Dieses Jahr fand die SIG 19 Biennial Conference in Kooperation mit der SIG 13 vom 3.-5. Juni 2026 an der Universität Agder in Kristiansand in Norwegen statt. Unter dem Motto „Navigating Polarisation and Fostering Civic Engagement through Education” widmete sich die Konferenz einem hochaktuellen, gesellschaftlich brisanten Phänomen der zunehmenden Polarisierung und ihren Auswirkungen auf den Bildungssektor. Über 120 Wissenschaftler:innen aus 16 Ländern nahmen als Vortragende, Chairs oder Zuhörer:innen teil.
Theoretische, empirische und praxisbasierte Beiträge waren eng verschränkt. Im Zentrum stand die Frage, wie Demokratiebildung, (Citizenship Education) und religiös-weltanschauliche Bildung (Religious and Worldviews Education) gemeinsam als transformative Werkzeuge genutzt werden können. Ein Dilemma zog sich durch viele Vorträge. Lehrkräfte sollen freien, demokratischen Diskurs und das Äußern kontroverser Meinungen zulassen, zugleich aber auch „Schutzräume“ bieten, die Marginalisierung und Diskriminierung verhindern.
Einen fundierten Einblick in die Kernfrage der Tagung, inwiefern der Religionsunterricht Polarisierung thematisiert und behandelt, bot die Präsentation von Asligül Aysel und Petra Juen. Die Vortragenden analysierten den islamischen und katholischen Religionsunterrichtslehrplan der Sekundarstufe I in Österreich vergleichend und stellten fest, dass gesellschaftliche Polarisierung in keinem der beiden Lehrpläne explizit thematisiert wird. Dies ist angesichts der grundsätzlich langfristigen Anlage von Lehrplänen wenig überraschend. Bedeutsamer sind jedoch die breiten Gestaltungsräumen für Lehrkräfte in beiden Lehrplänen um aktuelle gesellschaftliche Debatten eigenständig aufzugreifen und im Unterricht kritisch zu reflektieren. Wie diese Gestaltungsräume tatsächlich in der Unterrichtspraxis genutzt werden, soll künftige empirische Forschung zeigen.
Die gemeinsame Tagung von SIG 13 (Moral and Democratic Education) und SIG 19 (Religions and Worldviews in Education) verdeutlichte, dass gesellschaftliche Polarisierung in Bildungskontexten nur aus einer interdisziplinären Perspektive angemessen bearbeitet werden kann. Die Verbindung moralisch-demokratischer sowie religiös-weltanschaulicher Zugänge erwies sich dabei als besonders gewinnbringend und eröffnete neue Perspektiven für praxisorientierte Forschungsansätze. Ein zentrales Fazit der Tagung war, dass Bildung gesellschaftliche Polarisierung zwar nicht allein überwinden kann, jedoch eine wesentliche Voraussetzung dafür schafft, junge Menschen zu reflektiertem Denken, Dialogfähigkeit und demokratischer Teilhabe zu befähigen.
Abgerundet wurde das Programm durch mehrere Social Events, wie eine Bootsfahrt durch die Norwegischen Fjorde am Vorabend der Tagung, einer Opening Reception, dem Conference Dinner und im Anschluss an die Tagung einer Besichtigung des ARKIVET Peace and Human Rights Center sowie dem Kunstsilo.
Text von Asligül Aysel und Petra Juen
