Dissertationen

"Digitale Schöpfung? Islamische Anthropologie und Verantwortungsethik im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz"

Mašetić, Azemina, Univ.-Ass.in, MA:

"Künstliche Intelligenz (KI) verändert zunehmend die Art und Weise, wie Menschen kommunizieren, arbeiten, lernen und Entscheidungen treffen. Mit ihrer wachsenden Integration in viele Lebensbereiche stellen sich nicht nur technische und gesellschaftliche, sondern auch grundlegende anthropologische und ethische Fragen: Was bedeutet Menschsein im Kontext der Künstlichen Intelligenz? Welche Verantwortung kommt dem Menschen bei der Entwicklung, Gestaltung und Nutzung von KI-Systemen zu?

Das Dissertationsprojekt untersucht diese Fragen aus der Perspektive der islamischen Anthropologie und Verantwortungsethik. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass das islamische Verständnis des Menschen als verantwortliches Geschöpf Gottes einen eigenständigen Beitrag zum gegenwärtigen Diskurs über KI leisten kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche anthropologischen und verantwortungsethischen Orientierungspunkte die islamische Tradition für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI bietet.

Auf der Grundlage ausgewählter klassischer und zeitgenössischer islamisch-theologischer Quellen werden zentrale Vorstellungen vom Menschen, seiner Würde und seiner Verantwortung analysiert. Darauf aufbauend werden ethische Orientierungspunkte für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI entwickelt. Ziel der Dissertation ist es, den Dialog zwischen islamischer Theologie und aktuellen Fragestellungen der KI-Ethik zu fördern und einen Beitrag zu einer menschenzentrierten und verantwortungsbewussten Gestaltung des Umgangs mit KI zu leisten."

Plakat zur Dissertation von Azemina Masetic, Thema zusammengefasst

"Tadabbur im Spannungsfeld von Qur'an und Übersetzung" Eine textanalytische Untersuchung seiner Bedeutungsdimensionen und ihrer sprachlichen Wiedergabe in deutschen Qur'anübersetzungen

Ben Bouaicha, Meryam, Univ.-Ass.in, MA:

"Das Forschungsprojekt widmet sich dem qur'anischen Konzept des Tadabbur, das den Menschen zu einer vertieften Reflexion über die göttliche Offenbarung auffordert. Im Qur'an und in der klassischen islamischen Exegese bezeichnet Tadabbur weit mehr als eine rein intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Offenbarungstext: Es beschreibt einen reflexiven Prozess, der Verstehen, innere Aneignung und praktische Orientierung miteinander verbindet.

Ausgehend von den einschlägigen Qur'anversen sowie ausgewählten klassischen Korankommentaren rekonstruiert die Untersuchung die für Tadabbur konstitutiven semantischen, rhetorischen, reflexiven, anthropologischen und handlungsbezogenen Bedeutungsdimensionen. Auf dieser Grundlage wird ein textanalytisches Analyseraster entwickelt, das erstmals eine systematische Untersuchung der sprachlichen Wiedergabe dieser Bedeutungsdimensionen in ausgewählten deutschen Qur'anübersetzungen ermöglicht.

Das Projekt verbindet qur'anwissenschaftliche, exegetische und übersetzungswissenschaftliche Perspektiven und leistet damit einen Beitrag zur Erforschung der sprachlichen Vermittlung zentraler qur'anischer Konzepte. Zugleich trägt es zu einem vertieften Verständnis der Möglichkeiten und Grenzen deutscher Qur'anübersetzungen bei und schlägt eine Brücke zwischen der klassischen islamischen Exegese und der gegenwärtigen Qur'anrezeption im deutschsprachigen Raum."

"Interreligiöse Begegnung durch Musik" Eine qualitative Studie aus islamisch-religionspädagogischer Perspektive

Moser, Sigrid, Univ.-Ass.in, MA:

"Im Kontext von interreligiöser Begegnung und Dialog wird zunehmend erkannt, dass es – neben der Arbeit mit Texten – weiterer, kreativer Zugänge und Methoden bedarf, um gegenseitiges Verständnis und Lernen zu ermöglichen. Gemeinsames Musizieren als Ort interreligiöser Begegnung bietet einen ästhetischen Ansatz, der bisher erst vereinzelt wissenschaftlich bearbeitet wird. Insbesondere aus islamisch-religionspädagogischer Sicht öffnet sich hier ein interessantes Forschungsfeld.

Mein Erkenntnisinteresse besteht darin herauszufinden, inwiefern musikalisch-interreligiöse Projekte als Orte der Begegnung fungieren können. Welche (Lern-)Potenziale sowie Herausforderungen und mögliche Grenzen sind damit verbunden?

