Teilnehmer:innen in Seminarraum, vorne Schauspieler:innen, die sich verbeugen

Das Theaterprojekt wurde im Rahmen des Italienischstudiums durchgeführt. 

Thea­ter­pro­jekt in ita­li­e­ni­scher Spra­che

Am 26. November 2025 wurde an der Universität Innsbruck das Theaterprojekt „Sei personaggi in cerca di followers“ präsentiert – eine zeitgenössische Adaption von Pirandellos berühmtem Drama, die Fragen nach Identität, Sichtbarkeit und Wahrhaftigkeit im digitalen Zeitalter auf innovative Weise ins Zentrum rückte.

Die Veranstaltung wurde von Schauspieler:innen aus dem Piccolo Teatro di Milano durchgeführt und fand im Rahmen des Italienischstudiums und in Zusammenarbeit mit Lehrenden des Instituts für Romanistik (Serena Nacca, Andrea Perone und Mario Casale) und des Instituts für Translationswissenschaft (Saverio Carpentieri) statt. Sie bot nicht nur ein kulturelles Highlight, sondern auch ein Beispiel für gelungene universitäre Projektarbeit, in der sprachliche, literarische und performative Kompetenzen miteinander verschmelzen.

Das Projekt griff die Grundidee Pirandellos – Figuren, die nach einem Autor suchen, der ihnen eine Geschichte verleiht – auf und übertrug sie in die Welt sozialer Medien.

In diesem Rahmen wurden die Studierenden während einer Unterrichtsstunde des „Professore Capocomico“ auf besondere Weise in die Welt Pirandellos eingeführt. Die Figuren des Vaters, der Mutter, der Stieftochter und des Sohnes traten direkt in den Klassenraum und präsentierten ihr persönliches Drama. Dadurch regte die Szene die Studierenden dazu an, über zentrale Begriffe wie „Figur“, „Geschichte“ und „Darstellung“ nachzudenken – vor allem aber über das Verhältnis zwischen Privatem und Öffentlichem, zwischen Wirklichkeit und Fiktion, zwischen Alltagsleben und Bühne.

Das Projekt machte deutlich, dass jede und jeder von uns – oft unbewusst – im Alltag Rollen einnimmt: in der Schule, in der Familie oder im Freundeskreis. Diese Form von „Theatralität“ zeigt sich besonders auch in der Nutzung sozialer Medien, wo wir durch Fotos und Kommentare ein öffentliches Bild von uns selbst erschaffen, das nicht immer mit unserem inneren „Ich“ übereinstimmt.

Ganz im Sinne Pirandellos erfolgte diese Auseinandersetzung jedoch nicht ohne Humor: Die ernsten Themen wurden mit Witz und Ironie vermittelt, wodurch das Projekt für die Studierenden sowohl zugänglich als auch nachhaltig wirksam wurde.

Das Publikum, bestehend aus Studierenden, Lehrenden und Interessierten, reagierte mit großer Aufmerksamkeit und spürbarem Enthusiasmus. Besonders hervorgehoben wurden die Originalität des Konzeptes, die starke Bühnenpräsenz der Darsteller:innen sowie die humorvolle, zugleich aber nachdenkliche Art, mit der die Adaption aktuelle gesellschaftliche Themen behandelte. Die anschließende Gesprächsrunde bot Gelegenheit, über den kreativen Prozess, die Herausforderungen der Textübertragung und den Einfluss sozialer Medien auf Sprache und kulturelle Produktion zu reflektieren.

(Saverio Carpentieri)

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