Die prämierte Arbeit zeigt, wie suffizienzorientierte Maßnahmen – also Ansätze, die auf einen maßvollen und ressourcenschonenden Umgang mit Naturgütern abzielen – in der Handels- und Biodiversitätspolitik der Europäischen Union verankert werden können. Ziel ist es, den Verbrauch von Biomasse deutlich zu verringern und dadurch die Stabilität und Funktionsfähigkeit natürlicher Ökosysteme langfristig zu stärken. Die intensive Nutzung von Biomasse etwa für Nahrungsmittel, Futtermittel, Materialien und Bioenergie stellt eine wesentliche, bislang oft unterschätzte Ursache für den Verlust der biologischen Vielfalt dar. In der Europäischen Union liegt der Verbrauch deutlich über einem Niveau, das mit den planetaren Grenzen vereinbar ist. Effizienzsteigerungen allein, so die Autorinnen und Autoren, werden nicht ausreichen. Notwendig seien zusätzlich klare Strategien zur Reduktion des absoluten Ressourcenverbrauchs, insbesondere bei Produkten mit hohem Flächenbedarf wie tierischen Produkten, Futtermitteln oder Bioenergie.
Handelspolitik als Treiber globaler Umweltwirkungen
Eine stärkere Liberalisierung des Handels führt nicht nur zu Verlagerungseffekten, sondern erhöht insgesamt das Niveau von Produktion und Konsum – und damit den Druck auf natürliche Ökosysteme sowohl innerhalb der EU als auch in anderen Regionen der Welt. Bestehende und geplante Handelsabkommen können diese Entwicklung zusätzlich verstärken, indem sie den Handel mit besonders ressourcenintensiven Produkten erleichtern. So treibt die Handelspolitik der EU eine übermäßige Biomassenutzung sowie Biodiversitätsverluste über ihre Grenzen hinaus an. Dies ist von besonderer Bedeutung, da diese externalisierten Umweltwirkungen die Überschreitung planetarer Belastungsgrenzen weiter verschärfen.
Suffizienz als Schlüssel für nachhaltige Politikgestaltung
Die Autorinnen und Autoren schlagen vor, das Konzept der Suffizienz systematisch in politische Strategien zu integrieren. Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen absolute Grenzen für die Biomassenutzung, die Reduktion ressourcenintensiver Konsummuster (insbesondere im Bereich tierischer Produkte), die Anpassung von Handelsabkommen sowie gerechte Kompensations- und Übergangsmaßnahmen für betroffene Produzent:innen weltweit. Solche Maßnahmen lassen sich im Einklang mit internationalen Handelsregeln umsetzen – Handelspolitik müsse nicht protektionistisch ausgerichtet sein, um positive Wirkungen für Umwelt und Klima zu entfalten. Besonders vielversprechend wäre die Integration von Suffizienzmaßnahmen in die Handelspolitik. Wenn diese mit einer fairen Kompensation betroffener Produzent:innen kombiniert wird, ergäbe das einen praktikablen Ansatz, um den Druck auf Ökosysteme zu reduzieren und internationale Handelsströme mit Biodiversitätszielen in Einklang zu bringen. Für die geographische Forschung ist die mit dem Frontiers Planet Prize ausgezeichnete Arbeit besonders relevant, da sie sich mit den räumlichen Verlagerungen von Umweltwirkungen sowie den globalen Verflechtungen von Produktion und Konsum befasst. Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge und zeigen Ansatzpunkte für eine nachhaltigere Gestaltung internationaler Handelsbeziehungen auf.
Zur Studie
Die Arbeit entstand unter Federführung von Nicolas Roux (Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Soziale Ökologie). Beteiligt waren neben Andreas Mayer auch Benjamin Fleischmann, Christian Dorninger, Karl-Heinz Erb, Helmut Haberl und Lisa Kaufmann (alle Universität für Bodenkultur Wien) sowie Johanna Coenen (Stockholm University), Benedetta Cotta (University of Padova) und Jens Newig (Universität Lüneburg).
Publikation: Roux, N. et al. (2025): Integrating sufficiency in the trade and biodiversity agenda of the European Union. One Earth 8, 101347. https://doi.org/10.1016/j.oneear.2025.101347
Frontier Planet Prize: https://www.frontiersplanetprize.org/

Das internationale Forschungsteam: Obere Reihe v.l.n.r.: Lisa Kaufmann, Helmut Haberl, Christian Dorninger, Benjamin Fleischmann, Nicolas Roux, Karlheinz Erb (alle BOKU) Untere Reihe v.l.n.r.: Benedetta Cotta (University of Padova), Jens Newig(Universität Lüneburg), Johanna Coenen (Stockholm University) und Andreas Mayer (Universität Innsbruck).
