Zukunft

ein Blick voraus – Werte, Wünsche und Visionen

Abbildung Himmel

Angesichts der religiösen und kulturellen Vielfalt der Gesellschaften Europas und der hier lebenden muslimischen Menschen handelt es sich bei den in jüngster Zeit eingerichteten islamisch-theologischen und religionspädagogischen Lehrstühle und Institute im deutschsprachigen Raum um eine dringende und innovative Maßnahme, um den An- und Herausforderungen der pluralen Gesellschaft gerecht zu werden. Damit wird nämlich dem Wunsch und Bedarf der Muslim:innen in Europa Rechnung getragen, ihre Religion und Religionspraxis – ebenso wie die anderen Religionsgemeinschaften – rational zu reflektieren und diese durch eine eigene Theologie und Religionspädagogik kritisch begleitet zu sehen. Erst eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der eigenen Religion und Tradition kann den Weg für einen denkenden Glauben ebnen.

Die Gründung islamisch-theologischer und religionspädagogischer Einrichtungen entspricht damit nicht nur dem Gebot der Gleichstellung, sondern lässt ebenso eine gesamtgesellschaftliche Wirkung erwarten: So könnte etwa eine akademisch verortete Islamische Theologie bzw. Religionspädagogik die Beteiligung von Muslim:innen an gesamtgesellschaftlichen Diskursen, etwa zu den Themen Medizin- und Bioethik, Umweltethik, Künstliche Intelligenz, Globalisierung, Menschenrechte, Genderfragen und weiteren gesellschaftlich relevanten Themen fördern. Ferner würde sie auch zum Verständigungsprozess in der Gesellschaft beitragen – nicht zuletzt durch eine Versachlichung des oftmals polemisch und polarisierend geführten Islamdiskurses im europäischen und deutschsprachigen Kontext sowie den Abbau von Vorurteilen. Schließlich könnte sie einen Beitrag zum innerislamischen Dialog leisten und Muslim:innen dazu anregen, sich ihrer eigenen kulturellen, religiösen und theologischen Vielfalt zu öffnen.

Die Wechselwirkung von Theologie und Gesellschaft spielt eine wichtige Rolle, daher sollten die Islamische Theologie und Religionspädagogik, die sich unter den Islamisch-Theologischen Studien subsumieren lassen, nicht nur die eigene Glaubenstradition und -praxis wissenschaftlich begleiten und erforschen, sondern auch in den Dialog mit anderen akademischen Wissenschaftsdisziplinen und der Gesellschaft treten. Folglich stehen die Islamisch-Theologischen Studien in Europa vor einer doppelten Herausforderung: einerseits eine Islamische Theologie und Religionspädagogik im Kontext pluraler europäischer Gesellschaften zu entwickeln, andererseits die innerislamische Pluralität, die sich u. a. in Rechts- und Glaubensschulen sowie Denktraditionen spiegelt, theologisch zu verarbeiten.

In diesem Sinne bietet das Institut für Islamische Theologie und Religionspädagogik der Universität Innsbruck mit dem neuen Studiengang Islamisch-Theologische Studien eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit der islamischen Religion im europäischen Kontext und fördert so den gesellschaftlichen, interkulturellen und interreligiösen Dialog. Dies fördert die Versachlichung der gesellschaftlichen Debatten zum Islam, zugleich wird der Bedarf der muslimischen Gemeinden an qualifiziertem Personal gedeckt. Wichtig ist darüber hinaus, sich nun verstärkt der Grundlagenforschung mit empirischer Theologie und vor allem der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu widmen.

Ich hoffe, dass weiterhin zahlreiche wertvolle Beiträge für ein gedeihliches und gelingendes Zusammenleben in unserer Gesellschaft durch die Arbeiten unseres Instituts geleistet werden.

Univ.-Prof. Dr. phil. Abdullah Takim, Institutsleiter

Nach oben scrollen