In ihrer prämiierten Arbeit untersucht Brunner, wie agroökologische Bäuerinnen und Bauern in der Region Valle Inferior del Río Negro in Argentinien zwischen konventionellen und alternativen Agrarvorstellungen navigieren. Aufbauend auf langfristiger partizipativer Forschung und einem multi-methodischen Ansatz mit visuellen und kreativen Methoden zeigt sie, dass zukünftige agrarische Vorstellungswelten („agrarian imaginaries“) von einer pragmatischen Koexistenz konventioneller und agroökologischer Landwirtschaft geprägt sind. Mit einem de-postkolonialen Political-Ecology-Lens arbeitet Brunner heraus, wie machtvolle, materielle und diskursive Faktoren diese Zukunftsbilder formen und plädiert für eine kontext-sensitive, epistemisch kritische Entwicklungsforschung jenseits einfacher Paradigmengegensätze.
Die Arbeit von Anna-Maria Brunner überzeugte die Jury durch außergewöhnliche wissenschaftliche Qualität, hohe thematische Relevanz und inhaltliche Ambition. Besonders hervorgehoben wurden der kreative und klar begründete Einsatz der gewählten Methoden sowie ihre starke eigene Positionierung und hohe Reflexionsfähigkeit. Die Auszeichnung wurde Brunner von Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner im OeAD-Haus in Wien überreicht.
Brunner vertritt damit die Arbeitsgruppe Glokale Entwicklung und Ungleichheitsforschung (AGEF) und die Geographie an der Universität Innsbruck in exzellenter Weise auf nationaler Bühne. Als besonderes Zeichen der Kontinuität in der Innsbrucker Entwicklungsforschung hielt Robert Hafner, selbst Träger des Nachwuchspreises 2015, die Laudatio auf seine Doktorandin Brunner. Damit wird deutlich, dass sich an der Universität Innsbruck eine starke und kontinuierliche Linie kritischer Entwicklungsforschung etabliert hat, in der Nachwuchswissenschaftler:innen eng an exzellente Forschungstraditionen anknüpfen.
Der Hauptpreis des Österreichischen Preises für Entwicklungsforschung 2025 ging an Felix Malte Dorn. Er promivierte an der Uni Innsbruck und ist derzeit an der BOKU Wien als Postdoc tätig. Ausgezeichnet wurde Dorn für seine wissenschaftlichen Arbeiten zur politischen Ökologie der Dekarbonisierung und sein außerordentliches Engagement, das deutlich über klassische akademische Publikationen hinausreicht. Hervorzuheben ist, dass Dorn dabei unter anderem auch für Arbeiten gewürdigt wurde, die in enger Verbindung zur Universität Innsbruck stehen und über viele Jahre im Kontext der AGEF (Arbeitsgruppe Glokale Entwicklung und Ungleichheitsforschung) entstanden sind.
Mit dem seit 2013 alle zwei Jahre vergebenen Österreichischen Preis für Entwicklungsforschung zeichnet das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung in Kooperation mit der OeAD-GmbH besondere Leistungen eines breiten, transdisziplinären Forschungsfelds aus, das sich mit globalen und regionalen Herausforderungen im Zusammenhang mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) auseinandersetzt. Dass sowohl der Hauptpreis als auch der Nachwuchspreis 2025 personell und inhaltlich eng mit der Universität Innsbruck und der AGEF verknüpft sind, unterstreicht die starke Rolle Innsbrucks in der österreichischen Entwicklungsforschungslandschaft.
