Seit fast drei Jahrzehnten forscht Günter Köck in der Arktis. Nun findet seine wissenschaftliche Arbeit auf ungewöhnliche Weise internationale Aufmerksamkeit: Auf Einladung von Festival-Direktor Lois Lammerhuber präsentiert das Projekt HIGH-ARCTIC seine Arbeit im Rahmen des Themenschwerpunkts „Wasser ist Leben“ auf insgesamt zwölf großformatigen Tafeln.
Ein Festival der Superlative
Das Festival La Gacilly-Baden Photo läuft bis 11. Oktober 2026 in Baden bei Wien und erstreckt sich über sieben Kilometer, aufgeteilt in eine Gartenroute und eine Stadtroute, beginnend beim Besucherzentrum am Brusattiplatz. In diesem Jahr sind rund 1.500 Fotografien im öffentlichen Raum zu sehen, einige davon bis zu 200 m² groß. Der Eintritt ist frei.
Das Festival gliedert sich in drei Erzählstränge: Der erste beleuchtet in rund zehn Bilderzählungen die Lebensrealität von Menschen in unterschiedlichen geografischen Regionen der Welt. Der zweite widmet sich dem Zustand des Planeten Erde mit Reportagen aus mehreren Ländern und Kontinenten. Der dritte Teil präsentiert Positionen der österreichischen Fotografie. Im Jahr 2025 zählte das Festival über 330.000 Besucher:innen.
Wissenschaft trifft Fotografie
Die Eröffnung fand im Stadttheater Baden statt. Beim anschließenden Medienrundgang wanderten rund 130 Medienvertreter:innen gemeinsam mit Künstler:innen und Wissenschaftler:innen acht Stunden durch die Ausstellung. Günter Köck nutzte die Gelegenheit zu einem kurzen Vortrag, in dem er die Entwicklung des Projekts und seine enge Verbindung mit der Inuit-Bevölkerung darlegte. „Seit 30 Jahren forsche ich in der Arktis – einer der faszinierendsten Landschaften unseres Planeten und zugleich einer der sensibelsten gegenüber dem Klimawandel. Dass ich hier mit wunderbaren Kollegen und der einheimischen Bevölkerung forschen darf, ist für mich ein außergewöhnliches Privileg", so Köck.
Drei Jahrzehnte Arktisforschung
Das Kooperationsprojekt HIGH-ARCTIC untersucht seit 1997, wie der Klimawandel die Seen der kanadischen Arktis und ihre Fische beeinflusst. Im Mittelpunkt steht die Belastung von Seesaiblingen durch das hochgiftige Schwermetall Quecksilber sowie durch langlebige organische Schadstoffe. Ergänzt werden die Fischanalysen durch Bohrkerne aus Seesedimenten, die als Klima- und Schadstoffarchiv frühere Umweltbedingungen dokumentieren. Alle Ergebnisse werden mit Klimadaten verknüpft.
Die besondere Stärke des Projekts liegt in seiner Kontinuität: Die seit 1997 jährlich durchgeführten Untersuchungen haben eine einzigartige Langzeitdatenserie erzeugt, auf deren Basis Modelle entwickelt werden können, die Klimaeffekte auf die Schadstoffbelastung von Fischen in arktischen Seen beschreiben und prognostizieren.
Initiiert wurde das Projekt von Günter Köck, der seine Karriere als Fischbiologe an der Universität Innsbruck begann. Von 2004 bis 2024 koordinierte er die internationalen Forschungsprogramme der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und vertrat Österreich im Internationalen Koordinierungsrat des UNESCO-Programms „Man and the Biosphere“. Im Jahr 2025 wurde er mit dem „Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich" ausgezeichnet.
