Ass.-Prof.in Mag.a Flavia Guerrini, PhD
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Institut für Erziehungswissenschaft
Innrain 52a, A-6020 Innsbruck
Zi. 02-11 (2. Stock)
0043-512-507/40015
flavia.guerrini@uibk.ac.at
Mitarbeiterin am CGI - Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck

Profil
Arbeitsschwerpunkte
- Historische Zugänge zu Social Care, insbesondere Geschichte der Heimerziehung und Jugendfürsorge
- Kritische Geschlechterforschung
- Qualitative Forschungsmethoden, Biographieforschung und Diskursanalyse
Aktuelle Arbeiten
- Geschichte der Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige in Wiener Neudorf
- DACH-Projekt Aushandlung von Erziehungsräumen in der Heimerziehung 1970-1990
- Kinder von Besatzungssoldaten: Erinnerungen an eine besondere Kindheit
Vita
| Funktion | |
|---|---|
| seit 2019 | Universitätsassistentin im Lehr- und Forschungsbereich Kritische Geschlechterforschung (Institut für Erziehungswissenschaft) sowie am CGI – Center für Interdisziplinäre Geschlechterforschung, Universität Innsbruck |
| 2016-2019 | Assistentin am Institut für Erziehungswissenschaft, Lehr- und Forschungsbereich „Generationenverhältnisse und Bildungsforschung“ (seit September 2016) |
| 2011-2018 | Doctor of Philosophy – Doktoratsstudium Erziehungs- und Bildungswissenschaft an der Universität Innsbruck, Abschluss mit ausgezeichnetem Erfolg (Promotio sub auspiciis Praesidentis rei publicae) Dissertation: Öffentliche Fürsorge und ihre Effekte. Zur Subjektbildung in der historischen Jugendfürsorge und Heimerziehung |
| 2013-2016 | Promotionsstudiengang Qualitative Bildungs- und Sozialforschung, Universität Magdeburg |
| 2013-2015 | wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft |
| 2012-2013 | Doktoratsstipendium aus der Nachwuchsförderung der Universität Innsbruck |
| 2011-2012 | wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft |
| seit 2011 | Lehraufträge im BA und MA Erziehungswissenschaft |
| 2004-2010 | Diplomstudium der Pädagogik (Studienzweig Kritische Geschlechter- und Sozialforschung) an der Universität Innsbruck |
| Auszeichnungen | |
|---|---|
| 2019 | Exzellenzstipendium des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung für Promovierte sub auspiciis Praesidentis |
| 2018 | Eduard Wallnöfer Preis für die Mutigste Initiative für das Forschungsprojekt Besatzungskinder in Tirol. Individuelle Lebensgestaltung und intergenerationale Verarbeitung einer besonderen Herkunft |
| 2012 | Stipendium für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler anlässlich der von der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) veranstalteten Summer School 2012 |
| 2012 | Anerkennungspreis des Best Student Paper Award 2012 der Universität Innsbruck für den Artikel „Denkwerkzeug Habitus. Uneindeutige Geschlechtlichkeit und die Veränderung habitueller Dispositionen“ |
| 2010 | Förderung für feministische/queere Nachwuchswissenschafter*innen der ÖH Wien für die Diplomarbeit „Denkwerkzeug Habitus“ |
Forschung
Forschungsprojekt zur Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige Wiener Neudorf (ab 2020)
Seit 2010 werden in Österreich die Geschichte der Heimerziehung und der Jugendfürsorge aufgearbeitet. Bislang gibt es jedoch keine kritische Aufarbeitung der Geschichte der Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige in Wiener Neudorf, die von 1951-1974 bestand. Über 1100 Mädchen und junge Frauen wurden in diesem Zeitraum per Gerichtsbeschluss in die Bundesanstalt eingewiesen und haben einen Teil ihrer Jugend dort verbracht: In den meisten Fällen dauerte der Aufenthalt mindestens eineinhalb Jahre, oft jedoch länger.
Aufruf: Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gesucht
Waren Sie als Mädchen bzw. junge Frau in der Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige Wiener Neudorf untergebracht und möchten Sie Ihre Erinnerungen mit mir teilen? Haben Sie noch Dokumente aus dieser Zeit, z.B. Briefe, Fotos, Tagebücher usw.?
