Vorwort
Datenbasis, Zielgruppen und Funktionen
Das WSK-Projekt, bestehend aus WSK-Online und WSK-Print, ist ein multimediales lexikographisches Großprojekt. WSK-Online ist ein offener Verbund von untereinander verlinkten fachlichen Konsultationswörterbüchern, die als Online-Teilfachwörterbücher im Fachgebietsverbund der Sprach- und Kommunikationswissenschaft konzipiert sind. Diese werden zunächst in einer deutschsprachigen Version erarbeitet, in der für das deutsche terminologische Lemmazeichen ein englisches Äquivalent angegeben und die deutsche Definiensangabe ins Englische übersetzt wird, so dass jeder Wörterbuchartikel zweisprachig beginnt.
Es ist festgelegt, dass nach der Fertigstellung eines Online-Teilfachwörterbuchs zeitnah ein entsprechendes gedrucktes Teilfachwörterbuch publiziert wird, so dass nach und nach eine Wörterbuchreihe von gedruckten Teilfachwörterbüchern zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft entsteht: WSK-Print.
Die Adressaten des WSK-Projekts sind in erster Linie:
(a) die Studierenden sowie die Lehrenden in den linguistischen und philologischen Teilfächern des Fachgebietsverbunds der Sprach- und Kommunikationswissenschaft
(b) die Akademiker, die ein Studium in den genannten Fächern abgeschlossen haben und einen ihren Studienfächern entsprechenden Beruf ausüben
(c) alle, die am wissenschaftlichen Wissen über Sprache und Kommunikation interessiert sind.
Die unten aufgeführte Auflistung der zurzeit vorgesehenen bzw. sich in Arbeit befindenden Online-Wörterbücher zu den jeweiligen Fachgebieten lässt erkennen, dass im Interesse der Adressaten keine wissenschaftstheoretische, sondern eine praktisch-pragmatisch begründete Aufteilung des gesamten Gegenstandsbereichs der Sprach- und Kommunikationswissenschaft in einzelne Wörterbuchgegenstandsbereiche gewählt worden ist.
Folgende Online-Teilfachwörterbücher sind bereits als WSK-Print veröffentlicht:
Grammatik – in 2 Teilbänden: 1.1. Formenlehre; 1.2 Syntax (Stefan J. Schierholz/Pál Uzonyi)
Wortbildung – als Band 2 (Peter O. Müller/Susan Olsen)
Schriftlinguistik – als Band 3 (Martin Neef/Said Sahel/Rüdiger Weingarten)
Folgende Online-Teilfachwörterbücher sind z.Z. in Arbeit:
Onomastik (Eckhard Meineke)
Historische Sprachwissenschaft (Mechtild Habermann/Ilse Wischer)
Textlinguistik, Stilistik und Diskursanalyse (Christina Gansel/Constanze Spieß)
Sprachphilosophie (Christoph Demmerling/Pirmin Stekeler-Weithofer/Cyrill Mamin)
Sprachdidaktik: Erstsprache, Zweitsprache, Fremdsprache (Jörg Kilian/Jutta Rymarczyk)
Semantik und Pragmatik (Daniel Gutzmann/Katharina Turgay/Thomas Ede Zimmermann)
Lexikologie (Ayşe Yurdakul/Özlem Tekin)
Die Arbeit an folgenden Online-Teilfachwörterbüchern wurde begonnen, wird z.Z. nicht weitergeführt:
Phonetik und Phonologie
Phonetics and Phonology
Cognitive Grammar
Quantitative und Formale Linguistik
Word Formation
Theories and Methods in Linguistics
Dialektologie
Media Studies
Mit Rücksicht auf die Rolle des Englischen als wissenschaftlicher lingua franca der westlichen Welt sind WSK-Bände auch auf Englisch – ebenfalls als bilingualisierte fachliche Konsultationswörterbücher konzipiert – begonnen worden, wobei die Aufteilung des Gegenstandsbereichs in Teilfachgebiete der Aufteilung in WSK-Online weitgehend entspricht. In den englischen WSK-Bänden werden die englischen Lemmazeichen und die zugehörigen Definiensangaben ins Deutsche übersetzt. Dadurch wird es möglich, die gesamte in WSKOnline lexikographisch bearbeitete deutsche Terminologie mit der englischen bidirektional zu verlinken.
