Hermeneutic Exempla:
Retracing Medieval Exegetic Strategies in the Gesta Romanorum (HERMES)
Fördergeber: Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Einzelprojekt: 10.55776/PAT1459224
Projektlaufzeit: 2026-2030
Budget: EUR 656,226.00
Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Mario Klarer
Projektbeschreibung
“Und die Moral von der Geschicht…“ Dieser Wendung hat in zahllosen Texten der Literaturgeschichte Ausdruck gefunden – aber selten war die Moral an sich das Hauptaugenmerk eines ganzen Mikrokosmus von Geschichten. In den Gesta Romanorum sind jedoch genau das der Fall. In dieser überaus populären mittelalterlichen Sammlung von Geschichten, dessen älteste Fassung aus 1342 stammen, sind die etwa 240 Episoden mit einer Moral gepaart, also einer Interpretation, die manchmal sogar länger ist als die Geschichte selbst. Die Gesta Romanorum spannen dabei einen weiten Bogen über eine Vielzahl von Themen, Textgenres und Charakteren, darunter mythologische Figuren, historische Persönlichkeiten, Paraphrasen biblischer Geschichten, Fabeln und Farcen. Die Gesta Romanorum inspirierten die Weltliteratur von Chaucer, Boccaccio, Shakespeare und Thomas Mann, um nur einige wenige der wichtigsten Autoren zu nennen. Überliefert in hunderten Manuskripten und zahlreichen frühen Drucken, waren die Gesta Romanorum über Jahrhunderte hinweg eine allgegenwärtige Inspiration für Autoren:innen und Leser:innen zugleich.
Da fast allen Geschichten der Gesta Romanorum eine solche zusätzliche Interpretation beigefügt ist, stellen sie ein einmaliges Abbild mittelalterlichen Interpretationsstrategien dar, welches das HERMES Projekt der allgemeinen Leserschaft und der Wissenschaft gleichermaßen eröffnen wird. Hierfür soll ein digital getaggtes und öffentlich zugängliches Datenset produziert werden, basierend auf einer Auswahl von Manuskripten. Dieses Datenset wird die Grundlage für wissenschaftliche Untersuchungen hinlänglich mittelalterlichen Sinnschöpfungsstrategien und Interpretationspraktiken liefern, welche mittels sowohl manueller als auch maschineller, statistischer Analysen durchgeführt werden soll. Gleichzeitig dient das Datenset der Erstellung zweier Editionen – der kontinentallateinischen und der deutschen – welche im Zuge des Projektes publiziert werden sollen und somit eine breite Rezeption dieses bedeutsamen Teils der Literaturgeschichte ermöglichen werden.