Ein 2020 begonnenes Forschungsprojekt nimmt die Geschichte der Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige in Wiener Neudorf in den Blick. Welche Erfahrungen machten die Mädchen und jungen Frauen im Rahmen ihrer Unterbringung und welchen Einfluss hatte der Aufenthalt in Wiener Neudorf auf ihr weiteres Leben? Wenn Sie bereit sind, im Rahmen eines Interviews von Ihren Erinnerungen und Erfahrungen zu erzählen oder wenn Sie dem Projekt Dokumente zur Verfügung stellen möchten, sind Sie herzlich aufgerufen, sich zu melden. Gerne können sich auch Zeitzeug*innen melden, die z.B. beruflich in der Bundesanstalt Wiener Neudorf tätig waren, oder die Angehörige haben, die einen Teil ihrer Jugend dort verbracht haben.
Selbstverständlich werden alle Informationen, v.a. persönliche Daten, vertraulich behandelt.
Kontakt: Mag.a Flavia Guerrini, PhD
Post: Institut für Erziehungswissenschaft, Liebeneggstraße 8, 6020 Innsbruck
E-Mail: flavia.guerrini@uibk.ac.at
Telefon:0043-512-507-40015
DACH-Projekt Aushandlung von Erziehungsräumen in der Heimerziehung 1970-1990, Universität Innsbruck, Uni Kassel, FHNW Olten
Leitung am Standort Innsbruck: Michaela Ralser, Co-Leitung: Flavia Guerrini und Ulrich Leitner
Die These vom Ende der Anstalts- und Fürsorgeerziehung in den 1970er Jahren im deutschsprachigen Raum trifft nur sehr bedingt zu. Dies bestätigen auch Vorstudien zu diesem Projekt. In den 1970er und 1980er Jahren entwickelte sich die Heimerziehung in verschiedenen Wohlfahrtsregionen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz unterschiedlich bezüglich Dynamiken, Graden und Geschwindigkeiten. Im Gefolge von 68 kam es zwar allerorts zu Kritik am System der geschlossenen Heimerziehung und zu mehr oder weniger durchgreifenden Reforminitiativen. Nicht wenige Kinder und Jugendliche gelangten jedoch mindestens weitere zwei Jahrzehnte in kaum veränderte Fürsorgeinstitutionen. Diese Schwellenzeit zwischen Veränderung und Beharrung hat bislang wenig wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren. Das Projekt will diese Forschungslücke nun schließen.
Welche Dynamiken lassen sich in den untersuchten Wohlfahrtsregionen ausmachen und welche wechselseitigen Wirkungen erzeugen diese lokal, regional, national und transnational? Welche strukturellen und institutionellen Hinterlassenschaften, welche Diskursfelder und Akteurskonstellationen bestimmen Grade und Geschwindigkeiten der Transformation?
Das Ziel des grenzüberschreitenden Dreiländer-Projekts ist eine angemessene und differenzierte Beschreibung einer bislang wenig erforschten Schwellenzeit, die neue Erkenntnisse zur jüngeren Heimgeschichte erbringt sowie Methodologien zur Erforschung wohlfahrtsstaatlicher Transformationen liefert.
Kinder von Besatzungssoldaten. Erinnerungen an eine besondere Kindheit (2018-2021)
In den vergangenen Jahren wurde in medialen Berichten, Publikationen und im Rahmen von unterschiedlichen Veranstaltungen auf die besonderen Lebensgeschichten von Menschen, deren Väter Angehörige der alliierten Truppen während der Zeit der Besatzung in Österreich (1945-1955) waren – den so genannten Besatzungskindern – hingewiesen. Dennoch sind ihre Biographien und Lebenssituationen in Tirol bislang weder ausreichend wissenschaftlich erforscht, noch im kollektiven historischen Gedächtnis verankert. Es kann davon ausgegangen werden, dass viele Besatzungskinder von einer mehrfachen individuellen wie strukturellen Diskriminierung betroffen waren: Als Kinder lediger Mütter standen sie unter Vormundschaft und Kontrolle des Jugendamtes, als „Kinder des Feindes“ waren sie von Stigmatisierung und Ausgrenzung bedroht. Mit dem Forschungsprojekte „Besatzungskinder in Tirol. Individuelle Lebensgestaltung und intergenerationale Verarbeitung einer besonderen Herkunft“ soll ein Beitrag dazu geleistet werden, diese Lücke ein Stück weit zu schließen.
