Mit dem von der Bundesregierung angekündigten Budget für die kommenden Jahren drohen den Universitäten massive Einsparungen. Was geht Ihnen heute durch den Kopf?
Veronika Sexl: Es ist ein bitterer Tag für den Wissenschafts- und Bildungsstandort Österreich und insbesondere ein bitterer Tag für unseren Nachwuchs. Wir reden nicht von einer Budgetstagnation oder einem Einfrieren, sondern von nominellen Kürzungen gegenüber dem laufenden Budget, wir reden von Einschnitten in die Qualität der Lehre und der Forschung. Einschnitte in die Ausbildung unserer Studierenden - die in Wissenschaft und Wirtschaft dringend gebraucht werden. Einschnitte in die Generationengerechtigkeit für unsere Jungforscher:innern, die sich mit den Problemen der Zukunft auseinandersetzen müssen. Gemessen am tatsächlichen Bedarf werden uns in der kommenden Leistungsvereinbarungsperiode österreichweit bis zu 2,5 Milliarden Euro fehlen. Das ist kein Sparpaket, sondern ein Kahlschlag.
Die Regierung muss sparen. Ist es nicht legitim, dass auch die Universitäten ihren Beitrag leisten?
Sexl: Natürlich nehmen wir die Lage des Bundeshaushalts ernst. Deshalb hat die Universitätenkonferenz auf Offensivforderungen bewusst verzichtet und lediglich den Mindestbedarf angemeldet, um Kostensteigerungen abzufangen. Wir haben dabei auf Basis der WIFO-Prognosen konservativ gerechnet. Und selbst das wird uns verweigert. Die Universitäten machen gerade einmal vier Prozent des Gesamtbudgets aus. Dass ausgerechnet hier so unverhältnismäßig stark gekürzt wird, ist schwer nachvollziehbar. Wer bei der Zukunft spart, spart an der falschen Stelle.
Was bedeuten diese Sparmaßnahmen nun für die Universität Innsbruck?
Sexl: Wir haben vor einiger Zeit begonnen, uns auf diese Situation vorzubereiten. Schon jetzt reduzieren wir laufende Ausgaben und passen unsere Planungen an. Wir werden Rücklagen auflösen und Zukunftsinvestitionen aufschieben müssen. Selbstverständlich werden wir bei den Sachmitteln und Investitionen einsparen, man muss aber auch ehrlich sein: Der größte Budgetposten sind die Personalkosten. Hier werden wir mit ruhiger Hand und sehr bedachtsam vorgehen. Das bedeutet zunächst: Es wird bei jeder Stelle bedarfsorientiert zu entscheiden sein, in welcher Form und wann eine Nachbesetzung umsetzbar ist. Sicher ist jedoch, dass nicht alle freiwerdenden Stellen nachbesetzt werden können. Sollten sich die derzeit kommunizierten Budgetzahlen bewahrheiten, können jedoch selbst Kündigungen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Das alles hat unmittelbare Auswirkungen auf die Lehre und die Forschung und den Unialltag. Wir werden uns mit aller Kraft bemühen, das Beste für die Universität unter Einbeziehung aller Gremien möglich zu machen.
Trotz dieser finanziellen Rahmenbedingungen wird es auch heuer wieder das Sommerfest am 1. Juli geben. Was hat Sie dazu bewogen?
Sexl: Wir führen das Sommerfest trotz des Spardrucks durch, weil wir überzeugt sind, dass es eine wichtige Veranstaltung im Jahreskreis der Universitätsgemeinschaft ist. Unabhängig davon wäre eine kurzfristige Absage mit erheblichen Kosten verbunden gewesen. Um der Situation Rechnung zu tragen, können wir in diesem Jahr jedoch für Angemeldete nur mehr Gutscheine für ein Essen und ein Getränk bereitstellen. Wir hoffen, dass das für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachvollziehbar ist. Der Neujahrsempfang 2027 wird hingegen entfallen - das ist planbar und schafft Ausgleich.
Kurz und gut: Das Sommerfest findet statt – bewusst. Es ist kein Luxus, sondern ein Zeichen an alle, die diese Universität täglich durch die schwierigen Zeiten tragen – mit schlankerem Format. Wer bei allem spart, was Zusammenhalt schafft, spart am Ende am Falschen.