WSK-Online wächst jährlich an, bis die wichtigsten deutschsprachigen Termini des Fachgebietsverbundes der Sprach- und Kommunikationswissenschaft online-lexikographisch bearbeitet sind, so dass dadurch die noch immer vorhandene lexikographische Unterversorgung des Fachgebietsverbunds der Sprach- und Kommunikationswissenschaft durch WSK-online sowie durch die vorhandenen fachlichen Printwörterbücher behoben werden kann.
Alle Online-Teilfachwörterbücher sind gleichartig polyfunktional konzipiert, so dass jedem als primäre Funktionen die textrezeptionsunterstützende Wörterbuchfunktion und die spezielle fachbezogene Informationsfunktion sowie als sekundäre Funktion die translationsunterstützende Wörterbuchfunktion zugeordnet sind. Anders ausgedrückt heißt das: Unterstützt wird unter anderem die Fachtextrezeption, die Hin- und Herübersetzung im Sprachenpaar Englisch-Deutsch sowie die fachbezogene Informationsgewinnung in unterschiedlichen Benutzungsgelegenheiten.
Der Datenzugriff in WSK-Online
Der Zugriff auf die Wörterbuchartikel erfolgt über eine Suchmaske; der Benutzer kann mittels dieser als Suchbereich entweder ein Online-Teilfachwörterbuch wählen oder alle Termini in WSK-Online, alle in den deutschen oder alle in den englischen WSK-Online.
Der Zusammenhang zwischen WSK-Online und WSK-Print
Alle gedruckten Teilfachwörterbücher aus WSK-Print haben, verglichen mit der Onlineversion, anhand deren Online-Wörterbuchartikel das gedruckte Wörterverzeichnis systematisch erzeugt wird, dadurch einen deutlichen Mehrwert, dass sie nicht nur Konsultationswörterbücher sind, sondern zu einem neuen Fachwörterbuchtyp gehören, dem Typ des Lern- und Konsultationswörterbuchs, der in der neueren metalexikographischen Literatur bereits mehrfach beschrieben worden ist und in einer polylingualen Variante, dem Wörterbuch zur Lexikographie und Wörterbuchforschung (WLWF), bereits realisiert ist.
Der Mehrwert der gedruckten Teilfachwörterbücher besteht u.a. in folgenden Eigenschaften ihrer Lernkomponente:
(a) die Systematische Einführung, die ca. 60 Druckseiten umfasst und nach Paragraphen gegliedert ist
(b) die bidirektionale Verweisung von allen Paragraphen zu den zugehörigen Synopseartikeln und von diesen zu den Einzelartikeln sowie umgekehrt
(c) das Englisch-Deutsche Äquivalentregister im Wörterbuchnachspann.
Diese textuelle Organisation nützt im Besonderen den Studierenden, die sich in ein Teilfach einarbeiten wollen: Beginnen diese die Wörterbuchbenutzung mit der Lektüre der Systematischen Einführung, können sie entlang der Verweisungspfade vom Allgemeinen zum Besonderen fortschreiten. Beginnen sie hingegen die Benutzung eines WSK-Bandes in einem Wörterbuchartikel, können sie von der speziellen Beschreibung eines Terminus in einem Einzelartikel zu dessen Rolle in größeren Zusammenhängen übergehen.
