Theologiegebäude in Innsbruck

Der lan­ge Weg zur Univer­sität

Innsbruck könnte bereits 100 Jahre länger Universitätsstadt sein – letztlich waren die Umstände dagegen. Der Historiker Heinz Noflatscher beschäftigte sich mit dem langen Weg zur Universitätsgründung in Innsbruck.

1669 ist das Gründungsjahr der Universität Innsbruck – die Universität begeht dieses Jahr ihr 350-Jahr-Jubiläum. Innsbruck hätte allerdings schon gut hundert Jahre früher eine Universität haben können, wenn die Umstände andere gewesen wären: „Ferdinand I., römisch-deutscher Kaiser von 1558 bis zu seinem Tod 1564 und davor schon Herrscher in den Habsburgischen Erblanden, plante spätestens ab 1543 eine Universität in Innsbruck“, sagt der Historiker Prof. Heinz Noflatscher, der sich für eine für das Jubiläumsjahr neu ausgearbeitete Universitätsgeschichte intensiv mit der Gründung und den Vorläufern der Universität Innsbruck auseinandergesetzt hat.

Gescheiterte Pläne

Ferdinand I., Enkel des dieses Jahr in Tirol ebenfalls gefeierten Kaisers Maximilian I., hatte seine Kindheit und Teile seiner Jugend in Spanien verbracht, war katholisch geprägt und bewunderte die dortigen maßgeblich von katholischen Geistlichen geführten Universitäten, insbesondere in Valladolid und Alcalá. „Die Universität in Valladolid war wegen ihres Rechtsstudiums bekannt und auch damals schon älter, gegründet war sie 1346 worden. Daneben gab es in Valladolid auch ein Dominikanerkolleg, dessen Theologieausbildung maßgeblich war“, erzählt Heinz Noflatscher. Nach dem Vorbild der theologischen Kollegien in Valladolid und Alcalá sollte auch in Innsbruck ein Kolleg entstehen; in seinem Testament von 1543 verfügte Ferdinand I. die Errichtung dieses Kollegs spätestens nach seinem Tod, begonnen wurde aber dann noch zu seinen Lebzeiten damit. Betreiben sollten die Institution Regularkanoniker, also Chorherren – die Suche danach gestaltete sich allerdings als schwierig. „Die religiösen Spannungen zwischen den christlichen Konfessionen zu der Zeit, aber auch Ferdinands eigene Ansprüche haben letzten Endes dazu geführt, dass Ferdinand schlicht kein für die Lehre geeignetes deutschsprachiges Ordenspersonal gefunden hat – und das über mehrere Jahre hinweg“, erläutert der Historiker. Das eigens dafür errichtete Kolleg, das heutige Volkskunstmuseum mit Hofkirche, übernahmen schließlich 1563 Franziskaner aus dem Veneto – eine Alternative mit Ordensleuten von nördlich der Alpen hatte es damals offenbar schlicht nicht gegeben. „Die Franziskaner stießen, auch aufgrund ihrer italienischen Muttersprache, bei den Städtern nicht auf uneingeschränkte Sympathie und übernahmen statt der Lehre dann nur mehr die Liturgie der neuerrichteten Hofkirche.“ Damit waren auch die Pläne für die Universität vorerst gescheitert.

Jesuitengymnasium

Schon vor den Franziskanern waren die Jesuiten in Innsbruck eingetroffen und machten sich an die Errichtung eines Gymnasiums – sie übernahmen den nordöstlichen Teil des neu gebauten Universitätskollegs, jenen, in dem sich die Klassenräume befanden, und schlossen ihn durch einen Verbindungsgang an ihr Gymnasium und Kolleg an, während im größeren westlichen Teil die Franziskaner einzogen. Die Gebäude beherbergen heute die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck und das Volkskunstmuseum.

