogar abträglich sein kann.
Zudem konnte er nachweisen, dass die Selbstwirksamkeit von Lehrpersonen eine zentrale Rolle für die tatsächliche Nutzung digitaler Technologien spielt und sich im Verlauf der Ausbildung zunehmend mit dem erworbenen Wissen verknüpft. Durch die Verbindung zentraler theoretischer Modelle und den Einsatz anspruchsvoller quantitativer Methoden leisten seine Arbeiten einen wichtigen Beitrag zur evidenzbasierten Weiterentwicklung der Lehrer:innenbildung im Bereich digitaler Bildung.
Medizinische Universität Innsbruck
Natascha Kleiter
Natascha Kleiter studierte an der Universität Salzburg Zoologie und promovierte auch dort. Bis 1999 arbeitete sie als PostDoc am Institut für Molekularbiologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Nach der Geburt ihrer zwei Töchter forscht die Biologin seit 2003 im Labor des Zellgenetikers Gottfried Baier an der Medizinischen Universität Innsbruck, wo sie sich 2013 auch habilitierte. Im Fokus der Assoziierten Professorin und ihrer Arbeitsgruppe stehen jene zellulären Mechanismen, die zur Aktivierung, Aufrechterhaltung und Beendigung einer Immunantwort führen, zur Rolle des intrazellulären, immunregulierenden Proteins NR2F6 konnte sie bereits zahlreiche wissenschaftliche Beiträge liefern.
In ihrer, im Fachjournal Advanced Science veröffentlichten und nun prämierten Forschungsarbeit, konnte Natascha Kleiter zeigen, dass Mäuse, denen der Immunrezeptor NR2F6 fehlt, eine Salmonellen-Infektion deutlich besser überstehen als Wildtyp-Tiere. Sie verlieren kaum Gewicht, weisen geringere Bakterienlasten in Milz und Leber auf und zeigen niedrigere Spiegel entzündungsfördernder Botenstoffe im Blut. Salmonellen nutzen normalerweise Makrophagen – spezialisierte Immunzellen, die Erreger und Zellreste aufnehmen und abbauen – als Rückzugsort aus und werden von ihnen im Körper weitertransportiert. Sie profitieren vom dort gespeicherten Eisen, das sie für ihr Wachstum benötigen. Natascha Kleiter fand Hinweise auf eine neue Funktion von NR2F6 in der Regulation der Phagozytose in Makrophagen und identifizierte damit ein potenzielles therapeutisches Ziel für Infektionskrankheiten.
Medienmittelung des Fürstentums Liechtenstein: https://www.regierung.li/medienportal-medium/16182/234369/0/medienmitteilung