Verglichen mit den gedruckten Teilfachwörterbüchern haben die Online-Teilfachwörterbücher den Mehrwert, dass die Benutzer per Mausklick von einem zu jedem anderen Teilfachwörterbuch gelangen können. Die bereits kurz skizzierte Verzahnung bei der Herstellung von Online-Teilfachwörterbüchern und teilfachgleichen Printwörterbüchern macht es erforderlich, dass die verschiedenen Listen und Übersichten, die in den gedruckten Wörterbüchern verschiedene Umtexte bilden werden, bereits vorliegen, wenn die OnlineWörterbuchartikel geschrieben werden. Diese Listen, ein alphabetisches Verzeichnis der Siglen in den Literaturangaben, ein Abkürzungsverzeichnis der in allen Teilfachwörterbüchern gleich gestalteten Abkürzungen, Wörterbuchmarken und Siglen, ein Verzeichnis der Symbole sowie Übersichten für die phonetische Umschrift und Übersichten für die Transliteration sind in den Instruktionsbüchern z.u finden. Die genannten Listen sind in WSK-Online und auf der De Gruyter Brill WSK-Homepage zugänglich (https://www.degruyterbrill.com/de/database/wsk/html?dbid=wsk&dbsource=%2Fdb%2Fwsk)
Die mitwirkenden Personen
Derzeit arbeiten weltweit ca. 500 Personen am WSK-Projekt, und die Lemmakandidatenliste für alle in Arbeit befindlichen Online-Teilfachwörterbücher besteht gegenwärtig aus mehreren Tausend verschiedenen Termini. Ein solches Großprojekt, das kontinuierlich über Jahre weiterwächst, verlangt eine wohldurchdachte und straffe Organisation, die von Erlangen und Innsbruck sowie dem de Gruyter Verlag in Berlin geleistet wird. Die individuellen Aufgaben, Arbeitsbereiche und Zuständigkeiten sind klar geregelt und können wie folgt zusammengefasst werden:
Der Verlag stellt ein webbasiertes Redaktionssystem zur Verfügung, in dem die Wörterbuchartikel geschrieben werden und zu dem die WSK-Mitarbeiter (die beiden Hauptherausgeber, die Wörterbuchherausgeber, die Artikelautoren und die Administratoren) einen mit Password geschützten Zugang haben, der unterschiedliche Zugriffsrechte beinhaltet und die Lese- und Schreibberechtigungen regelt. Dieses Redaktionssystem ist die Voraussetzung dafür, dass Autoren weltweit akquiriert werden können, dass sich diese Autoren, aber auch die Wörterbuch- und Hauptherausgeber sowie Verlagsmitarbeiter von überall in das Redaktionssystem einloggen können. Weiterhin gewährleistet das Redaktionssystem wegen der automatischen Verwaltung des Schreibprozesses, dass handwerkliche und in Wörterbüchern häufig wiederkehrende Fehler nicht auftreten können. Dies betrifft z.B. die einheitliche Schreibung der Lemmata über alle Teilfachwörterbücher hinweg, die weitgehend einheitliche Artikelstruktur in allen Teilfachwörterbüchern, die formale Konsistenz in der Literaturposition und vor allem die wörterbuchinterne und wörterbuchübergreifende Verweisungspraxis. Für den Verlag wird dadurch die redaktionelle Nacharbeit durch das Redaktionssystem erheblich reduziert. Der Verlag organisiert auch den Support bei Fragen zur Technik im Redaktionssystem und veranlasst in Absprache mit den Hauptherausgebern Nachprogrammierungen für wichtige Funktionen im System. Der Verlag leitet außerdem den Import der Lemmakandidaten in das Redaktionssystem, unterstützt bei der formalen Korrektur der Lemmakandidaten und lektoriert die Artikeltexte.
