Wissenschaftler:innen aus Linguistik, Medienwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und angrenzenden Disziplinen kamen am 6. und 7. November im Ágnes-Heller-Haus zusammen, um der Frage nachzugehen, wie Redewiedergabe und Zitate Nachrichten prägen – über verschiedene historische Epochen, kulturelle Kontexte und Medienformate hinweg. Ziel war es, die Entwicklung journalistischer Zitierpraktiken, den Einfluss neuer Technologien sowie die Rolle von Zitaten in digitalen und multimodalen Nachrichtenformaten zu untersuchen.
Zitate als strukturierendes Element journalistischer Darstellung
Der Workshop eröffnete mit Beiträgen, die sich grundlegenden Funktionen des Zitierens in Nachrichten widmeten. Unter anderem trug Lauri Haapanen (University of Jyväskylä) über Neutralisierung als redaktionelle Strategie beim journalistischen Zitieren vor. Raluca Nita (Université de Poitiers) stellte Formen der Repräsentation von Rede als Alternative zu direkten Zitaten vor und analysierte diese im Kontext journalistischer Genres. Es folgte der Beitrag von Philippe de Brabanter (Université libre de Bruxelles) zu Formen ‚indeterminierter‘ Redewiedergabe in einem Korpusenglischsprachiger Presse. Natascha Raue (Universität Osnabrück) trug dann zu scare quotes und deren Rolle im Spannungsfeld zwischen Distanzierung, Markierung und semantischer Unbestimmtheit vor.
Evidentialität und sprachliche Dimensionen
Am Nachmittag wurde der Schwerpunkt auf den Zusammenhang zwischen Evidentialität, journalistischer Verantwortung und linguistischen Strukturen gelegt: Zuzana Nádraská (Univerzita Karlova) analysierte ein- und zwei-Wort-Zitate im englischen und tschechischen Nachrichtendiskurs, Grégoire Lacaze (Aix-Marseille Université) beleuchtete Evidentialität und ihre Rolle beim Wiedergeben fremder Rede. Darauf folgte der Vortrag von Elena Savinova (Radboud University, Nijmegen),die die Wahrnehmung von Subjektivität in Nachrichtenartikeln experimentell untersuchte. Den Abschluss des Nachmittags machte Lucia Assenzi (Universität Innsbruck) mit einem Beitrag zur Evidentialität in der indirekten Rede in historischen deutschsprachigen Zeitung. Nach einem erfolgreichen ersten Workshop-Tag, an dem auch Kaffee- und Mittagspausen für anregende Gespräche genutzt wurden, bot das gemeinsame Conference Dinner am Abend einen stimmigen Ausklang.
Fallstudien zu Zitieren in verschiedenen Medien
Der zweite Workshoptag widmete sich konkreten Fallanalysen aus verschiedenen Medientypen. Den Beginn machte Daniel Pfurtscheller (Universität Innsbruck) mit seinem Beitrag zu multimodalen Zitierpraktiken in bildzentrierten Kurznewsformaten auf Instagram und TikTok. Anschließend zeigte Clara Zimmermann (Université de Lausanne), welche Rolle Copy-and-Paste-Zitate in der Produktion von Radio News Flashes spielen und wie stark Zitate dabei redaktionell modifiziert werden. Nach einer letzten Kaffeepause wurden in den letzte zwei Vorträgen politische und ideologische Kontexte betrachtet: Kareen Gervasi (California State University) analysierte Dissens und Glaubwürdigkeit in der nicaraguanischen Oppositionspresse und Radoslava Trnavac (The National Research University “Higher School of Economics”) beleuchtete aktuelle klimapolitische Diskurse in kroatischen Online-Medien. Dabei zeigte sie, wie verschiedene Stimmen und Zitierformen ideologische Rahmungen erzeugen. Abgerundet wurde der Workshop durch eine abschließende Diskussion, in der über weitere Kooperationen, gemeinsame Publikationen und eine mögliche Fortführung des Formats beraten wurde. Die zahlreichen Diskussionen in den Pausen – bei schönstem Herbstwetter und Blick auf die Nordkette – sowie der Austausch während des Conference Dinners trugen wesentlich dazu bei, die wissenschaftliche Vernetzung zu stärken.
Organisiert wurde der Workshop von Lucia Assenzi, Daniel Pfurtscheller und Lisa Windisch vom Institut für Germanistik.
Link: Quotation Practices in News Media across time, formats and cultures – Universität Innsbruck
Lucia Assenzi
