Claudianasaal

Internationale mehrsprachige Tagung

"Entwicklung von Mehrsprachigkeit und Förderung reflexiven Denkens
und inter- und transkulturellen Lernens im Sprachunterricht"

Das Programm folgt demnächst.

Die Integration des ukrainischen Bildungssystems in den europäischen Bildungsraum sowie die Intensivierung des akademischen Austauschs rücken Fragen inter- und transkultureller Kommunikation und des Zusammenlebens in plurikulturellen und plurilingualen Gesellschaften ins Zentrum. Diese Entwicklungen machen eine Weiterentwicklung bildungspolitischer Zielsetzungen und Prozesse des Fremdsprachenlehrens und -lernens erforderlich und verlangen nach innovativen Ansätzen, die sprachliche und kulturelle Vielfalt adressieren und konstruktiv einbinden. 

In den letzten Jahren wurde Ukrainisch zunehmend in die Fremdsprachenportfolios europäischer Schulen, Hochschulen und Sprachzentren aufgenommen (Kiss et al. 2025). Dies bringt neue didaktische Aufgaben für Unterrichtspraxis, Sprachlehr- und -lernforschung sowie Lehrer*innenbildung mit sich, eröffnet zugleich aber Potenzial für die Weiterentwicklung fachdidaktischer Diskurse über sprachübergreifende Aspekte. 

In einer modernen plurikulturellen Welt reicht kommunikative Kompetenz über das reine Übermitteln von Informationen hinaus: Sie umfasst die Fähigkeit, Standpunkte klar zu formulieren, andere von deren Relevanz zu überzeugen, unterschiedliche Perspektiven zu bewerten, Argumente zu verteidigen, Situationen zu analysieren und sowohl standardisierte als auch kreative Entscheidungen zu treffen. Diese Fähigkeiten sind eng mit dem Konstrukt des kritischen bzw. reflexiven Denkens verbunden (Brendel 2018; Pfister 2020), das im Zeitalter von Superdiversität, Künstlicher Intelligenz und Informationskriegen zu einem Kernbestandteil kommunikativer Kompetenz geworden ist (Synekop et al. 2023). 

Reflexives Denken wird als metakognitiver Prozess verstanden, der durch gezielte und selbstregulierende Reflexion die Wahrscheinlichkeit erhöht, logische Problemlösungen oder fundierte Schlussfolgerungen zu generieren (Dwyer & Walsh 2019; Quinn et al. 2020). Es gilt heute als zentrales Lernziel in der Sprach- und Kulturvermittlung (Bezanilla et al. 2019), da es eine vertiefte Informationsverarbeitung fördert (Halpern 2014; Zadorozhna 2018), das Urteilsvermögen und die Entscheidungsfähigkeit stärkt und Abhängigkeiten von kognitiven Verzerrungen und heuristischem Denken reduziert (McGuinness 2013). 

Die positiven Effekte reflexiven Denkens reichen über institutionelle Bildungssettings hinaus und wirken sich auch auf alltägliche Entscheidungssituationen aus. Dies ist besonders relevant, weil reflexives Denken in vielfältigen interpersonellen, interkulturellen und transkulturellen Kontexten gefordert ist, in denen täglich Entscheidungen getroffen und Probleme gelöst werden müssen (Korol 2023). Die Förderung reflexiven Denkens wird somit zu einem zentralen Ziel zeitgemäßen Sprachunterrichts. Es erscheint offensichtlich, dass die Fähigkeit, Fakten von Meinungen oder Überzeugungen zu unterscheiden, grundlegend für den Umgang mit kultureller Vielfalt und divergierenden Weltanschauungen ist. 

In diesem Zusammenhang wird die Förderung reflexiven Denkens bei heutigen Lernenden als ein Beitrag zur Vorbereitung auf eine mehrsprachige und plurikulturelle Welt verstanden, die von massiven, häufig durch Propaganda geprägten Informationsströmen gekennzeichnet ist. Lernende sollen befähigt werden, Informationen zu analysieren, zu bewerten, zu reflektieren, eine eigene Haltung zu entwickeln und fundierte Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig wird von (Fremd- und Zweitsprachen-)Lehrpersonen erwartet, über reflexive Denkfähigkeiten zu verfügen, die es ihnen ermöglichen, auf die sprachliche und kulturelle Diversität ihrer Lernenden pädagogisch einzugehen und fachspezifische Reflexionskompetenz zu entwickeln (z. B. Bechtel & Rudolph 2022; Schädlich 2019; Skintey 2023; Stadler & Buchwald 2022; Red'ko et al. 2023).

Ziel dieser Konferenz ist es, einen Raum für Austausch und Diskussion zu schaffen über

  • Theoretische Perspektiven und innovative Ansätze zu reflexivem Denken und/oder inter- und transkulturellem Lernen in Bildungspsychologie, Kulturwissenschaften, Sprachdidaktik u.a.
  • Empirische Forschungsarbeiten, die reflexives Denken und/oder inter- und transkulturelles Lernen in multilingualen Kontexten untersuchen.
  • Best-Practice-Beispiele (z. B. Unterrichtseinheiten, außerunterrichtliche Aktivitäten, Projekte, Seminare, Vorlesungen), die reflexives Denken im Sprachunterricht auf verschiedenen Bildungsebenen (Sekundarstufe, Hochschule) oder in realen Kontexten fördern.

Die Tagung bietet eine internationale Plattform für Wissenschaftler*innen, Forscher*innen und Praktiker*innen, um innovative Erkenntnisse und Erfahrungen persönlich auszutauschen. Zudem soll sie zur Entwicklung nachhaltiger Forschungskooperationen beitragen und das Wissen in diesen zentralen Bereichen weiter voranbringen.

Wir laden Sie herzlich ein, ein Abstract (max. 300 Wörter; gewünschtes Präsentationsformat angeben) bis 1. November 2025 an multilingualism_conference@uibk.ac.at einzureichen. Eine
Benachrichtigung über die Annahme erhalten Sie am 15. November 2025.

Formate

  • Einzelvorträge: 20 Minuten (15 Minuten Präsentation + 5 Minuten Diskussion) in Parallel-Sessions
  • Poster: Ausstellung an beiden Konferenztagen mit eigener Postersession im Hauptprogramm.

Sprachen: Die Arbeitssprachen sind Englisch, Deutsch und Ukrainisch. Bei Vorträgen auf Deutsch oder Ukrainisch bitten wir darum, Folien oder Poster auf Englisch vorzubereiten.

Praktische Hinweise: Für Vortragende, die aus der Ukraine anreisen, besteht die Möglichkeit, die Nächtigungskosten für den Zeitraum 25.–28. Februar 2026 erstattet zu bekommen. 

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge und darauf, Sie im Februar 2026 in Innsbruck begrüßen zu dürfen!

Запрошення до участи

26. & 27. Februar 2026 | Universität Innsbruck

Palais Claudiana
Herzog-Friedrich-Straße 3, 6020 Innsbruck

Registrierung: Keine Teilnahmegebühr

Das Organisationsteam

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