Die Hauptherausgeber sind für die Konzeption und Organisation des gesamten WSKProjektes verantwortlich. Sie vereinbaren mit dem Verlag die Rahmenbedingungen für WSKOnline und WSK-Print sowie für die einzelnen Teilfachwörterbücher, erarbeiten Instruktionsbücher, Siglenlisten, Abkürzungslisten etc., und achten auf die Einheitlichkeit der Teilfachwörterbücher in Bezug auf die allgemeinen Strukturen. Darüber hinaus suchen die Hauptherausgeber pro Teilfachwörterbuch mindestens zwei Wörterbuchherausgeber aus und beraten in generellen Fragen. Die Hauptherausgeber prüfen zudem jede Lemmakandidatenliste eines Online-Teilfachwörterbuchs, bevor sie in das WSKRedaktionssystem importiert wird. Die Orthographie muss in allen Teilfachwörterbüchern einheitlich sein, um dem Benutzer den schnellen Zugriff auf ein gleiches Lemma in verschiedenen Teilfachwörterbüchern zu ermöglichen.
Die Hauptherausgeber haben auch das Anforderungsprofil für das Redaktionssystem erarbeitet, damit das theoretische Wissen aus der Wörterbuchforschung zielgerecht in die Programmierung des Redaktionssystems umgesetzt werden konnte, und haben bei der Gestaltung der WSK-Online Oberfläche mitgewirkt.
Die Wörterbuchherausgeber:innen sind für die Einhaltung der Vorgaben in dem von ihnen herausgegebenen Wörterbuch verantwortlich. Sie erstellen die Lemmakandidatenliste, organisieren das Verfassen der Wörterbuchartikel, verwalten die Literaturangaben und überwachen die Verweisungen. Die Wörterbuchherausgeber werben auch die Artikelautoren an, die die Wörterbuchartikel schreiben. Je Band wird mit ca. 1000 Wörterbuchartikeln und etwa 30 bis 50 Autoren gerechnet. Die Wörterbuchherausgeber und die Artikelautoren haben die Verantwortung für den Wörterbuchgegenstand und seine lexikographische Bearbeitung.
Die Artikelautoren schreiben die Wörterbuchartikel und sind für den Inhalt eines Artikels verantwortlich, der mit ihrem Namen versehen ist. Die Autoren müssen sich an die formalen Vorgaben halten und erhalten durch einen speziell geregelten Workflow im Redaktionssystem die Möglichkeit, vor Fertigstellung ihres Artikels durch eine Begutachtung vom Wörterbuchherausgeber ein Feedback einzuholen. Die Autoren haben auch die Möglichkeit, neue Lemmakandidaten sowie Verweislemmata vorzuschlagen. Die Autoren müssen das von den Hauptherausgeber erstellte Autoreninstruktionsbuch und die vom Verlag geschriebene Kurzinformation zum Arbeiten in den WSK kennen. Letztere enthält viele Hinweise zum effektiven Arbeiten im Redaktionssystem, während das Autoreninstruktionsbuch für die meisten Fragen zum lexikographischen Prozess in WSK Antworten bietet.
Die Konzeption, die Arbeitsteilung und der Workflow in WSK-Online haben sich insgesamt bewährt; die Arbeiten an den Wörterbuchartikeln sind in konstruktiver und kooperativer Arbeit von Fachleuten aus aller Welt gemeinsam ausgeführt worden.
Wir danken dem Verlag für seine Unterstützung, allen voran Uri Tadmor, Ulrike Krauß, Katja Lehming, Johanna Dörsing, Christian Kohl, Florian Ruppenstein, Ida Thiemann und Albrecht Bette, die uns bei ganz unterschiedlichen Problemen stets geholfen haben. Wir danken allen beteiligten Wörterbuchherausgebern für ihr großes zeitliches und persönliches Engagement. Weiterhin danken wir den Erlanger studentischen Mitarbeitern, die in den letzten Jahren regelmäßig und engagiert an den fachlexikographischen, formalen und technischen Sachverhalten mit hilfreichen Problemlösungsvorschlägen mitgearbeitet haben. Wir sind davon überzeugt, dass die Arbeit an und in diesem Großprojekt dem Fachgebietsverbund Sprach- und Kommunikationswissenschaft einen großen Dienst erweist.
Laura Giacomini (Innsbruck) und Stefan J. Schierholz (Erlangen und Göttingen) im September 2024