Portrait von Maximilian Thaler

Maximilian Thaler

... hatte immer große Freude am wissen­schaft­li­chen Arbei­ten.

Was hat Sie damals an die Universität Innsbruck gezogen? Meine ursprüngliche Absicht war, Lehrer für Mathematik und Physik an einer höheren Schule zu werden. Für mich als Südtiroler stand Innsbruck als Studienort schon aufgrund der Nähe im Fokus. Ausschlaggebend für meine Entscheidung war jedoch, dass mein Onkel Matthias stets sehr wertschätzend und begeisternd über sein Studium der Mathematik und Physik in Innsbruck erzählt hat.  

Denke ich an Innsbruck, denke ich sofort an... das kleine Zimmer im Studentenheim, die Magie der ersten Vorlesungen, das freundliche Klima an den Instituten meiner Fachgebiete, die einladenden Gastlokale, die mitternächtlichen Filmvorführungen, die Fahrten nach Hause ins Ultental zu den geselligen Proben und Auftritten unserer Musikkapelle, und an vieles mehr.

Was war für Sie ein unvergessliches Erlebnis Ihrer Studienzeit? Echte Sternstunden waren manche Momente des Durchdringens komplexer fachlicher Sachverhalte nach langer und intensiver Gedankenarbeit. Unvergessen sind auch die ehrenvolle Promotion sub auspiciis und die hohe Aufmerksamkeit, die mir in Südtirol dafür zuteil wurde.

Gab es Momente oder Personen in Ihrem Studium, die Sie besonders geprägt haben? Mehrere meiner Universitätslehrer und -kollegen haben mich stark geprägt, allen voran mein Doktorvater Gilbert Helmberg. Die Möglichkeit, einige Semester hindurch als halbtägige wissenschaftliche Hilfskraft an seinem Institut an der Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur zu arbeiten, betrachte ich heute als großes Privileg.   

Aus meinem Studium habe ich noch... einige Ausgaben der UNIpress, die meisten Vorlesungsmitschriften, die wie einen Schatz gehüteten Protokolle zum physikalischen Praktikum für Nebenfächler, die Notizen zu den abgehaltenen Übungen für Bauingenieure, die handgeschriebene Version meiner Dissertation, gern verwendete Lehrbücher sowie die „Lectures on Ergodic Theory“ von Paul Halmos, deren Lektüre die Wahl meines späteren Forschungsgebietes besiegelt hat. 

Waren Sie im Ausland? War das für Sie aus heutiger Sicht wichtig? Ein Auslandssemester im üblichen Sinn habe ich während des Studiums nicht absolviert.

Wie hat sich Ihr Weg vom Studium bis heute entwickelt? Noch vor Abschluss des Studiums habe ich mich erfolgreich um eine Assistentenstelle am Mathematischen Institut der Universität Salzburg beworben, wo ich dann mein gesamtes Berufsleben verbrachte - unterbrochen durch einen sehr anregenden halbjährigen Forschungsaufenthalt an der University of Warwick in England. Nach meiner Habilitation (1984) gelang es, zusammen mit meinem Freund Ferdinand Österreicher einen Studienschwerpunkt „Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie“, kurz „Stochastik“, einzurichten, der ideale Möglichkeiten zur Umsetzung unserer Unterrichtskonzepte bot. - Mein Forschungsgebiet ist die Ergodentheorie, welche die stochastische Analyse von sehr komplexen und schwer prognostizierbaren deterministischen Bewegungen zum Gegenstand hat, wie man sie beispielsweise in der Himmelsmechanik und in der Meteorologie vorfindet, aber auch im Kontext von Algorithmen. Entscheidende Impulse für meine Forschung verdanke ich neben meinem Doktorvater und seinem Assistenten Bernhard Roider den Fachkollegen Fritz Schweiger (Salzburg), William Parry (Warwick), Jon Aaronson (Tel Aviv) und Roland Zweimüller (Wien). Den Abschluss meiner administrativen Tätigkeiten bildete die Leitung unseres Fachbereichs gegen Ende meiner aktiven Dienstzeit. Seit Oktober 2015 bin ich im Ruhestand.

Haben Sie nach dem Studium eine andere berufliche Richtung eingeschlagen? Würden Sie sich aus heutiger Sicht für ein anderes Studium entscheiden? Ich würde dieselbe Studienwahl treffen und dieselbe Berufstätigkeit anstreben.

Welche im Studium erworbene Qualifikation hilft Ihnen im heutigen Beruf am meisten? Für meine berufliche Laufbahn stand klarerweise die Befähigung zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten an erster Stelle, gefolgt von der didaktisch-methodischen Prägung durch herausragende Lehrveranstaltungen.     

Was war bis jetzt Ihr schönstes Erlebnis in Ihrer beruflichen Laufbahn? Zu meinen schönsten Erlebnissen in Forschung, Lehre und Administration zählen:  die Nachricht, dass der als Habilitationsschrift geplante Artikel von meiner Wunschzeitschrift zur Publikation angenommen worden war; die Verleihung des „Preises für hervorragende Lehre 2009/10“ durch die Universität Salzburg; die Zusage unseres Rektorats an mich als Fachbereichsleiter, dass die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt würden, um unserem Fachbereich einen Neustart zu ermöglichen.   

Was möchten Sie gerne noch erreichen – beruflich oder privat? Ich hoffe, die Erkundung des Salzburger Landes anhand der Wandertipps in den Salzburger Nachrichten noch lange fortsetzen zu können und dass mir die Freude an wissenschaftlicher Betätigung nicht abhandenkommt.

Was würden Sie heute anders machen? Den Rat meiner Gymnasiallehrer ernst nehmen, auf eigene Faust Englisch zu lernen. (Englisch war bei uns nicht Schulfach.)

Studierenden rate ich... stets aufgeschlossen und kritisch zu prüfen, was man von wem lernen kann. 

Was war zu Studienzeiten Ihr Lieblingsort in Innsbruck/an der Universität? In den Anfangsjahren der Lesesaal der Universitätsbibliothek.

Was verbindet Sie heute noch mit der Universität? Der Universität Innsbruck verdanke ich den Entschluss, eine akademische Laufbahn ins Auge zu fassen.  

Ich wollte immer schon einmal... einen Tag lang als Obuslenker in der Stadt Salzburg tätig sein.                              

Mein Buch- oder Film-Tipp… unter den zuletzt gelesenen Büchern fand ich „Menschen mit Mission - Eine Landkarte der evangelikalen Welt“ von Thorsten Dietz besonders aufschlussreich.

 

Stand: April 2026

Nach oben scrollen