Warum „Greifen – Halten – Wachsen“? Der Titel fasst zentrale Entwicklungsaufgaben zusammen: Zugänge schaffen (greifen), Strukturen sichern (halten) und nachhaltige Veränderung ermöglichen (wachsen). Deutlich wurde, dass Geschlechtergerechtigkeit im Sport dann gelingen könnte, wenn sie als Querschnittsthema gedacht wird – in Ausbildung und Lehre, in Vereinen und Verbänden, in Medien und Öffentlichkeit.
Zentrale Einsichten aus Vortrag und Diskussion
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Von individuellen Geschichten und strukturellen Veränderungen: Leuchtturmprojekte (wie das im Vortrag präsentierte Projekt: ClimbAID) haben das Potenzial, einzelne Schicksale zum Positiven zu verändern. Außerdem notwendig ist der Ausbau verbindlicher Rahmenbedingungen, die eine faire Verteilung von Ressourcen sicherstellen bzw. Schutzkonzepte gegen Diskriminierung und Gewalt vorantreiben und etablieren.
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Sichtbarkeit schafft Teilhabe: Medienpräsenz, Vorbilder in Trainerinnen- und Führungspositionen sowie eine diversitätssensible Sprache beeinflussen, wer sich angesprochen fühlt. Sichtbarkeit ist kein „Nice-to-have“, sondern kann als Hebel für Zugänge und Karrieren wirken.
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Praxis nah denken: In der Diskussion in Innsbruck rückte der schulische Kontext in den Fokus, da auch Lehramt-Studierende beim Austausch anwesend waren. Gemeinsam wurde reflektiert, ob getrennte Settings sinnvoll sind bzw. wo sie limitieren oder aufgrund von stereotypen Zuweisungen einschränken. Konsens: Ist geschlechtergetrennter Unterricht (in Schule, wie Studium) noch zeitgemäß oder benötigen wir mehr Flexibilität für kontextabhängige Lösungen?
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Von der Basis bis zur Spitze: Auf allen Ebenen – Kinder- und Jugendsport, Breitensport, Leistungs- und Spitzensport – greifen die Themen ineinander. Nachwuchsgewinnung, Talentförderung, Vereinbarkeit von Ausbildung, Beruf und Leistungssport sowie Übergänge nach der aktiven Karriere: Um Gleichstellung zu gewährleisten benötigt es Role-Models, Vorreiter:innen und klare, sichere Strukturen
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Aussagekräftige Daten, die wirken: Evidenzbasierte Analysen zu Beteiligungsquoten, Fördermitteln, Verletzungsprävalenzen, Drop-out-Raten oder Berichterstattung sprechen noch immer eine eindeutige Sprache – Welche Lösungsansätze sind wirkungsvoll, um Gleichstellung nachhaltig zu verankern und selbstverständlich zu machen?
Die Atmosphäre im Innsbrucker Austausch war offen, konstruktiv aber auch kritisch. Besonders wertvoll war die Verbindung von wissenschaftlicher Perspektive und Praxiswissen aus Unterricht, Training und Vereinsarbeit.
Was nehmen wir mit?
„Greifen – Halten – Wachsen“ könnte für jenen Prozess stehen, den wir an der Universität und darüber hinaus aktiv gestalten sollten – im Hörsaal, in der Halle, auf dem Platz und in unseren Institutionen durch faire Rahmenbedingungen und den „Aufbau eines Selbstverständnisses“, wie eine Studierende formulierte, in punkto Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung im Sport.
Herzlichen Dank an die Universität für Weiterbildung Krems für Organisation und Impulse und an alle Studierende und Mitarbeiter:innen vor Ort in Innsbruck, die mit ihren Erfahrungen und Fragen diesen Dialog lebendig gemacht haben und Raum zum Weiterdenken erschaffen haben.
(Universitäts-Sportinstitut Innsbruck)
