Ein neues Forschungsprojekt beleuchtet sichere Kommunikation im Quantenzeitalter. 

Behör­den­kom­mu­ni­ka­tion quan­ten­si­cher gestal­ten

Wie können staatliche Stellen sensible Informationen auch im Zeitalter leistungsfähiger Quantencomputer sicher austauschen? Heute startet ein neues von der FFG gefördertes Forschungsprojekt, das konkrete, praxistaugliche Lösungen auf Basis von quantensicheren Verfahren entwickelt. Ein Team der Universität Innsbruck beleuchtet die ethisch-rechtliche Einordnung.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, den künftigen sicheren Informationsaustausch zwischen dem Wiener Behördennetz und dem Zentralen Ausweichsystem (ZAS) des Bundes über die Strecke Wien-St. Johann zu ermöglichen – technologisch fundiert, rechtlich abgesichert und ethisch verantwortungsvoll.

Technologie, Praxis und Governance aus einer Hand

Das interdisziplinäre Projekt vereint technologische Spitzenforschung, anwendungsnahe Tests und ethisch-rechtliche Einbettung. Projektpartner sind das AIT Austrian Institute of Technology, Quantum Technology Laboratories GmbH (qtlabs) und die Universität Innsbruck (Innsbruck Quantum Ethics Lab/Institut für Theorie und Zukunft des Rechts). Als Bedarfsträger bringen das Bundeskanzleramt (BKA) und das Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) ihre Expertise zu realistischen Bedrohungsszenarien, Anforderungen der Verwaltung und konkreten Anwendungskontexten ein. Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) unterstützt das Vorhaben.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich eine quantensichere Schlüsselverteilung effizient, resilient und nachhaltig in bestehende staatliche Infrastrukturen integrieren lässt. Die Projektergebnisse sollen über den konkreten Anwendungsfall hinaus als Blaupause für weitere nationale und europäische Vorhaben dienen.

„Unser Fokus liegt darauf, quantensichere Verfahren nicht nur theoretisch zu vergleichen, sondern hinsichtlich der Umsetzbarkeit unter realistischen Bedingungen zu evaluieren“, erklärt Projektleiter und Principal Investigator Christoph Striecks, Senior Scientist im Center for Digital Safety & Security am AIT Austrian Institute of Technology. „Durch Simulationen und Laborversuche auf kurzen und langen Distanzen schaffen wir eine belastbare Entscheidungsgrundlage für den künftigen Einsatz von quantensicheren Systemen in der öffentlichen Verwaltung.“

„Satellitengestützte Quantenkommunikation eröffnet neue Möglichkeiten, große Distanzen zu überbrücken“, betont Sebastian Ecker von Quantum Technology Laboratories GmbH (qtlabs). „Das Projekt erlaubt es uns, diese in Österreich entwickelte Quantentechnologie in konkrete Anwendungsszenarien für staatliche Sicherheitskommunikation zu übersetzen.“

Recht und Ethik mitdenken

„Es ist entscheidend, die ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte von Quantentechnologien und Quantenkryptografie so früh wie möglich mitzudenken“, sagt Principal Investigator Matthias C. Kettemann, Leiter des Innsbruck Quantum Ethics Labs und des Instituts für Theorie und Zukunft des Rechts der Universität Innsbruck. „Wer heute die technologische Infrastruktur von morgen baut, entscheidet auch über Machtverhältnisse, Solidarität und Generationengerechtigkeit.“ Kettemann ist Ethik-Rapporteur der UNESCO-Weltwissenschaftsethikkommission für Quantum Computing. Sein Team untersucht im Projekt insbesondere, wie quantensichere Verfahren zur Stärkung staatlicher Krisenresilienz beitragen kann und welche Governance-Modelle dafür erforderlich sind.

Nachhaltige quantensichere Kommunikation

Das Projekt adressiert zentrale ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeitsziele: den Schutz sensibler Verwaltungsdaten, die Aufrechterhaltung staatlicher Handlungsfähigkeit in Krisen, die energieeffiziente Nutzung bestehender Infrastruktur sowie die Stärkung digitaler Souveränität. Gender- und Diversity-Aspekte werden als Querschnittsmaterie systematisch berücksichtigt.

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