Master WS26
EP Entwurfsstudio 2
Andreas Rumpfhuber (Gruppe 0)
#Housing Labour
Des Entwurfsstudio dreht sich um die Frage wie sich der Wohnbau in der „Gesellschaftlichen Fabrik“ (Mario Tronti) mit Mitteln der Architektur denken lässt. In anderen Worten untersuchen wir, wie sich das Wohnen im Lichte kontinuierlicher Automatisierung aller Arbeitsprozesse und dem damit einhergehenden Verfall der Lohnarbeitsgesellschaft (mit ihrer zwischenzeitlichen Stabilisierung durch sichere Arbeitsplätze und dem Konzept einer stabilen (heteronormativen) Kernfamilie) verändert und welche räumlichen Lösungen die Architektur dazu beitragen kann.
EP Entwurfsstudio 2
Thomas Feuerstein (Gruppe 1)
METABOLISCHE ARCHITEKTUREN
Stoffwechselprozesse bedingen unser Leben von der kleinsten Zelle unseres Körpers über Kohlen- und Stickstoffkreisläufe in der Natur bis zu Ökonomie, Konsum, Industrie, Mobilität und Digitalität. Bauen und Wohnen hat materiell und energetisch den größten Anteil am globalen Stoffwechsel. In Bezug auf Ressourcen, Klima, soziale Gerechtigkeit und Biodiversität ist Architektur im 21. Jahrhundert zur universellen Existenzfrage geworden. Im Sinne von metabolē (griech. Wandel, Veränderung) stellt der planetare Metabolismus die zentrale Herausforderung für eine architektonische Wende dar: Wie können sich Gebäude und Städte in einen Holobionten aus Technosphäre, metabolischen Kreisläufen, menschlichen und nichtmenschlichen Lebensgemeinschaften wandeln? Wie könnte metabolische Architektur technisch, sozial und ökologisch agieren, und welche ästhetischen Möglichkeiten eröffnen sich daraus?
Die Lehrveranstaltung untersucht auf faktischer und fiktionaler Ebene Szenarien architektonischer Biotope. Ziel ist die Recherche, theoretische Reflexion sowie Gestaltung metabolisch vernetzter Lebensgemeinschaften, die narrativ verwoben in Buchform publiziert werden.
SE Theoretische Diskurse
Peter Volgger
SHELTER IN COLLAPSE
Sechzig Jahre nach Reyner Banham’s Vorstellung der Environmental Bubble wird das Konzept zum analytischen Prisma für die aktuelle Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch, Umwelt und Technik. Das Seminar untersucht Banhams utopische Vision eines technologisch erzeugten Mikroklimas – einer tragbaren, immateriellen Architektur – im Spannungsfeld globaler ökologischer Krisen, digitaler Vernetzung und posthumaner Lebensmodelle. Im Mittelpunkt stehen Fragen danach, wie Architektur jenseits physischer Form gedacht werden kann, welche politischen und energetischen Kosten Komfortzonen erzeugen und inwieweit sich Banhams radikale Verlagerung des Architektonischen auf Infrastruktur, Regelkreise und Atmosphären heute neu interpretieren lässt (Spekulatives Design, New Materialism, Post-Ökologie). Die Environmental Bubble dient dabei zugleich als Denkfigur, Kritikwerkzeug und spekulatives Szenario, um die Verschiebungen zwischen Autonomie und Abhängigkeit, Kontrolle und Verletzbarkeit sowie Körper, Umwelt und technischem Medienverbund sichtbar zu machen.
Das Ziel ist der gemeinsame Entwurf einer Environment Bubble für die Gegenwart, der umgesetzt werden soll für eine Ausstellung im Herbst 2026.
SE Kuratorische Praktiken
Helga Schania
Sonderthema Mode.
FASHIONSHOW
ArchitektInnen werden als integraler Bestandteil einer Fashionshow zunehmend sichtbarer. Die Fashionshow selbst als kuratorische Praxis zu begreifen und mit ihr zu arbeiten, wird von immer neuen Möglichkeiten vorangetrieben, den realen mit dem digitalen Raum zu verweben und ein räumlich wie inhaltliches Narrativ zu entwickeln.
Während Modeschauen an ihren Anfängen gegen Ende des 19.Jh. private Veranstaltungen für betuchte Kundinnen waren, sind sie heute komplexe Events, in denen die Grenze zwischen Bühne und Publikum verschwimmt, sich auflöst oder bewußt vertauscht wird. Der Anlaß wird genützt wird, um eine hochinszenierte Live-Werbung zu produzieren und zu streamen.
Sie bringt einer Marke clicks, followers, recognition und (vielleicht sogar) neue KundInnen..
Aus architektonischer Sicht läßt sich die Fashionshow als temporäres Gebäude ebenso begreifen, wie als live Event und als Raum-Zeit Abbild im digitalen Raum.
Ziel des Seminars ist das Designen einer Fashionshow für eine kommende Saison. Für einen konkreten Ort und einen konkreten DesignerIn. Die Entwicklung eines eigenständigen kuratorischen Konzepts und ein 10-15 seitiges theoretisches Papers zu einem der begleitenden Themen. Diese befassen sich etwa mit: das zeitgemäße Medium, Geschwindigkeit, Verdichtung, Illusion, Licht und Zeit, Mensch-Körper-Space sowie Betrachtungsweisen von Raum, Stadt, Topographie und soziale Bedeutung anhand ausgewählter Texte diskutiert. Neben dem wöchentlich stattfindenden Seminar ist auch ein Besuch in Wien geplant.
Ich lade all jene StudentInnen zu diesem Seminar ein, die sich für Zeitgeist und Style interessieren und die Mode als eine für Architektur relevante Sprache begreifen.
EX Exkursion
Peter Volgger
Sizilien
Die Exkursion führt entlang der Küste Siziliens, ausgehend von Palermo. Zwischen normannischen Palästen und arabisch beeinflussten Kuppelbauten eröffnet sich ein erstes Verständnis für Sizilien als kulturellen Kreuzungspunkt Europas und Nordafrikas. Von dort aus folgt die Route der Nordküste entlang über Cefalú, Fahrt über die Nordflanke des Ätna, Besuch einer Lava-Landschaft. Die Route führt weiter der Ostküste entlang, von Taormina (griech.-röm. Theater) nach Catania (Barock, Fischmarkt), Syrakus (Neapolis, Ortigia). Von Noto (Barock) führt die Exkursion über Agrigent (griech. Tempelanlage) zurück nach Palermo.
Parallel zur Auseinandersetzung mit diesen historisch gewachsenen Identitäten nimmt die Exkursion bewusst die gegenwärtigen Herausforderungen und Spannungsfelder in den Blick. Zwischen ambitionierten Architekturen und den sogenannten maifiniti – nie vollendeten oder gescheiterten Projekten – begegnen die Teilnehmer*innen einem anderen, weniger idealisierten Sizilien: einem Raum, in dem politische Umbrüche, wirtschaftliche Engpässe und gesellschaftliche Dynamiken sichtbare Spuren hinterlassen.
Gerade diese Vielschichtigkeit macht Sizilien zu einem zentralen Erfahrungsraum im heutigen Europa. Die Insel steht nicht nur geographisch, sondern auch kulturell und geopolitisch an einer Schwelle: als Schwimmbrücke zwischen Kontinenten, als erster Ankunftsort von Migration über das Mittelmeer, als Labor regionaler Identität und europäischer Solidarität.
Zeitraum: 2. Aprilwoche