Forschung
Generationenverhältnisse, Bildungs- und Jugendforschung
Der Lehr- und Forschungsbereich „Generationenverhältnisse, Bildungs- und Jugendforschung“ befasst sich aus erziehungswissenschaftlicher und interdisziplinärer Perspektive mit dem Verhältnis zwischen den Generationen sowie mit Erziehungs-, Lern- und Bildungsprozessen im Lebensverlauf. Ein besonderes Augenmerk gilt Fragen der Bildung und Partizipation im Jugendalter.
Es sind zurzeit mehrere Forschungsprojekte am Laufen, die Kernthemen des Lehr- und Forschungsbereichs bearbeiten. Sie sind mehrheitlich der Generationen-, Bildungs- und Jugendforschung zuzuordnen und nutzen sowohl quantitative als auch qualitative Forschungszugänge.
Der Lehr- und Forschungsbereich ist Mitglied des Forschungszentrums „Bildung - Generation - Lebenslauf“.
Forschungsschwerpunkte
Im Rahmen der LifE-Studie werden die Beziehungen von drei familiär miteinander verbundenen Generationen und Bildungsprozesse in einer Lebenslaufperspektive untersucht sowie intergenerationale Transmissionsprozesse über drei Generationen hinweg im Bereich von Erziehung und Bildung analysiert. Die LifE-Studie gehört mit einer Dauer von inzwischen nahezu fünf Jahrzehnten und einer Stichprobengröße von über 2000 Personen zu einer der längsten Drei-Generationen-Längsschnittstudien.
Das Generation and Gender Panel-Survey-Programm fokussiert auf Eltern-Kind-Beziehungen und Geschlechterfragen. Es besteht aus mehreren Panel-Wellen, die länderübergreifend verglichen werden können. An der Studie beteiligen sich über 30 Länder. Die Forschungsgruppe ist Mitglied des Konsortiums für die nächste Welle (2026-2028) des GGP in Österreich.
Der Lehr- und Forschungsbereich Generationenverhältnisse, Bildungs- und Jugendforschung ist federführend am Aufbau der Längsschnitt- und Kohortenstudie GUIDE (Growing Up in Digital Europe)in Österreich beteiligt. Ab dem Jahr 2028 sollen in den einzelnen europäischen Ländern Daten zum Aufwachsen und zur Entwicklung vom Kleinkind- bis ins junge Erwachsenenalter unter den Bedingungen des beschleunigten gesellschaftlichen Wandels sowie der Digitalisierung erhoben und Ländervergleiche durchgeführt werden. Die geplante ländervergleichende Längsschnittstudie wird international einmalig sein und einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten umfassen. Sie verspricht in den kommenden Jahren eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für kinder-, jugend- und bildungspolitische Anstrengungen zur Verbesserung der Lebensverhältnisse von Heranwachsenden und ihren Familien zu werden.
Anthropogener Klimawandel und Umweltzerstörung werfen die Fragen auf, wie wir Menschen unsere Beziehung zu Natur und Mitlebewesen sehen, wie wir das Zusammenleben ökologischer und sozial gerechter gestalten könnten und welche Rolle Bildung dabei spielt bzw. spielen könnte. Zu diesem Themenkomplex gibt es unterschiedliche Aktivitäten in Lehre und Forschung.
Der Lehr- und Forschungsbereich weist eine lange Tradition in der Begleitung der europäischen Erasmus+ Jugendbildungsprogramme auf. Er gründete 2008 gemeinsam mit dem „IZ - Vielfalt, Dialog, Bildung“, Wien, das Netzwerk RAY zur wissenschaftlichen Begleitung europäischer Jugendprogramme. In diesem Netzwerk beteiligen sich heute mehr als 30 europäische Länder. Zurzeit untersucht der Lehr- und Forschungsbereich im Auftrag des OeAD (Agentur für Bildung und Internationalisierung in Österreich) und von AIBA (Agentur für Internationale Bildungsangelegenheiten in Liechtenstein) die Wirkung der Programme Erasmus+ Jugend und Europäisches Solidaritätskorps in Österreich und Liechtenstein mittels zweijähriger, standardisierter Onlinebefragungen (RAY MON; RAY SOC). In einer aktuell laufenden europäischen Studie wird zudem ermittelt, wie die Erasmus+ Jugend Programme neue Zielgruppen von benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen erschließen können (RAY MISS). 2024 wurde unter der Leitung des Lehr- und Forschungsbereichs die erste europaweite Langzeitstudie zu den Effekten der Teilnahme an den europäischen Jugendprogrammen auf Partizipation und Bürger:innenschaft abgeschlossen (RAY LTE EXT).
