Afrika
Der afrikanische Kontinent zeichnet sich historisch wie gegenwärtig durch eine enorme soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Vielfalt aus. Gleichzeitig wurde "Afrika" aber auch als homogenes Ganzes – eine Region – betrachtet, imaginiert und tatsächlich konstituiert. Aus den antikolonialen Kämpfen entstand eine panafrikanische Identität, wenngleich alles andere als unbestritten. Heute manifestiert sich diese Identität auf vielfältige Weise, unter anderem in politischen Organisationen wie der Afrikanischen Union und akademischen Vereinigungen wie CODESRIA. Selbst hier werden aber auch die Diversität und Konflikte sowohl zwischen den als auch innerhalb der Staaten in Afrika sichtbar.
An der Universität Innsbruck wird Afrika derzeit aus den unterschiedlichsten fachlichen Perspektiven erforscht, darunter Friedens- und Konfliktforschung, Geschichte, Linguistik, Literaturwissenschaft, Soziologie oder Wirtschaft. Die Zugänge reichen von Alter Geschichte und sprachwissenschaftlichen Forschungen über die Geschichte des Kolonialismus und postkoloniale Entwicklungen über Fragen der Entwicklungszusammenarbeit und Migration bis hin zu moderner afrikanischer Literatur und Musik sowie Narrativen über und aus Afrika. Bei der Untersuchung dieser Fragen findet oft auch eine Einbettung in einen globalen Kontext statt, und es werden transnationale Verflechtungen – auch solche mit Tirol – in unterschiedlichen historischen und aktuellen Konstellationen betrachtet.
Ebenso werden Aktivitäten in Forschung, Lehre und Third Mission in Zusammenarbeit mit afrikanischen Kolleg:innen durchgeführt. Partnerschaften bestehen mit den soziologischen Fachbereichen der University of Lagos, Nigeria, und der Debre Markos University, Äthiopien, sowie dem Center for Security, Peace and Conflict Resolution (CSPACR) der Nelson Mandela University in Südafrika.
Der regionale Schwerpunkt auf Afrika innerhalb des Network of Areas bietet eine Plattform für afrikabezogene Forschung, Lehre und Aktivitäten im Bereich Third Mission, um sie sichtbar zu machen und durch interdisziplinären Austausch tiefere Erkenntnisse und neue Perspektiven zu entwickeln.
Kontaktpersonen für die Region
Andreas EXENBERGER, Assoz.-Prof. Dr. (Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte): andreas.exenberger@uibk.ac.at
Bettina MAHLERT, Ass.-Prof. Dr. (Institut für Soziologie): bettina.mahlert@uibk.ac.at
Personen
Institut für Soziologie
willi.bauer@uibk.ac.at
Willi Bauer arbeitet als PostDoc im Forschungsschwerpunkt "Social and ecological Transformations" am Institut für Soziologie. Seine Forschungsschwerpunkte liegen an der Schnittstelle von Risiko-, Stadt- und Umweltsoziologie, mit besonderem Fokus auf Malawi.
Institut für Zeitgeschichte
eric.burton@uibk.ac.at
Eric Burton ist Globalhistoriker am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck. Seine thematischen Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Dekolonisierung, Sozialismen und Entwicklung mit besonderem Fokus auf Tansania. Laufendes Projekt zu anti/kolonialen Dimensionen der Tiroler Zeitgeschichte.
Institut für Zeitgeschichte
clara.torrao-busin@uibk.ac.at
Clara Torrão Busin ist Postdoctoral Researcher am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck und arbeitet im Projekt "Provincializing Coloniality: A Global History of Twentieth-Century Tyrol". In ihrer Dissertation untersuchte sie die historische Entstehung der Grenze zwischen Mosambik und Tansania sowie die Wechselwirkungen zwischen kolonialer Herrschaft, lokaler Agency und grenzüberschreitender Mobilität.
Institut für Romanistik
giovanni.chiriaco@uibk.ac.at
Gianpaolo Chiriaco ist Post-Doc-Researcher am Institut für Romanistik der Universität Innsbruck und unterrichtet "Geschichte des Jazz und der Popular Musik" am Institut für Musikwissenschaft. Seine Arbeit konzentriert sich auf Musik und Rassismus, und auf das Sonic Memory des italienischen Kolonialismus. Mehrere Projektleitungen: "Ethiopian-Italian Relationships in Popular Music", "Ethiopian Jazz as an Encounter of Cultures" sowie "Research as Vocality: Tracing the African Presence in Naples and SONIETHIO".
Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte
andreas.exenberger@uibk.ac.at
Andreas Exenberger ist Wirtschafts- und Sozialhistoriker am Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte der Universität Innsbruck. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Globalisierung, Entwicklung und globale Verteilung.
