Musikarchäologie

Schellen

Verzeichnis von Schellen aus Buntmetall, Zinn und Eisen aus archäologischen Untersuchungen sowie Lesefunde aus dem Raum Tirol (Nord-, Ost- und Südtirol) sowie Salzburg und Bayern (Sammlung bis 2024).

Definition

Langläufig wird eine Viehglocke meist als Schelle bezeichnet. In dieser Arbeit wird der Unterschied zwischen Schelle und Glocke nur durch die Klangerzeugung definiert. Eine Schelle ist ein nahezu geschlossener Hohlkörper, der mit Rasselgut wie kleinen Steinen oder Metallkugeln etc. gefüllt ist und durch Schütteln Klang erzeugt. Dadurch definiert sich "Schelle" als Rassel.
Die Verwendung ist bei weitem nicht auf Viehgeläut beschränkt.

1. Schellen, gegossen

Schemazeichnung einzeilige Schelle

Zuerst wird der Klangkörper (Kugel, Eisenstab etc.) in eine Lehmkugel eingerollt. Diese wird mit Wachs in Schellengröße ummantelt. Anschließend wird die Wachskugel in eine mit Scharnier verbundene Gußform mit Binnendekor eingelegt. Durch den Gußkanal, der sich an der fertigen Schelle unten befindet, wird das flüssig erhitzte Buntmetall eingegossen, wodurch sich  mittig ein Wulst bildet.

Nach dem Abkühlen werden die zu Sand zerfallenen Reste der Lehmkugel über die oben angebrachten Löcher und den Klangschlitz entfernt. Der mittige Wulst wird zumeist überschliffen (angefeilt), der Dekor kann fein nachgearbeitet (eingetiefte Linie) sein

Typ C

Die Dekorformen der Schellen sind vielfältig und können nicht zur Datierung herangezogen werden. Der Dekor weist oft nur ein Formelement auf (meist Palmetten), kann aber sehr unterschiedlich und fantasievoll kombiniert sein.

Zumeist sind beide Kalottenhälften dekoriert, wobei sich bis auf eine Ausnahme der grossflächigere Palmettendekor oben befindet (aufgrund der Sichtigkeit) und - wenn nicht spiegelgleich gearbeitet - kleinere Dekorformen und Marken an der unteren Kalotte angebracht sind.

Positionierung

1 an oberer und unterer Kalotte

Dekor Typ C_Position 1

2 an oberer Kalotte

Dekor Typ C_Position 2

3 an unterer Kalotte

Dekor Typ C_Position 3
Formen

A: Hohe Bogenform (Palmetten)

zur Mitte hin gerichtet; kann vertieft oder als Auflage gearbeitet sein

A1: ohne Binnenzeichnung
A2: ohne Binnenzeichnung, in Doppellinie
A3: Binnendekor vertikal (Mittellinie), in Doppellinie
A4: mit Binnendekor vertikal (Mittellinie)

B: Niedrige Bogenform (Schuppen)

B1: Schuppenfläche (= linear von der Mitte ausgehend mit den Schuppen nach oben oder unten orientiert, dachziegelartig gestaffelt)
B2: vertikale Schuppenstaffelung (als Palmettenbinnenzeichnung oder freistehend)
B3: horizontales Bogen- oder Wellenband

C: lineare Strukturen

C1: vertikale Strukturen
C1a: einfache Linie
C1b: Doppellinie ("Band")
C1c: V-förmiges Band (meist vertikal übereinander mit Spitze nach unten gestaffelt, "Tannenreisdekor")
C1d: tordiertes Band
C2: horizontale Bänder
C2a: Band mit Schräglinien
C3: Rautengitter 

D: Motive

D1: figurativ (Doppeladler)
D2: floral

E: Punkte

E1: im Dreieck

Typ D

An diesem Typ ist der Dekor weit schlichter und beschränkt sich auf 2 waagrechte, parallel laufende eingravierte Linien im hier flachen Zentralbereich.

Typ H

C: lineare Strukturen

C1: zur Mitte hin orientiertes Fischgrätmuster

Typ K

K: lineare Strukturen

mittig geteiltes Band, horizontal auf beiden Kalotten

Typ L

C: lineare Strukturen

C1b: 2 waagrechte zentrale Doppellinien

2. Schellen, getrieben

Kartierung der Fundstellen (Einzelfunde bis 2024)
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