KI ent­zau­bern

Veranstaltungsreihe, organisiert von Andreas Beinsteiner (Institut für Philosophie) und Oliver Leistert (Institut für Medien, Gesellschaft und Kommunikation)

KI entzaubern (3): „Anthropologie künstlicher Intelligenz“ mit Martina Heßler (TU Darmstadt) und Daniel Martin Feige (ABK Stuttgart).

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Vortrag von Martina Heßler: „Expert:innen des Nichtfunktionierens? Warum wir eine Geschichte technologischer Fehler brauchen.“

Abstract: Die Medienwissenschaftlerin Lisa Nakamura konstatierte, im Umgang mit digitalen Geräten seien wir alle „Expert:innen des Nichtfunktionierens“ geworden. Der Vortrag nimmt diese Beobachtung auf und fragt nach dem Umgang mit digitalen und KI-Fehlern. Während lange Zeit das menschliche Versagen und die Fehlerhaftigkeit der Menschen ein unhinterfragter Topos waren, wurde die Fehlerhaftigkeit der Technik seit den 1970er Jahren zur neuen Herausforderung. Der Vortrag möchte anhand historischer Beispiele die These eines neuen Zeitalters technologischer Fehlerhaftigkeit seit den 1970er Jahren diskutieren und die Bedeutung einer Geschichte technologischer Fehler sowie die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Error Literacy aufzeigen. Denn die Frage, ob wir tatsächlich Expert:innen des Nichtfunktionierens sind, ist aus historischer Perspektive differenziert zu beantworten.

Vortrag von Martina Heßler

Gehalten am 24.04.2026. im Rahmen des Workshops „KI entzaubern (3.1)“ an der Universität Innsbruck.

Vortrag von Daniel Martin Feige: „KI und praktisches Wissen.“ 

Abstract: Die Fortschritte in der Entwicklung von KI-Technologien wie ihrer Implementierung in nahezu alle Bereiche unserer Praxis werden orchestriert von Diskursen, die geltend machen, dass rationale Vermögen nur kontingenterweise mit Lebensprozessen verbunden sind. Es soll nichts dagegen sprechen, dass außer ,Kohlenstoff‘ auch ,Silikon‘ ihre materielle Grundlage sein könnte. Im Vortrag möchte ich aus primär handlungstheoretischer Perspektive zeigen, dass diese These unverständlich ist. Sie baut den Begriff praktischer Rationalität aus dem Geiste einer maschinen-logischen Sicht um, anstatt ihren Gehalt aufzuklären. Wir können, so wird die Argumentation zeigen, einer KI nicht ,Wissen‘ zuschreiben, wie wir es uns wechselseitig zuschreiben müssen. Der Umbau von Begriffen theoretischen wie praktischen Wissens im Geiste einer KI-Logik verdankt sich, so werde ich zeigen, einer politischen Grammatik, die die Grundlagen unserer deliberativen Fähigkeiten selbst angreift.

Vortrag Daniel Martin Feige

Gehalten am 07.05.2026 im Rahmen des Workshops „KI entzaubern (3.2)“ an der Universität Innsbruck.

KI entzaubern (2): „Automatisierung und/von Kreativität“ mit Florian Cramer (FH Rotterdam), Elke Höfler (Uni Graz) und Dieter Mersch (HdK Zürich), 12./13.06.2025.

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Vortrag von Dieter Mersch: „Eine monströse unnatürliche Intelligenz“. Über die Inkommensurabilität zwischen künstlicher Intelligenz und humaner Kognition.

Abstract: Als „monströse, unnatürliche Intelligenz“ bezeichnete Lee Sedol, der amtierende koreanische Großmeister des Go-Spiels das KI Programm AlphaGo nach seiner Niederlage gegen es. Offensichtlich unterschied sich die Art der von der KI durchgeführten Aktionen von menschlichen Spielzügen, denn die KI operiert mit mathematischen Wahrscheinlichkeiten und Optimierungen, die in ihrer Konsequenz und unerbittlichen Strenge dem menschlichen Denken fremd gegenüberzustehen scheinen. KI-Systeme beruhen auf mathematischen Strukturen, die Teil einer formalen Rationalität sind, die zwar dem Denken innewohnen, nicht aber für das Ganze stehen. Entsprechen versucht der Vortrag, die theoretischen und praktischen Reduktionismen zu enthüllen, die aus der Ersetzung zentraler Begriffe wie Bewusstsein, Bezugnahme, Sinn, Kreativität etc. durch Computerterminilogien und ihre Programmatiken folgen. Die These besteht dann darin, beide – die artifiziellen Intelligenzmodelle der Mathematik und ,Denken' als immer schon reflexives ,Denken des Denkens' – als zueinander inkommensurabel aufzuweisen.

Vortrag von Dieter Mersch

Gehalten am 12.06.2025 im Rahmen des Workshops „KI entzaubern (2)“ an der Universität Innsbruck.

KI entzaubern (1): „KI in der Bildung“ mit Ralf Lankau (HS Offenburg), 21.03.2025.

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Abstract: „Wie ChatBots und KI die Welt retten - und was der Haken an der Sache ist“ 

In Bildungseinrichtungen wird seit über 40 Jahren kontrovers über IT und seit November 2022 über KI im Un- terricht diskutiert. Die Versprechen wiederholen sich: Unterricht würde modern und individualisiert, lern- und motivationsfördernd. Dem widersprechen PISA & Co. Die Lernleistungen werden seit Jahren konstant schlechter.Der Vortrag thematisiert die intendierte Automatisierung des Beschulens und Testens durch informationsverarbeitende Systeme und zeigt pädagogische Alternativen für den emanzipierenden Einsatz von Medien im Unterricht. Die Kritik an derzeitigen Systemen richtet sich dabei nicht gegen Digitaltechnik, sondern gegen Geschäftsmodelle der Datafizierung zur Steuerung von Menschen und ihrem Verhalten.

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