Im Rahmen einer qualitativen Studie möchte ich den Erfahrungen und Ansichten von Menschen mit islamischer und anderen religiösen Zugehörigkeiten auf die Spur kommen, welche an musikalisch-interreligiösen Projekten (wie bspw. Trimum, Musica Sacra International, Interreligiöser Chor Frankfurt) teilgenommen haben bzw. teilnehmen oder solche konzipieren und organisieren.

Ziel der Studie ist es, neue Facetten interreligiösen Lernens zu erkunden sowie Implikationen für verschiedene Lernfelder und –orte herauszuarbeiten und somit Möglichkeiten der Konzeption und Umsetzung musikalisch-interreligiöser Dialogprojekte im schulischen und außerschulischen Kontext zu entwickeln. Zudem lässt die Studie einen wissenschaftlichen Erkenntniszuwachs nicht nur für die Islamische Religionspädagogik, sondern auch für andere Fachdisziplinen, wie die Interreligiöse bzw. Interkulturelle Religionspädagogik sowie die Inter- bzw. Transkulturelle Musikpädagogik erwarten."

"Bildungsherausforderungen muslimischer Schüler:innen"

Shabani, Antigona, Univ.-Ass.in, MA:

"In meinem Dissertationsprojekt beschäftige ich mich mit Bildungsherausforderungen muslimischer Schüler:innen im Lebensraum Schule. Dabei gehe ich sowohl ethnographisch als auch anhand von Gruppendiskussionen der Frage nach, mit welchen Herausforderungen und Konflikten muslimische Schüler:innen in Mittelschulen konfrontiert sind. Mit dieser Dissertation möchte ich einen Beitrag für eine schüler:innengerechte Weiterentwicklung von Schule leisten."

"Der islamische Denker Mustafa İslamoğlu im türkisch geprägten Islamdiskurs des 21. Jahrhunderts" Eine kritikzentrierte Neuorientierung in der islamischen Theologie und ihre Bedeutung für den zeitgenössischen Islam in Europa

Gelengec, Aykut, Univ.-Ass., M.A.:

"In einer zunehmend säkularen Welt erleben auch Muslime, insbesondere in Europa, eine Ambivalenz zwischen traditionellen religiösen Werten und modernen, kritischen Denkansätzen. Diese Spannung prägt das religiöse und gesellschaftliche Leben europäischer Muslime und stellt sie vor Herausforderungen im Umgang mit ihrer Identität und den Werten ihrer Umgebung. Im Zuge der Etablierung islamischer Bildung an europäischen Hochschulen zeigt sich eine wachsende Notwendigkeit, theologische und philosophische Grundlagen des Islams kritisch zu hinterfragen.

Mustafa İslamoğlu, ein türkischstämmiger Koranforscher unserer Zeit geht auf die theologischen Verwerfungen unserer Zeit ein und wirft mit seiner zentralen These den sogenannten Traditionalisten ein Islamverständnis vor, die in Wahrheit nicht den sogenannten „waḥy“ zur Grundlage der wahren Religiosität nehmen, sondern einer religiösen Auslegung folgen, die İslamoğlu als erfunden bzw. korrumpiert bezeichnet. Für diese Rekonstruktion der wahren Religion verwendet er den Ausdruck „von der erfundenen Religion zur göttlich herabgesandten Religion“. In diesem Zusammenhang fordert er vehement im Spannungsfeld zwischen der Tradition und den Anforderungen der Zeit eine Neuorientierung zum waḥy durch Dekonstruktion der sogenannten „erfundenen Religion“ mit all ihren Erscheinungsformen. Ziel meiner Arbeit wird zunächst darin bestehen, die theologischen Positionen von İslamoğlu darzustellen und zu veranschaulichen, wie er diese argumentativ herleitet und warum er in seinem Islamverständnis für eine Neuorientierung im Denken und Handeln der Muslime plädiert. Seine theologisch begründete Neuausrichtung korreliert, wie meine Arbeit noch zeigen wird, sehr stark mit den Herausforderungen der religionspädagogischen Debatten der Gegenwart. Daher besteht ein wesentliches Anliegen dieser Arbeit darin, mögliche Anwendungspotenziale in Bezug auf den islamischen Religionsunterricht in Österreich zu eruieren."

Dissertation von Aykut Gelengec

"Konversionen zum Islam"

Eitzinger, Julia, Univ.-Ass.in, Mag.a:

"Konversionen zum Islam in Österreich stellen die Konvertierenden vor Herausforderungen: Zum einen konfrontiert sie die Gesellschaft mit Vorurteilen, oft gepaart mit einer islamkritischen Haltung. Zum anderen gilt es eine neue Religion zu erlernen, eine neue Praxis einzuüben und das neue Selbstverständnis als Konvertit:in zu ergründen. Da Konversionen in eine religiöse Gemeinschaft hinein erfolgen, stellt sich die Frage, wo Konvertit:innen Unterstützung und Begleitung erhalten können. In meiner Dissertation frage ich nach den Erfahrungen von und mit Konvertit:innen in den Gemeinden, um nach einer Analyse der empirischen Erhebung sowie einer literaturbasierten Auseinandersetzung mit der Forschung zu Konversionen die Frage nach einer gelingenden Begleitung zu diskutieren."