Publikationen
Monographien
Ralser, Michaela; Bischoff, Nora; Guerrini, Flavia; Jost, Christine; Leitner, Ulrich; Reiterer, Martina (2017): Heimkindheiten. Geschichte der Jugendfürsorge und Heimerziehung in Tirol und Vorarlberg. Innsbruck, Wien, Bozen: Studien Verlag. https://www.studienverlag.at/produkt/5537/heimkindheiten/
- Ralser, Michaela; Bechter, Anneliese; Guerrini, Flavia (2014): Regime der Fürsorge. Eine Vorstudie zur Geschichte der Tiroler und Vorarlberger Erziehungsheime und Fürsorgeerziehungssysteme der Zweiten Republik. Innsbruck: innsbruck university press (IUP). https://www.uibk.ac.at/iup/buecher/9783902936455.html
Werner Sacher, Fred Berger, Flavia Guerrini: Schule und Eltern – eine schwierige Partnerschaft. Wie Zusammenarbeit gelingt. Stuttgart: Kohlhammer Verlag, 2019Erinnern und Tradieren. Kulturelles Gedächtnis als pädagogische Herausforderung. Paderborn 2014.
Herausgeberschaften
- Berger, Fred; Guerrini, Flavia; Bütow, Birgit; Fennes, Helmut; Lauermann, Karin; Sting, Stephan; Wächter, Natalia (Hg.) (2022): Jugend - Lebenswelt - Bildung. Perspektiven für die Jugendforschung in Österreich. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich
Peskoller, Helga; Guerrini, Flavia (Hg.) (2008): Erfahrungen. Erträge aus zwei Proseminaren am Institut der Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck. Innsbruck
Beiträge in Sammelbänden und Zeitschriften
Guerrini, Flavia; Bischoff, Nora (2022): Die Hervorbringung des jugendlichen Zöglings. Akten als Arenen der Wissensproduktion und Aushandlung von Subjektpositionen. In: Fred Berger, Flavia Guerrini, Birgit Bütow, Helmut Fennes, Karin Lauermann, Stephan Sting und Natalia Wächter (Hg.): Jugend - Lebenswelt - Bildung. Perspektiven für die Jugendforschung in Österreich. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich, S. 347–363.
Guerrini, Flavia (2020): Über Sexualität sprechen, über Gewalt schweigen. Zur Dethematisierung sexueller Gewalt in jugendamtsinternen Sittlichkeitsdiskursen (1945-1960). In: Jeannette Windheuser, Elke Kleinau, Dorotea Sotgiu, Barbara Umrath, Flavia Guerrini, Sylvia Wehren et al. (Hg.): Generation und Sexualität: Verlag Barbara Budrich, S. 51–67.
Guerrini, Flavia (2020): Disziplinierung und Spuren des Widerstandes. Subjektivierungstheoretische Perspektiven auf Heimerziehung für Mädchen. In: Verena Sperk, Sandra Altenberger, Katharina Lux und Tanja Vogler (Hg.): Geschlecht und Geschlechterverhältnisse bewegen. Queer/Feminismen zwischen Widerstand, Subversion und Solidarität. Bielefeld: transcript, S. 45–71.
Guerrini, Flavia; Leitner, Ulrich; Ralser, Michaela (2020): „Unterstützte Erinnerung“ als Form der Wissensorganisation. In: Soziale Probleme 30 (2), S. 187–203. DOI: 10.1007/s41059-019-00065-7.
Guerrini, Flavia; Leitner, Ulrich (2020): "[Sie] sollen mit Schönheit umgeben werden, dass sie mehr Sinn und Verständnis für alles bekommen und mehr Lust und Geduld zur Arbeit". Räumlichkeit als Mittel zur Pädagogisierung des 'guten Lebens' am Beispiel anstaltsförmiger Ersatzerziehung. In: Andrea de Vincenti, Norbert Grube, Michèle Hofmann und Lukas Boser (Hg.): Pädagogisierung des "guten Lebens". Bildungshistorische Perspektiven auf Ambitionen und Dynamiken im 20. Jahrhundert. Bern (Schriftenreihe / Bibliothek am Guisanplatz, No 78), S. 215–239.
