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LinguaMuttermadreSprache?

Buchpräsentation an der Uni Innsbruck.
„Lingua madre“ von Maddalena Fingerle
22. März 2022


Maddalena Fingerle

 

Die Liebesgeschichte zwischen Paolo aus Bozen und der Mailänderin Mira? Eine Untersuchung über die konfliktbeladene Beziehung zur eigenen Mutter (und damit zu der eigenen Muttersprache)? Ein kritischer Blick auf die Kleinlichkeit einer Provinzstadt, in der drei Sprachen gesprochen werden? Ein junger Mann von heute auf der Suche nach Orientierung? Der Zusammenbruch einer kleinbürgerlichen Familie? Oder ein Roman über die Sprache, ihre Verwerfungen und Schönheiten, mit raffinierten Anspielungen und vielen sprachlichen Spielereien?

Der DebütromanLingua madre von Maddalena Fingerle lässt sich nicht so einfach schubladisieren, aber diese Vielfalt der Lesarten ist eine seiner Stärken. Am 22. März 2022 stellte die junge Autorin, die in Bozen aufwuchs und heute in München lebt, ihren Roman in einem von Carla Festi (Romanistik) moderierten Gespräch in Innsbruck vor. Die Veranstaltung fand im Rahmen der LV „Sprachen und Kulturen im Vergleich“ von Dr. Saverio Carpentieri und Francesco Cioglia, MA, online statt und war gut besucht. Auch Studierende und Lehrende des Instituts für Romanistik waren zugeschaltet. Die Autorin und Fabio Maion, MA, lasen einige Seiten aus der italienischen und deutschen Ausgabe des Romans vor.

Die Mitorganisatoren INNcontri und Italien-Zentrum wollten somit auf einen kleinen literarischen Fall im pandemiegeplagten Jahr 2020 aufmerksam machen. Im Alter von nur 27 Jahren erhielt die Südtiroler Autorin für diesen Erstlingsroman den renommierten Premio Calvino Giovani und in der Folge vier weitere Literaturpreise. Der Roman wurde im Verlag Italo Svevo veröffentlicht und im vergangenen Februar erschien im Folio Verlag die deutsche Übersetzung „Muttersprache“ von Maria Elisabeth Brunner.

Auf dem Cover fällt ein schöner Giftpilz auf, fast ein Symbol für die „Giftigkeit“ der Muttersprache als Leitmotiv des Romans. Paolo Prescher (ein Anagramm für „parole sporche“, dreckige Wörter) ist in Bozen in einer italienischen Familie aufgewachsen und nach seiner nicht gerade glücklichen Schulzeit nach Berlin ausgewandert. Er kann „seine“ Sprache nicht finden, weil andere sie ihm ständig „dreckig“ machen. Die Suche wird zur Obsession.

Maddalena Fingerles subtiler Schreibstil fängt die Entwicklung dieser Besessenheit schonungslos und mit klarer Sprache ein, wobei sie Ironie und Humor als Vergrößerungsglas für Paolos zerbrechliche Persönlichkeit einsetzt. Paolos Phobien verraten aber auch viel über unser Verhältnis zur Sprache, über die Art und Weise, wie wir sie benutzen oder missbrauchen. Und so können wir diesen Roman auch als ein Plädoyer für eine „saubere“ Sprache lesen, eine, die die Wahrheit sagt, nicht mystifiziert und nicht ausgrenzt.

Eine Präsentation der deutschsprachigen Ausgabe plant das „Literaturhaus am Inn“ im kommenden Herbst. In der Zwischenzeit sind „Lingua madre“ und „Muttersprache“ bei der Universitätsbuchhandlung Studia erhältlich.
Prädikat: lesenswert in beiden Sprachen!

Carla Festi (Kulturverein INNcontri, Institut für Romanistik)
Links:

Cover Lingua madre

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