Vortragender Lutz Eichler

Antritts­vor­le­sung von Prof. Dr. Lutz Eichler gefeiert

Am 16. Juni 2026 fand in der Aula der Universität Innsbruck die Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Lutz Eichler statt. Lutz Eichler ist seit 1. März 2025 Professor für psychoanalytische Erziehungs- und Bildungswissenschaft am Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung der Fakultät für Bildungswissenschaften.

Die Antrittsvorlesung wurde durch Grußworte der Rektorin der Universität Innsbruck, Veronika Sexl, feierlich eröffnet. Sie begrüßte die zahlreich anwesenden Verwandten, Freunde und Kolleg:innen von Lutz Eichler und brachte ihre Freude über den Stellenantritt von Professor Eichler an der Universität Innsbruck zum Ausdruck. Danach ging der Dekan der Fakultät für Bildungswissenschaften, Alfred Berger, auf die Bedeutung der Professur für psychoanalytische Erziehungs- und Bildungswissenschaften für die Fakultät und die österreichische Bildungswissenschaften sowie Psychoanalyse ein und stelle den wissenschaftlichen Werdegang und die Forschungsschwerpunkte von Lutz Eichler vor.

Lutz Eichler hat an der Universität Frankfurt Soziologie und danach an der Universität Erlangen Pädagogik studiert. Seine Promotion verfasste er an der Universität Frankfurt im Fach Soziologie zur psychischen Wirkung veränderter Arbeitsbedingungen. Nach seiner Promotion kehrte er ans Erlanger Institut für Soziologie zurück, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Schnittfeld von Arbeitssoziologie und Sozialisationsforschung tätig war. Während dieser Zeit spezialisierte er sich auf die individuelle Psychologie, absolvierte eine Ausbildung zum tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche und arbeitete als Pädagoge und Psychotherapeut in der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz in Herborn. Nach Stationen an den Fachhochschulen in Darmstadt und Fulda wurde er 2020 als Professor an die Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf berufen. Dort war er Professor für gesundheitsbezogene Soziale Arbeit und insbesondere psychopathologische Aspekte im Kontext von Sozialpädagogik und Beratung. Parallel approbierte er sich als Kinder- und Jugendpsychotherapeut und betrieb eine eigene psychotherapeutische Praxis für Kinder- und Jugendliche.

Lutz Eichler forscht schwerpunktmäßig zum Unbehagen in Bildung und Arbeit. Unbehagen in der Arbeit war sein Schwerpunkt bis zur Dissertation, Unbehagen in der Bildung seitdem. Seine Fragestellungen drehen sich um die individuellen Verarbeitungen „subjektivierter“ Anforderungen in der Schule, beim Übergang von der Ausbildung ins Arbeitsleben und in der Arbeitswelt. In diesem Zusammenhang interessiert er sich entwicklungstheoretisch besonders für die Phase der Post-Adoleszenz und des jungen Erwachsenenalters. Methodisch kombiniert er biografisch-narrative Interviews mit Bindungs- und psychodynamischer Diagnostik.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt in der psychoanalytischen Autoritarismusforschung. In diesem Bereich interessieren ihn besonders die lebensgeschichtlichen und entwicklungs­psychologischen Hintergründe der Entstehung autoritärer Wünsche und Phantasien.

Was Lutz Eichler auszeichnet, ist die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise mit professionellem Können und praktischer Erfahrung im Bereich der Psychotherapie. Diese Kombination von Theorie und Praxis qualifiziert ihn in besonderer Weise für die Professur, die er an der Universität Innsbruck übernommen hat. Sie verspricht einen großen Gewinn sowohl in der Forschung als auch der Lehre.

In seiner Antrittsvorlesung mit dem Titel „Allein zusammen. Kritische Theorie des post-adoleszenten Zustands“ gab Lutz Eichler einen Einblick in seine Forschungsarbeiten zur Psychodynamik und den inneren Dilemmata von Post-Adoleszenten. Er befasst sich damit mit einer Lebensphase, die in der Forschung zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen hat. In der Literatur wird diskutiert, ob sich in den letzten Jahrzehnten aufgrund der längeren Verweildauer junger Menschen im Bildungswesen zwischen Jugend- und Erwachsenenalter eine neue distinkte Lebensphase der „Post-Adoleszenz“ oder „Emerging Adulthood“ geschoben hat, die durch Statusinkonsistenz oder Semi-Autonomie gekennzeichnet ist. Lutz Eichler ging in seiner Rede auf den eigentümlichen Zustand der Post-Adoleszenten ein, welcher durch ein „Dazwischensein“ gekennzeichnet ist. Post-Adoleszente stehen zwischen Herkunftsfamilie und neuen Beziehungen, Einsamkeit und Zugehörigkeit. In seinem Vortrag integriert er psychoanalytische, soziologische und erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf die Post-Adoleszenz und widmete sich insbesondere dem psychischen Erleben und der psychischen Gesundheit in dieser Lebensphase.

Der Abend schloss bei einem Umtrunk und anregenden Gesprächen mit den zahlreichen Gästen, die gekommen waren, um Lutz Eichler kennen zu lernen und an der Fakultät für Bildungswissenschaften willkommen zu heißen.

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