"Den Koran verstehen lernen"  Hermeneutisch-theologische Grundlagen einer subjektorientierten und kontextbezogenen Korandidaktik

Cavis, Fatima, Univ.-Ass. Mag.:

"Im aktuellen islamisch-religionspädagogischen Diskurs ist der Abschied von der traditionellen Art der Wissensvermittlung nach dem katechetischen Konzept und die Zuwendung zu einem reflektierten Lernprozess, der die Subjekte und ihre Lebenswelten ernst nimmt, evident. Während dieses Paradigma mittlerweile auf theoretischer Ebene als eine grundlegende Voraussetzung für den Islamischen Religionsunterricht gilt, bleibt die Frage offen, wie eine Korandidaktik auf der Basis des Konzeptes der Subjektorientierung und Kontextbezogenheit entwickelt werden kann.

Das Dissertationsprojekt zielt darauf, anhand der Untersuchung von theologischen, religionspädagogischen, hermeneutischen und exegetischen Grundvoraussetzungen/-Fragen des Lernens mit dem Koran eine korandidaktische Profilskizze zu entwerfen, die das Subjekt und seine Lebenswelt ernst nimmt und den Koran bzw. seine Botschaft in einer lebenssinnstiftenden Funktion und einer lebendigen Kommunikation seinen Rezipienten dialogisch öffnet."

"Professionalisierung als islamische/r Religionslehrerin/er"

Tuna, Mehmet Hilmi, Ass.-Prof. BSc MA PhD:

"In meiner Dissertation analysiere ich die sozialen, gesellschaftlichen und fachlichen Herausforderungen des islamischen Lehrberufs und entwerfe ein Professionalitätsprofil für die islamischen Religionslehrerinnen und -lehrer."

Dissertation von Mehmet T. Hilmi

"Pluralismus im Diskurs" Islamisch-Theologische Pluralismusansätze im Spiegel der Theorie von John Hick

Koçyiğit, Ibrahim, Dr. BA MA:

"Religiöse Vielfalt nimmt seit dem 20. Jahrhundert sowohl durch die Globalisierung als auch durch Migration erheblich zu. Daher taucht die Frage auf, wie viel religiösen Pluralismus Theologien und Gesellschaften zulassen. Deshalb ist es umso wichtiger, einen konstruktiven Umgang mit unterschiedlichen Wahrheits- und Heilsansprüchen zu finden, um ein friedliches Miteinander zu fördern und negative Vorurteile abzubauen. Diese Dissertation beschäftigt sich mit dem Umgang mit dieser Vielfalt aus der islamischen Theologie heraus und vergleicht ihn mit John Hick (1922-2012), der seit den 1970er Jahren zahlreiche Werke zur Pluralität der Religionen verfasst hat und als einer der Gründerväter des religionstheologischen Pluralismus gilt. Seine Theorie ist sicherlich eine der wichtigsten, elaboriertesten und am meisten rezipierten zu diesem Thema. Er untersuchte die Antwort des Menschen auf das Transzendente und war bestrebt, eine Theorie für ein friedliches Miteinanderleben zu entwickeln.  In der islamischen Theologie gibt es nur wenige Personen, die sich so intensiv wie Hick und andere mit dem religionstheologischen Pluralismus befasst haben: Jerusha Rhodes, Seyyed Hossein Nasr, Rifat Atay und Abdolkarim Soroush, die jeweils unterschiedliche Zugänge vertreten. Diese Dissertation vergleicht Hicks Theorie mit diesen islamisch-theologischen Ansätzen."

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"Religious diversity has increased considerably, especially since the 20th century, due to both globalization and migration. This raises the question of how much religious pluralism theologies and societies can tolerate. It is therefore all the more important to find a constructive way of dealing with different claims to truth and salvation in order to promote peaceful coexistence and reduce negative prejudices. This dissertation looks at how Islamic Theology deals with this diversity and compares it with John Hick (1922-2012), who has written numerous works on the plurality of religions since the 1970s and is considered one of the founding fathers of religious theological pluralism. His theory is certainly one of the most important, most elaborated and most widely discussed on this topic. He examined the human response to the transcendent and endeavored to develop a theory for peaceful coexistence.  There are few people in Islamic theology who have dealt with religious-theological pluralism as intensively as Hick and others: Jerusha Rhodes, Seyyed Hossein Nasr, Rifat Atay and Abdolkarim Soroush, each representing different approaches. This dissertation compares Hick’s theory with these Islamic theological approaches."
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