Guerrini, Flavia (2019): „… weil ich kann nichts dafür und ich habe das Leben leben müssen, in das sie mich reingestellt haben.“ Einblicke in die Lebensgeschichten von Besatzungskindern in Tirol. In: Elisabeth Hussl, Martin Haslwanter und Horst Schreiber (Hg.): Gaismair-Jahrbuch 2020. Im Labyrinth der Zuversicht. Innsbruck, Wien, Bozen: StudienVerlag, S. 299–307.
Ralser, Michaela; Leitner, Ulrich; Guerrini, Flavia (2019): „Man könne nicht erziehen, den man nicht habe“. Das Diktat der Anwesenheit als Konstante freiheitsentziehender Maßnahmen der Jugendfürsorge. In: Anke Neuber und Franz Zahradnik (Hg.): Geschlossene Institutionen - theoretische und empirische Einsichten. Weinheim, Basel: Beltz Juventa, S. 42–65.
Guerrini, Flavia (2017): "Für mich ist nicht nur das Ergebnis unserer Projektarbeit von Bedeutung, sondern die Erfahrung, die wir bei der Durchführung gesammelt haben". Geschlechtertheorie und Forschendes Lernen im Bachelorstudium Erziehungswissenschaft. Eine Fallstudie. In: Helga Peskoller und Marisa Siedler (Hg.): Über Forschung und Lehre sprechen - (k)eine Sackgasse? Innsbruck: innsbruck university press (IUP), S. 143–164.
Guerrini, Flavia (2017): „… ich hätte alles getan, damit ich ja da nicht mehr reinkomme.“ Karzer, Besinnungsstübchen, Therapiestation: Räume der Erziehung? In: Ulrich Leitner (Hg.): Corpus Intra Muros, Bd. 74. Bielefeld, Germany: transcript Verlag, S. 117–148.
Guerrini, Flavia (2016): Dangerous spaces – endangered youth. Considering urban space as a relevant dimension in researching the history of residential care in post-war Innsbruck. In: Christina Antenhofer, Günter Bischof, Robert L. Dupont und Ulrich Leitner (Hg.): Cities as multiple landscapes. Investigating the sister cities Innsbruck and New Orleans. Frankfurt, New York: Campus Verlag, S. 495–512.
Bischoff, Nora; Guerrini, Flavia; Jost, Christine (2014): In Verteidigung der (Geschlechter)Ordnung. Arbeit und Ausbildung im Rahmen der Fürsorgeerziehung von Mädchen. Das Landeserziehungsheim St. Martin in Schwaz 1945–1990. Die Kinder des Staates. In: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften (ÖZG) 25 (1+2), S. 220–247. DOI: 10.25365/oezg-2014-25-1-9.
Bechter, Anneliese; Guerrini, Flavia; Ralser, Michaela (2013): Das proletarische Kind und seine uneheliche Mutter als Objekte öffentlicher Erziehung. Zum Fürsorgeerziehungsregime im Tirol der 1960er und beginnenden 1970er Jahre. In: Maria Wolf, Elisabeth Dietrich-Daum, Eva Fleischer und Maria Heidegger (Hg.): Child care. Kulturen, Konzepte und Politiken der Fremdbetreuung von Kindern. Weinheim, Basel: Beltz Juventa, S. 132–146.
Guerrini, Flavia (2011): Denkwerkzeug Habitus. Uneindeutige Geschlechtlichkeit und die Veränderung habitueller Dispositionen. In: ÖZS 36 (3), S. 29–38. DOI: 10.1007/s11614-011-0048-5.)
Tagungen
Research Workshop
Children born of war and processes of state and nation building, 22.5.2024, Universität Innsbruck
Organisation: Flavia Guerrini (Universität Innsbruck) und Tatjana Takševa (Saint Mary’s University, Canada)
- Programm des Forschungsworkshops
European Network-Conference
Children’s rights in Organisations, 17.11.2021, online
International conference on strategies to strengthen the rights of children and youth in out of home care. Gemeinsam organisiert mit Mechthild Wolff (HAW Landshut), Samuel Keller (ZHAW), Wolfgang Schröer (Universität Hildesheim)
Mitgliedschaften
- Absolventin und assoziiertes Faculty-Mitglied des Doktoratskolleg „Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation: Räume - Relationen – Repräsentationen“
DGfE Sektion 2 – Allgemeine Erziehungswissenschaft (Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung)
DGfE Sektion 11 – Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft