Erinne­rung an einen Intel­­lek­tu­ellen Tirols

Zum 200. Geburtstag von Adolf Pichler wurde am Mittwoch am Adolf-Pichler-Platz in Innsbruck ein neuer Band mit Texten von und über den Tiroler Schriftsteller und Naturwissenschaftler präsentiert. Herausgegeben wurde das Buch von Johann Holzner, Lenka Schindlerová und Anton Unterkircher in der Edition Brenner-Forum.
Präsentation des neuen Adolf-Pichler-Bandes
Bild: Am Mittwoch wurde der Band vor dem Pichler-Denkmal präsentiert. (Credit: Uni Innsbruck)

Adolf Pichler war zu seiner Zeit der bekannteste liberale Intellektuelle Tirols, ein Universalgelehrter, der sich in einem ausgeprägt katholisch-konservativen Milieu von niemandem das Denken nehmen ließ. Er war Professor für Geologie an der Universität Innsbruck, Literaturkritiker und Schriftsteller. Aber obgleich seine Gesammelten Werke in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts in einer repräsentativen Ausgabe erschienen und dem Verleger Georg Müller in München wohlwollende Besprechungen einbrachten, erhielt er nie einen kanonischen Status. Allzu oft stießen seine Texte in dem unsicheren Gelände zwischen dem Realismus und der Moderne auch auf Widerstand. Mit dem neuen Band über diese Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts soll sein Schaffen wieder stärker in Erinnerung gerufen werden. 

Die Stadt Innsbruck hat dem streitbaren Intellektuellen schon 1930 mit der Benennung des Platzes im Zentrum ein Denkmal gesetzt. Dort präsentierten auch am Mittwoch die Herausgeber Johann Holzner, Lenka Schindlerová und Anton Unterkircher den neuen Band, die Schauspielerin Veronika Schmidinger lass aus seinen Texten. Kulturstadträtin Uschi Schwarzl und die Leiterin des Brenner-Archivs und Vizerektorin, Ulrike Tanzer, begrüßten die Gäste vor dem Denkmal auf dem Adolf-Pichler-Platz.

Pichlers literarische Handschrift zeigt sich am schönsten in seinen Hochgebirgsgeschichten und Reisebildern; überall entdeckt er Sehenswürdigkeiten, die in keinem Prospekt auszumachen sind, überall hat er ein Auge für die geologischen Formationen, die Pflanzenwelt, die Kunstschätze, überall stößt er auf alte oder moderne Fundstücke und auf Menschen, die sein Interesse wecken und ihn bedrängen. Darauf nimmt auch der Titel des neues Bandes Bezug, nämlich auf Pichlers Interesse, die den Lauf der Geschichte von unten zu erzählen.

Beim Festakt zum 350-Jahr-Jubiläum der Universität am 15. Oktober 2019 im Tiroler Landestheater, gestaltet von fünf Autorinnen und Autoren gemeinsam mit dem Ensemble des Theaters, wird auch das Leben und Werk des ehemaligen Professors und Ehrendoktors der Universität eine gewichtige Rolle einnehmen.

Die Publikation:

Die verlorenen Seelen von Malcesine. Adolf Pichler (1819–1900). Werke und Materialien

Die verlorenen Seelen von Malcesine
Adolf Pichler (1819–1900). Werke und Materialien
Hrsg. von Johann Holzner, Lenka Schindlerová und Anton Unterkircher
Edition Brenner-Forum, StudienVerlag: Innsbruck

 

 

 

Unileben aktuell – die neuesten Beiträge

weitere Beiträge

Nach oben scrollen