Gegenwärtig sind die Auswertungsarbeiten zu zwei regionalen Jugendlängsschnittstudien in Tirol am Laufen, in welchen der Lehr- und Forschungsbereich in Zusammenarbeit mit dem Institut für Schulforschung und LehrerInnenbildung die schulischen Übergänge von der Volksschule in die Sekundarstufe I und von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II vor dem theoretischen Hintergrund eines Ressourcenmodells der Bewältigung von Transitionen untersucht hat. Da diese Längsschnittstudien in die Zeit der Corona-Pandemie fielen (2019-2023), ermöglichen sie es, neben Fragen der Ressourcenvoraussetzungen für die Bewältigung schulischer Übergänge auch wichtige Fragen bezüglich des Copings mit den Anforderungen des Distance Learning sowie einer möglichen Vergrößerung der Bildungsungleichheit durch die Pandemie zu untersuchen.
Darüber hinaus sind im Lehr- und Forschungsbereich zurzeit eine größere Anzahl an Qualifikationsarbeiten auf Habilitations-, Doktorats- und Masterstufe am Laufen.
Laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte im Überblick
Projekte in alphabetischer Reihenfolge:
Anspruch und Realität der Arbeitsgesellschaft
G. Thaler
Aufwachsen im Zillertal. Regionale Jugendlängsschnittstudien in Tirol
F. Berger, W. Hagleitner, L. Jesacher-Rößler, C. Kraler, S. Roßnagl & C. Schreiner
Auswirkungen der Erasmus+ Partnerschaftsprojekte in den Bereichen Schulbildung, Berufsbildung, Hochschulbildung, Erwachsenenbildung, Jugend und Europäisches Solidaritätskorps in Österreich auf systemischer Ebene sowie auf institutioneller und individueller Ebene (2021-2023)
F. Berger & S. Gadinger
Bildungsstand und Bildungsbiografien von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe
W. Hagleitner
Classroom-Management, Lernverhalten und schulisches Wohlbefinden auf der Sekundarstufe I
F. Berger
Critical Animal Pedagogy
R. Spannring
Die Bedeutung von Beziehungserfahrungen und Beziehungsvorstellungen in der Adoleszenz für die Qualität von Paarbeziehungen im Erwachsenenalter
A. Umhauer
Die Lebenssituation von Care Leavern im Alter zwischen 20 und 29 Jahren
W. Hagleitner
Distanzlernen und psychosoziales Wohlbefinden von Studierenden in Zeiten der Pandemie: UIBK Corona-Studie
F. Berger, G. Gniewosz, W. Hagleitner, J. Jegg, S. Roßnagl
F. Berger & S. Gadinger
Evaluation und Wirkungsanalyse zur Arbeit der österreichischen Nationalagentur für das EU Bildungsprogramm Erasmus+ Jugend in Aktion
F. Berger, M. Guse, A. Walch & I. Wieser
Generation and Gender Programme Austria (GGP.AT)
F. Berger
Growing Up in Digital Europe – Aufbau von GUIDE in Österreich
F. Berger & G. Gniewosz
Impact of the Corona Pandemic on Youth Work in Europe. A Study Within the Monitoring of European Youth Programmes in Austria
F. Berger & S. Gadinger
Intergenerational Relationships in Emerging Adulthood
F. Berger, M. Herrmann, J. Sommer & S. Mark
Interpersonale Jugend-Gewalt im sozial-ökologischen Mehrebenensystem Schule
M. Herrmann
Langzeitwirkungen von Erasmus+ Jugend in Aktion auf Partizipation und Bürger:innenschaft (2015-2024), AT und transnational
S. Gadinger, H. Fennes & F. Berger
LifE3G – Life Courses in the Context of Three Generations
F. Berger, W. Lauterbach, H. Fend & U. Grob
Monitoring von Erasmus+ Jugend in Aktion in Liechtenstein – Programmzeitraum 2014 bis 2020 sowie 2021 bis 2027
F. Berger & S. Gadinger
Monitoring & Evaluation einer partizipativen Methode von YEP im Rahmen des Projekts #DemokratieMachtSchule - Laufzeit: 01.04.2023 - 31.01.2024
G. Gniewosz
SoFa (Ti) – Sozialpädagogische Familienhilfe (Tirol)
W. Hagleitner & G. Thaler
Surviving the Anthropocene through Inventing New Ecological Justice and Biosocial Philosophical Literacy
R. Spannring
Veränderungen der Zielgruppe stationärer Erziehungshilfen in Österreich
W. Hagleitner
RAY MON, RAY SOC, RAY MISS, RAY LTE EXT, RAY STRAT und RAY COR
F. Berger & S. Gadinger