Gruppenfoto der beteiligten Personen

Teilnehmende und Diskutant:innen, v. l.: Alexander Koenig (Generaldirektor für den Strafvollzug), Hemma Mayrhofer (IRKS, Universität Innsbruck), Walter Hammerschick (IRKS, Universität Innsbruck), Gaby Schwarz (Volksanwältin, u.a. für Strafvollzug), Veronika Hofinger (IRKS, Universität Innsbruck), Friedrich Forsthuber (Präsident des Landesgerichts für Strafsachen Wien), Deborah Kant (Institut für Kriminologie, Universität Köln und University of Cambridge)

„Das sozi­ale Klima in Haft“: IRKS-Jah­res­auf­takt im Jus­tiz­pa­last

Der Strafvollzug in Österreich steht vor großen Herausforderungen. Dies verdeutlichen nicht nur medial diskutierte Extremereignisse, sondern auch die Zahlen zu überfüllten Haftanstalten und Personalmangel. Das Institut für angewandte Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) nahm neue Forschungsergebnisse zum Anlass, um an seinem Jahresauftakt-Fest mit Justiz, Politik und Fachpraxis in einen Dialog zu treten.

Der Jahresauftakt am 29. 01. 2026 fand im feierlichen Rahmen des Justizpalastes in Wien unter Anwesenheit von Rektorin Veronika Sexl statt. In ihren Grußworten an die hochrangige Fachöffentlichkeit unterstrich Sexl die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft. Die Forschung an der Universität Innsbruck sieht sich dem Ziel verpflichtet, wissenschaftliche Expertise für die Gesellschaft verfügbar zu machen. Das Institut für angewandte Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) stehe mit seiner gesellschaftlich hochrelevanten Forschung in besonderer Weise für diese „Dritte Mission“ der Universität, so die Rektorin. Den Festgästen wünschte sie einen gewinnbringenden Dialog, der zur Bewältigung der Herausforderungen im österreichischen Strafvollzug beizutragen vermag.

Kriminalsoziologin Veronika Hofinger (IRKS) präsentierte in ihrem Impulsvortrag unter dem Titel „Das soziale Klima in Haft – Möglichkeiten eines humanen und resozialisierungsfördernden Umfeldes angesichts aktueller Herausforderungen“ erste Ergebnisse aus dem KIRAS-Forschungsprojekt „Haftklima“. In dessen Rahmen wird erstmals in Österreich das Haftklima systematisch aus Sicht von Inhaftierten und Personal erhoben und in seiner Bedeutung für die Vollzugspraxis analysiert. Internationalen Studien zufolge stellt das soziale Klima in Haft einen wichtigen Faktor für Sicherheit, Arbeitszufriedenheit und Resozialisierung dar – und damit für die Qualität des Strafvollzugs insgesamt.

Man sieht links ein spartanisches Bett, rechts einen kleinen Tisch mit einem Buch darauf. Die Wand dahinter ist mit Bildern von Tieren vollgepflastert.

Bild aus Veronika Hofingers „Zellenserie“: Fotos von österreichischen Haftanstalten, aufgenommen zwischen 2007 und 2012.

Die Studienergebnisse des IRKS zeigen zum einen die große Bedeutung struktureller Bedingungen für das soziale Klima in Haft: Überbelag und lange Einschlusszeiten prägen die Klimawahrnehmungen. Zum anderen konnte gezeigt werden, dass insbesondere Respekt und Fairness sowie eine gute Personal-Insassen-Beziehung die Wahrnehmung von Sicherheit, das psychische Wohlbefinden sowie persönliche Entwicklungsmöglichkeiten positiv beeinflussen.

Die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion drehte sich um die essenzielle Frage, was es braucht, um die enormen Aufgaben zu lösen, vor denen der österreichische Strafvollzug steht. Neben Studienleiterin Veronika Hofinger diskutierten:

  • Friedrich Forsthuber, Präsident des Landesgerichts für Strafsachen Wien
  • Deborah Kant, Kriminologin an der Universität Köln und University of Cambridge
  • Alexander Koenig, Generaldirektor für den Strafvollzug und den Vollzug freiheitsentziehender Maßnahmen (BMJ)
  • Gaby Schwarz, Volksanwältin und in dieser Funktion auf Bundesebene u.a. für den Strafvollzug zuständig

über Möglichkeiten für kurzfristige Entlastung sowie längerfristige Perspektiven für Reformen.

 

Weitere Informationen

Forschungsprojekt „Haftklima – Monitoring des sozialen Klimas in Justizanstalten

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