Yang Lian 杨炼
Trakls Quelle 特拉克尔的泉水
Übersetzung:
道路都汇入漆黑的腐烂①
——特拉克尔
在墓地里寻找你 亡灵的
群众仍是绝望的 Inn河谷渗进
没有你的一天 水槽的吻既冷
又亮 墓碑的石头深海
等着一瓶水浇洒 招唤你的名字
渐渐显灵 可怕的复活
移动着阴影 继续鲜艳的远眺
可青春言辞不能再震撼我了
晚钟回荡着你的声音
你看到人又熬过多少杀戮啊
我们烧焦的干渴从未停止
我们封存的麻醉无限成熟
死亡不撤退的白 一次性泯灭
正自头上一道冰川涓涓析出
(2026年5月24日)
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung
G. Trakl
Im Friedhof dich suchend der Totenseelen
Massen noch immer ohne Hoffnung im Inntal versickert
Ein Tag ohne dich der Wasserscharte Lippen nun kalt,
Doch hell. Der Grabplatte Stein, ein tiefer Ozean,
Wartet, dass ihn eine Flasche Wasser bespritzt gerufen dein Name
Allmählich erstrahlt schreckliche Auferstehung
Verschiebt die Schatten setzt fort den Blick in leuchtende Fernen,
Doch Worte der Jugend können mich nicht mehr erschüttern.
Abendglocken hallen deine Stimme wider
Wie oft hast du noch Menschen niedermetzeln sehn?
Unser brennender Durst – seither nicht erloschen.
Unser versiegelter Gifttrunk ist grenzenlos reif.
Des Todes nie weichendes Weiß Einwegverlöschen,
Ganz wie der Gletscher zu unseren Häupten tröpfelnd zerrinnt.
Kommentar
① 引自特拉克尔的诗作《Grodek》。Das Motto stammt aus Trakls Gedicht "Grodek"
"Grodek" ist der Titel von G. Trakls vermutlich letztem Gedicht. Es entstand während oder im Anschluß an die Schlacht um Grodek, eine Stadt im zu Österreich-Ungarn gehörenden Galizien in der heutigen westlichen Ukraine, die im September 1914 nach dem Einmarsch der russischen Armee erbittert umkämpft war. Nach Niederlage und einstweiligem Rückzug der K.u.K-Truppen (durch das spätere EIngreifen des deutschen Heeres fiel das gesamte Gebiet wieder in den Herrschaftsbereich der Achsenmächte) musste Trakl als Leutnant der Sanitäter in einem Feldlazarett an die hundert Verletzte und Schwerverletzte zu versorgen, wobei die dazu benötigten Mittel fehlten ("Sterbende Krieger, die wilde Klage / Ihrer zerbrochenen Münder"). Nach einem verhinderten Selbstmordversuch starb der Dichter Anfang November in einem Krakauer Militärkrankenhaus an einer Überdosis Kokain. Zehn Jahre nach dem Tod Georg Trakls erwirkte sein Freund Ludwig von Ficker, der Innsbrucker Dramaturg und Herausgeber der Zeitschrift "Der Brenner", die Exhuminierung der sterblichen Überreste aus der Grabstätte in Krakau und ihre Überführung zu einem durch von Ficker angelegten Grab auf dem Friedhof von Mühlau, wo sich heute, unmittelbar neben dem Grabmal für Trakl auch das von Fickers befindet.