Gruppenfoto von rund 50 Personen

Die Teilnehmer:innen des Workshops „SE-Live 2026“.

Die Soft­wa­r­e­in­dus­trie im KI-Stress­test

Beim Workshop „Software Engineering Live" am 19. und 20. März 2026 in Kitzbühel diskutierten rund 50 Expert:innen aus Forschung und Praxis, wie künstliche Intelligenz die Softwareentwicklung grundlegend verändert und welche Kompetenzen in Zukunft gefragt sind.

Künstliche Intelligenz verändert die Softwarebranche grundlegend – darin waren sich rund 50 Expert:innen beim Workshop „Software Engineering Live“ am 19. und 20. März 2026 in Kitzbühel einig. Die Veranstaltung, die von der Universität Innsbruck gemeinsam mit der AI Factory Austria und dem German Chapter of the ACM organisiert wurde, brachte Fachleute aus Forschung und Praxis zusammen, um über die Zukunft der Softwareentwicklung zu diskutieren.

Welche Fähigkeiten sind in Zukunft gefragt?

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Frage, wie KI die Art und Weise verändert, wie Software entsteht, und welche Konsequenzen dies für Entwickler:innen, Unternehmen und Ausbildungswege hat. Erfahrungsberichte und Vorführungen KI-gestützter Werkzeuge zeichneten ein klares Bild: Auch wenn KI-Generatoren rasch an Leistungsfähigkeit gewinnen, lässt sich die Softwareentwicklung nicht vollständig automatisieren. Insbesondere Architekturentscheidungen, Anforderungen, Tests, Qualitätssicherung und die kritische Auswertung von Ergebnissen bleiben zentrale menschliche Aufgaben.

„Es sind neue Kompetenzen erforderlich, um die KI-Generierung zu steuern und die erzielten Ergebnisse zu bewerten und zu verbessern“, so Ruth Breu, Professorin für Informatik und Leiterin der Forschungsgruppe Quality Engineering am Institut für Informatik der Universität Innsbruck, und Hauptorganisatorin des Workshops.

Von der Code-Generierung zur Qualitätsverantwortung

Dies ist eine zentrale Botschaft für Studierende, Unternehmen und den regionalen Innovationsstandort Tirol: Software-Engineering gewinnt weiter an Bedeutung – wenn auch mit einem anderen Schwerpunkt. Wer in Zukunft erfolgreiche digitale Produkte entwickeln will, braucht nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch die Kompetenz, KI-Systeme kritisch einzuschätzen, Anforderungen präzise zu formulieren und Qualität unter realen Bedingungen sicherzustellen.

Der Workshop machte mehrfach deutlich, dass sich die Debatte nicht auf die Begeisterung für Technologie beschränkt. Es herrschte Einigkeit darüber, dass gute Softwareentwicklung weit mehr ist als nur das Generieren von Code, selbst im Zeitalter der generativen KI. Eine gute Architektur, verlässliche Anforderungen, präzise Testfälle und nachvollziehbare Qualität bleiben die Grundlage vertrauenswürdiger Systeme.

Referent Hans Egermaier brachte es auf den Punkt: KI ist „kein Feenstaub“, der Erfolg hängt entscheidend von klaren Anforderungen, menschlichem Fachwissen und einem systematischen Ansatz ab. Das Gleiche gilt für generative KI: „ Wer gute Fragen stellt, wird gute Antworten bekommen.“ Die Qualität des Ergebnisses hängt direkt von der Präzision, der kontextuellen Tiefe und der Klarheit der Eingabe ab.

Tiroler Praxis zeigt, wie schnell sich Anforderungsprofile verändern

Wie konkret dieser Wandel in Unternehmen bereits angekommen ist, zeigte auch die Perspektive aus der Tiroler Softwarebranche. Maximilian Ehrhart, Forschungsleiter bei CASABLANCA Hotelsoftware: , „Als Tiroler Softwareunternehmen mit über 2.000 Hotelkund:innen erleben wir die KI-Transformation hautnah: Autonome KI-Agenten übernehmen zunehmend Routineaufgaben – von der Code-Generierung bis zum Testen. Dies verlagert die entscheidenden Kompetenzen unserer Entwickler:innen: weg von der reinen Programmierung hin zur Orchestrierung, Bewertung und verantwortungsvollen Steuerung von KI-Systemen.

Insbesondere für Technologieunternehmen in Tirol wird dadurch deutlich, dass Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft nicht nur durch den Einsatz neuer Werkzeuge entsteht, sondern auch durch die Fähigkeit, Forschung, Anwendungswissen und den verantwortungsvollen Umgang mit KI miteinander zu verbinden. Veranstaltungen wie „Software Engineering Live“ schaffen einen Raum, in dem modernste Forschung und Praxis aufeinandertreffen.

AI Factory Austria AI:AT: Forschung, Infrastruktur und Umsetzung gemeinsam denken

Michael Löffler, Experte für vertrauenswürdige KI bei der AI Factory Austria AI:AT, betonte ebenfalls die größere strategische Perspektive. Seiner Ansicht nach ergeben sich neue Chancen für Europa als Software-Standort insbesondere dort, wo Datenhoheit, IT-Sicherheit, Datenschutz und ethische Standards nicht als Hindernis, sondern als Qualitätsmerkmal gesehen werden.

(Ruth Breu, Daniel Pepl)

 

Über die AI Factory Austria AI:AT

Die AI Factory Austria AI:AT ist Österreichs nationale AI Factory im Rahmen des gemeinsamen Unternehmens EuroHPC. Sie wird gemeinsam vom AIT Austrian Institute of Technology und Advanced Computing Austria (ACA) geleitet und von einem österreichweiten Konsortium umgesetzt.

Die Partner des Konsortiums sind: TU Wien, Universität Wien, Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), Universität Innsbruck, TU Graz, Johannes Kepler Universität Linz (JKU), Institute of Science and Technology Austria (ISTA), die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), INiTS – Vienna’s High-Tech Incubator und EODC – Earth Observation Data Center for Water Resources Monitoring GmbH. AI:AT verbindet eine KI-optimierte Hochleistungsinfrastruktur mit einem physischen Hub und unterstützt Organisationen aus Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung und angewandter Forschung als marktneutraler, unabhängiger Anlaufpunkt auf dem Weg zur KI - vom ersten Anwendungsfall bis hin zur praktischen Umsetzung.

Die AI Factory Austria (AI:AT) wird vom European High-Performance Computing Joint Undertaking (JU) im Rahmen der Fördervereinbarung Nr. 101253078 kofinanziert. Das Joint Undertaking wird durch das Programm „Horizont Europa“ der Europäischen Union sowie durch Österreich (BMIMI/FFG) unterstützt.

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