Gymnasien dienten damals – wie auch heute noch – zur Vorbereitung auf ein universitäres Studium. Teil der Ausbildung war eine umfassende Lateinschulung, galt Latein doch noch in der Frühen Neuzeit als die Gelehrtensprache, ohne deren sehr gute Kenntnis an ein weiterführendes Studium gar nicht zu denken war. „Die damalige ständische Gesellschaft mit Adel, Bürgern und Landbevölkerung spiegelte sich auch an den Gymnasien wider – zwar gab es Angehörige aller drei Stände an den Gymnasien, der Adel war allerdings deutlich überdurchschnittlich vertreten, außerdem kam ein großer Teil der Gymnasiasten, damals nur Burschen bzw. junge Männer, aus den Städten“, erklärt Heinz Noflatscher. Die Betreiber der Gymnasien, häufig Orden, hatten auch ein Interesse daran, den jungen Adel als die künftige Elite zu fördern. Weiterführende Studien besuchten die Tiroler dann vor Errichtung einer Universität in Innsbruck unter anderem in Freiburg im Breisgau oder in Wien, beides (damals) Städte in den Habsburgischen Erblanden, daneben außerdem unter anderem in Salzburg und Dillingen; für das Doktorat kamen dann zusätzlich noch renommiertere Universitäten in Frage, darunter jene in Italien oder in Frankreich.

Erneute Anläufe

Erneute Anläufe für die Einrichtung einer Universität in Innsbruck scheiterten um 1600. Ab 1606 verlieh das Jesuitengymnasium allerdings Bakkalaureate nach Absolvierung einer neu eingerichteten 7. (dann 8.) Klasse, in der Aristotelische Logik gelehrt wurde – das entsprach dem ersten Jahr der zu der Zeit üblichen Universitätsausbildung. Das Recht zur Verleihung dieses Titels war den Jesuiten davor bereits vom Papst gewährt worden. Der Diskurs über eine Landesuniversität in Tirol ebbte allerdings bis zur Gründung nie vollständig ab, die Jesuiten waren grundsätzlich daran interessiert, die Tiroler Landstände auch, und bereits 1646 diskutiert der Landtag darüber. Endgültig soweit sollte es, wie bekannt, 1669 sein: Leopold I. war nun Kaiser, er erlaubte die Finanzierung durch den Haller Salzaufschlag – von jedem in Tirol verkauften Fuder Salz aus Hall sollte die Universität zwölf Kreuzer erhalten. Maßgeblich dafür dürfte auch Leopolds Hofkanzler Johann Paul Hocher gewesen sein: „Hocher war als Hofkanzler einer der engsten Berater des Kaisers und war selbst lang in Tirol tätig. Er stand der Universität sicher positiv gegenüber, das dürfte einigen Einfluss gehabt haben.“ Allgemein gilt Leopold I. als wissenschaftlich interessiert: Neben jener in Innsbruck unterstützte er auch die Gründung der Universitäten in Kaschau (Košice) und Breslau (Wrocław). Räumlich war die Universität zuerst noch im Jesuitengymnasium untergebracht, 1673 zog man auch mit den philosophischen Vorlesungen in die heutige Herrengasse. Der Übergang vom Gymnasium in die Universität war fließend: „Im ersten Studienjahr 1669/70 wurden Logik und bereits Physik gelesen, im folgenden Jahr dem Curriculum der Jesuiten gemäß die Metaphysik, der letzte Kurs des philosophischen Studiums. Die Professoren lehrten damals alle drei Kurse, stiegen also wie im Gymnasium mit den Studenten auf.“ 1671 folgten der Philosophischen Fakultät eine Theologische und eine Juridische und 1674 die Medizinische Fakultät. Im April 1677 lehrten dann bereits 14 Professoren an der Universität Innsbruck.

Auch spätere Krisen sollte die Universität letztlich gut überstehen, der Grundstein war gelegt: Heute besteht sie aus 16 Fakultäten, über 260 Professoren und Professorinnen und über 3.200 weitere wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter forschen und lehren an der Universität.

Eine umfangreiche, wissenschaftliche Geschichte der Universität Innsbruck wird am 11. Oktober präsentiert und erscheint in der innsbruck university press. Sie enthält auch einen ausführlichen Aufsatz von Heinz Noflatscher zur Universitätsgründung.

Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins „wissenswert“ erschienen. Eine digitale Version ist hier zu finden (PDF).

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