Institut für Soziologie
bettina.mahlert@uibk.ac.at
Bettina Mahlert ist Assistenzprofessorin für Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie. Sie forscht zu Landrechten und (globaler) Entwicklungspolitik und ist in einer Partnerschaft mit Soziologie:innen der Universitäten Debre Markos (Äthiopien), Innsbruck (Österreich) und Lagos (Nigeria) aktiv.
Institut für Romanistik
birgit.mertz-baumgartner@uibk.ac.at
Birgit Mertz-Baumgartner ist Universitätsprofessorin für französische und spanische Literatur- und Kulturwissenschaften an der Universität Innsbruck. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen u.a. in den maghrebinischen Literaturen des 20. und 21. Jahrhunderts (insbesondere Algerien und Marokko), postkolonialen Theorien und Literaturen sowie Migrationsliteraturen.
Institut für Anglistik
ulrich.pallua@uibk.ac.at
Ulrich Pallua ist Senior Scientist am Institut für Anglistik der Universität Innsbruck. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen postkoloniale Identitäten in zeitgenössischer afrikanischer Literatur, die Realität imperialer Ideologie, Ethnozentrismus und Rhetorik der Minderwertigkeit afrikanischer Sklaven in der Literatur, Lyrik und Dramatik des 18. Jahrhunderts.
Projekte
Provincializing coloniality. A global history of 20th-century Tyrol (FWF Astra)
Current research has shown that Austria – contrary to widespread belief – does indeed have a colonial past. This argument has, however, relied mostly on the study of sources, actors, debates and processes in Vienna. Linking regional and global history, this project provincializes research on coloniality by focusing on practices in smaller cities, towns and rural areas in a particular region, namely Tyrol. The project will also investigate entanglements with Africa, including Tyrolian imaginations of African/s (e.g. in carnival traditions) as well as solidarity work during the age of decolonization and anti-apartheid initiatives in the region.
Kontakt: eric.burton@uibk.ac.at
SONIETHIO. Sonic Ethnographies, Italian Colonialism, and Dignity Restitutions (Horizon Europe)
Das Projekt untersucht Musik und Liedern als Gestaltung und Dokumentation kultureller Begegnungen im Kontext des Zweiten Italienisch-Äthiopischen Krieges, der hier als fünfjähriger Zeitraum – von der Invasion Äthiopiens bis zur militärischen Besetzung (1936–1941) – verstanden wird. Tonarchive und ethnografische Aufzeichnungen aus dieser Zeit dienten als Grundlage für eine partizipative Forschung zur Rolle dieser Kulturproduktionen in der Entwicklung von Aufführungen, persönlichen und kollektiven Ausdrucksformen sowie sozialen Veränderungen.
Das Projekt verfolgte zudem das Ziel, die Tonsammlungen zu analysieren, um: 1) den historischen und kulturellen Hintergrund ihrer Entstehung zu rekonstruieren; 2) das Material mit späteren Entwicklungen im Bereich der Kulturproduktion zu vergleichen; 3) ein Projekt zur Restitution der Sammlungen zu entwickeln, das auf dem Konzept der Dignity Restitution basiert und die Sammlungen für die lokalen Gemeinschaften relevant macht.
Kontakt: giovanni.chiriaco@uibk.ac.at
Land tenure and institutions in Africa (NoA)
The issue of land tenure is a critical and multifaceted challenge in Africa, with profound implications for social equity, economic development, and political stability. Land tenure systems determine who has access to land, under what conditions, and with what rights, while they are also deeply embedded in historical, institutional, and social contexts, and vary significantly across and within countries. The project addresses the issue of land tenure in Africa by different analytical lenses to develop an integrated comparative approach. Ethiopia will be taken as an in-depth case study in order to ensure that our analysis speaks to the realities on the ground. The project will be carried through by researchers from Debre Markos, Ethiopia, the Management Center Innsbruck, and the University of Innsbruck.
Kontakt: andreas.exenberger@uibk.ac.at und bettina.mahlert@uibk.ac.at
RESET: Analyzing the impacts of the Humanitarian Reset on disaster risk governance in Malawi (NoA)
Recent aid cuts have shaken, if not uprooted, disaster governance systems across Africa. In Malawi, the sudden cuts have drastically affected public budgets during an unprecedented ‘cycle of disasters’, marked by almost annual state of disaster-declarations since 2015. Yet little is known about the non-monetary impacts of the aid cuts, the adaptations they force – and those they might make possible.
This project addresses these gaps. It elucidates how the sudden withdrawal of support affects trust relationships, vital for quick and effective disaster support. It also seeks to provide initial insights into the question if the retreat of foreign actors also provides opportunities to localise disaster management, and thus to better align it with local priorities rather than donor agendas.
The project will be carried out by researchers from Mzuzu University, Malawi, Leiden University, the Netherlands, and the University of Innsbruck.
Kontakt: willi.bauer@uibk.ac.at




