Am Donnerstag, dem 29. Januar 2026, fand die erste Sitzung des Forschungskolloquiums im neuen Jahr am Institut für Islamische Theologie und Religionspädagogik statt. Das neu initiierte Format zielt darauf ab, einen kontinuierlichen wissenschaftlichen Austausch über laufende Forschungs- und Publikationsprojekte zu etablieren und diese im kollegialen Rahmen kritisch zu reflektieren.
Die Auftaktsitzung wurde von Univ.-Ass. Dr. Hureyre Kam geleitet, der seinen aktuellen Forschungsstand zu seinem Publikationsprojekt „Hikma 2.0: Islamische Philosophie und Ethik im Zeitalter des Anthropozäns“ vorstellte. Im Zentrum der Präsentation stand eine dreifache Krisendiagnose, die eine ethische, epistemologische und kosmologische Verunsicherung innerhalb der islamischen Theologie und Philosophie identifiziert, welche durch gegenwärtige technologische und gesellschaftliche Umbrüche zusätzlich verschärft wird. Ausgangspunkt ist die These, dass Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, Human Enhancement und transhumanistische Zukunftsentwürfe nicht nur neue moralische Fragen aufwerfen, sondern zugleich die Bedingungen von Wissen, Weltdeutung und menschlicher Selbstverortung neu konfigurieren. Die Diagnose dient als Grundlage für die Ausarbeitung einer islamisch-theologisch fundierten Verantwortungsethik im Zeitalter des Anthropozäns.
In der anschließenden Diskussion entwickelte sich ein lebendiger Austausch, insbesondere zu Fragen der Künstlichen Intelligenz, der Phänomenologie sowie zur Rolle islamisch-theologischer Konzepte. Diskutiert wurde unter anderem, wie eine Verantwortungsethik im Umgang mit KI aussehen kann, inwiefern phänomenologische Zugänge eine Alternative zu diskursethischen Modellen darstellen und welche Bedeutung Konzepte wie Barmherzigkeit für gegenwärtige ethische Debatten haben.
Zudem wurde die Frage vertieft, ob und in welchem Sinne KI-Systeme emotionale Zustände ausbilden oder lediglich simulieren können, die menschlichen Empfindungen vergleichbar sind. Eng damit verbunden ist die grundlegende Problematik, ob KI-Systeme als Verantwortungsträger in Betracht kommen, mithin als moralische Akteure fungieren können, und welche ontologische sowie normative Stellung ihnen in diesem Fall im Horizont eines islamischen Menschen- und Weltverständnisses zukäme.
Mit dieser ersten Sitzung wurde das Forschungskolloquium als integraler Bestandteil des institutsinternen wissenschaftlichen Austauschs etabliert. Perspektivisch soll das Format nicht nur der kontinuierlichen Diskussion laufender Forschungs- oder Publikationsarbeiten dienen, sondern bei Bedarf auch zu themenspezifischen Workshop-Formaten mit erweiterten methodischen und interdisziplinären Zugängen ausgebaut werden. Mittelfristig ist zudem vorgesehen, ausgewählte Beiträge aus dem Kolloquium in eine gemeinsame Publikation zu überführen.
