Blick in die gut besuchte Aula der Universität Innsbruck

Professorinnen alle Fakultäten sind zum Start des neuen Frauennetzwerkes in die Aula gekommen.  

Start­schuss für ein neues Frau­en­netz­werk

Auf Einla­dung von Rektorin Vero­nika Sexl kamen am Montag Profes­so­rinnen aus allen Fakul­täten in der Aula zusam­men, um über die Situ­a­tion von Frauen an der Univer­sität und die Rolle von Frau­en­netz­werken im akade­mi­schen Kontext zu disku­tie­ren. Die Veran­stal­tung sollte den Grund­stein für ein Frau­en­netz­werk an der Univer­sität Inns­bruck legen. Ein nächstes Zusam­men­kommen ist für Herbst geplant.

Rektorin Veronika Sexl präsentierte zu Beginn des Treffens in der Aula der Universität die aktuelle Datenlage: Der Anteil weiblicher Professorinnen stieg von 18 % im Jahr 2010 auf heute 31,7 %. „Das ist eine positive Entwicklung, aber noch weit von der Parität entfernt“, betonte Sexl. „Keine einzige Fakultät erreicht bei uns die 50 %.“ Besonders deutlich ist der Nachholbedarf an der Fakultät für Technische Wissenschaften, die derzeit zwei Professorinnen zählt. „Bald werden es drei sein“, verkündete die Rektorin mit Freude.

Das Problem beginnt laut Sexl mit der Leaky-Pipeline: Bei den Studierenden sind Frauen noch in der Mehrheit, verlieren sich aber im Laufe der Karriere. Eine Gegenmaßnahme der Universität ist ein Female Postdoc Early Career Fellowship, das gezielt junge Forscherinnen für die acht Fakultäten mit dem niedrigsten Frauenanteil gewinnen soll. Aus rund 50 Bewerbungen wurden in einem internationalen Ausschreibungsverfahren sechs Stipendiatinnen ausgewählt.

Professionelles Netzwerk

In ihrer Keynote plädierte Verena Winiwarter, Sprecherin des Frauennetzwerks an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), für ein Plattform, die auf professionellen, kollegialen Beziehungen basiert. Aus ihrer Erfahrung mit dem ÖAW-Netzwerk seit 2018 weiß sie: Ein Netzwerk floriert, wenn es sowohl von der Leitungsebene unterstützt als auch von den Mitgliedern selbst getragen wird. Entscheidend sei ein gemeinsamer Arbeitsplan, der durch gegenseitigen Informationsaustausch, Solidarität und gemeinsames Eintreten für bessere strukturelle Bedingungen getragen wird.

Winiwarter warnte zudem vor unbewussten Gender-Biases, die auch in Gremien mit hohem Frauenanteil wirksam bleiben, und vor dem sogenannten Glass Cliff – der Tendenz, Frauen bevorzugt dann in Führungspositionen zu berufen, wenn eine Organisation in der Krise steckt und reformiert werden muss.

Erfahrungen, Ideen und Wünsche

In der von Silke Meyer moderierten Diskussion teilten die Quantenphysikerin Francesca Ferlaino, die Wirtschaftspädagogin Heike Welte, die Pharmazeutin Alexandra Koschak, die Historikerin Levke Harders und die Bauingenieurin Barbara Schneider-Muntau gemeinsam mit Sexl und Winiwarter ihre persönlichen Erfahrungen und Perspektiven.

Am Podium in der Aula sitzen acht Frauen, im Hintergrund eine Leinwand.

Ein zentrales Thema waren Berufungsverfahren: Unbewusste Vorurteile zeigen sich dort besonders deutlich, etwa wenn bei Kandidatinnen das Privatleben thematisiert oder weibliche Durchsetzungsstärke negativ ausgelegt wird. Gefordert wurden verpflichtendes Bias-Training und eine stärkere Unterstützung für Frauen in Kommissionen. Ferlaino untermauerte die Benachteiligung mit internationalen Daten aus der Physik und appellierte, Maßnahmen künftig nicht nur für Frauen, sondern auch gezielt für Männer zu entwickeln. Koschak und Harders verwiesen auf weitere strukturelle Hindernisse: Care-Aufgaben – Kinderbetreuung ebenso wie die Pflege älterer Angehöriger – bleiben ein oft verschwiegenes Karrierehindernis, ebenso wie die langfristigen Folgen von Teilzeitarbeit für die Pensionsabsicherung. Harders forderte außerdem, Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt an Hochschulen offensiver zu thematisieren. „Das sind Themen, die nach wie vor zu oft im Verborgenen bleiben“, so die Historikerin.

Wie es weiter geht

Am Ende der Veranstaltung stimmten die Teilnehmerinnen über Schwerpunkte des künftigen Netzwerks ab. Ganz oben: gegenseitige Unterstützung, Karriereförderung und der Umgang mit Belastungen und Konflikten. Als Formate wurden Netzwerktreffen und Peer-Coaching bevorzugt. Wichtig war den Teilnehmerinnen auch, das Netzwerk nicht auf Professorinnen zu beschränken, sondern auch Habilitandinnen und andere Karrierestufen sowie die Verwaltung einzubeziehen.

Heike Welte, Alexandra Koschak und Barbara Schneider-Muntau erklärten sich bereit, mit administrativer Unterstützung durch Stefanie Kindl-Bertignoll das Netzwerk in der ersten Phase zu koordinieren. Ein Folgetreffen ist bereits für Herbst 2026 geplant.

Zum Abschluss bedankte sich Rektorin Sexl bei Doris Mangott, Isabella Göschl und Stephanie Kindl-Bertignoll für deren Unterstützung und sagte: „Ich würde mir wünschen, dass wir es gemeinsam schaffen“. Sie lud alle Teilnehmerinnen ein, beim anschließenden Buffett ihre Ideen und Wünsche auf die bereitgestellten Pinnwände zu schreiben.

  • Nach oben scrollen