Einladung zur Tagung

Das Architekturbüro Brüder Ludwig (München-Bozen-Wien)
Bauten und Projekte zwischen Wagner-Schule, Eklektizismus und „modernisiertem“ Barock
Stand der Forschungen und Diskussion
Gast: Univ.-Prof.em. Ákos Moravánszky
28. Mai 2026, Inst. f. Architekturtheorie u. Baugeschichte (1. OG) 9.30–15 Uhr
Seit 2024 betreut die Universität Innsbruck gemeinsam mit dem Touriseum – Südtiroler Landesmuseum für Tourismus das Forschungsprojekt „Das Architekturbüro Brüder Ludwig“, dessen Zwischenergebnisse wiederholt auf Fachtagungen vorgestellt werden.
Im Zentrum der Untersuchungen steht die Bautätigkeit der Brüder Alois (1872–1969) und Gustav Ludwig (1876–1952). Aus Brünn (Brno, CZ) stammend, eröffneten sie nach ihrer Ausbildung bei Otto Wagner in Wien bzw. in den USA ihre eigenen Architektur- und Baubüros.
Die ersten Bauten der Architekten-Brüder entstanden im Jugendstil (Köln, Düsseldorf). Nach ihrer Übersiedlung nach Bayern und Südtirol wandten sie sich einer neuen Architektursprache zu, die noch mehr an den Repräsentationsbedürfnissen ihrer großbürgerlichen Auftraggeber ausgerichtet war. Die Gestaltungsweise repräsentiert eine „andere Moderne“ bzw. einen „versachlichten Historismus“ (F. Achleitner).
Die Frage nach der „Auftraggeber-Architektur“ impliziert, dass die Projekte der Brüder Ludwig holistisch zusammen mit ihren Bauherren und deren Lebensentwürfen zu betrachten sind – dies nicht zuletzt, weil sich unter ihren Klienten auch so bekannte Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Thomas Mann, der Komponist Richard Strauss und so wirtschaftsmächtige Unternehmer wie Friedrich Wannieck („Prager Eisenindustrie“) finden.
Viele Projekte der Brüder Ludwig stehen heute unter Denkmalschutz.
Programm
Bettina Schlorhaufer
Alois Ludwig: der Otto-Wagner-Schüler und das Majolikahaus
Friederike Gösweiner
„Historisch-modern“: Der kulturphilosophische Kontext der Architektur in Wien um 1900 als Voraussetzung zum Verständnis der Bauten der Brüder Ludwig in München, Bozen und Meran
Marco Russo
Friedrich Wannieck zwischen Reformbewegung, Deutschtum und Theosophie
Evelyn Pechinger-Theuerkauf
Das Büro der Brüder Ludwig in München: Architektur im Kontext großbürgerlicher Auftraggeber und Käufer
Martin Rössler
Gustav Ludwig und der Wohnungsbau – von der Villa zum Apartmenthaus
Gast
Ákos Moravánszky ist Architekt, Architekturhistoriker und -theoretiker. Studium an der TU Budapest, ab 1974 Architekt in Budapest, 1981 Doktorat an der TU Wien. Von 1983 bis 1986 Chefredakteur der Architekturzeitschrift „Magyar Épitőművészet“, von 1986 bis 1989 Gastforscher am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, anschließend Research Associate am Getty Center in Santa Monica. Von 1991 bis 1996 Visiting Professor am M.I.T., von 1996 bis 2016 Titularprofessor für Architekturtheorie an der ETH Zürich. Ehrendoktor der TU Budapest und seit 2017 Gastprofessor der Universidad de Navarra in Pamplona.
Aktuell ist er Gastprofessor für Architekturgeschichte an der Universität Innsbruck.
Nicht nur in seinem Hauptwerk “Competing visions: aesthetic invention and social imagination in Central European architecture, 1867–1918” (Cambridge/Mass.-London 1998) behandelt er Themen, die auch für das Forschungsprojekt über die Brüder Ludwig wesentlich sind.
Referent:innen
Friederike Gösweiner, Schriftstellerin, promovierte Literaturwissenschaftlerin und Politologin. Als Literaturwissenschaftlerin hat sie sich vor allem mit der deutschsprachigen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts beschäftigt, u. a. mit der Wiener Moderne um 1900 und deren kulturphilosophischen Voraussetzungen.
Evelyn Pechinger-Theuerkauf ist Kunsthistorikerin mit Fokus auf der Architekturtheorie des frühen 20. Jahrhunderts. Sie forscht derzeit zu den Brüdern Ludwig in München und bezieht als Germanistin auch literarisch-kulturelle Zeugnisse mit ein. Überdies ist sie öffentlich bestellte Kreisheimatpflegerin im Landkreis Rosenheim.
Martin Rössler ist Architekt und Denkmalpfleger. Er arbeitet er in der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt München im Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Sein Aufgabenschwerpunkt ist der Olympiapark und dessen Nominierung zum UNESCO-Welterbe. Seine Masterthesis widmete er Johannes Ludwig. Aktuell befasst er sich mit dem Werk von Gustav Ludwig.
Marco Russo, Philosoph und Lehrbeauftragter am Institut für Architekturtheorie und Baugeschichte. Er interessiert sich u. a. für ideengeschichtliche Entwicklungen in den Bereichen Kultur, Politik und Religion sowie deren Inszenierung und Ästhetisierung in Architektur und Kunst.
Bettina Schlorhaufer, Kunsthistorikerin und Historikerin. Seit 2023 leitet sie das Institut für Architekturtheorie und Baugeschichte der Universität Innsbruck. In ihrer Forschung befasst sie sich hauptsächlich der Aufarbeitung von Architekten-Nachlässen, insbesondere solchen aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie leitet das Forschungsprojekt über die Brüder Ludwig.