Smarte Daten im Touris­mus sind wich­tiger denn je

Die ursprünglich in den USA gegründete „Travel and Tourism Research Association“ verbindet Tourismusforschung und -praxis und ist seit fast 50 Jahren die größte internationale Vereinigung von Tourismusforscherinnen und -forschern sowie von Vertreterinnen und Vertretern aus der Tourismuswirtschaft. Im Oktober fand an der Uni Innsbruck eine hybride Konferenz statt.
„Travel and Tourism Research Association“
Bild: Die Tagung der „Travel and Tourism Research Association“ fand an der Uni Innsbruck in einer hybriden Form statt. (Credit: Mike Peters)

„Tourismusorganisationen müssen smarte Daten nutzen, um taktische und sinnvolle Maßnahmen für die Sicherheit ihrer Gäste zu setzen“, meint Tourismus-Analyst Oliver Henry-Biabaud (TCI), der gemeinsam mit weiteren 100 Tourismusforschern an der TTRA (Travel and Tourism Research Association) Europe Konferenz 2020 an der Universität Innsbruck teilgenommen hat. Smarte Datenanalyse ist auch machbar für kleine Organisationen, benötigt aber die Bereitstellung von Personal. „Daten sind nur dann smart, wenn ich aus den sogenannten Big Data sinnvolle Informationen für mein Unternehmen oder meine Destination herausziehen kann. Aber ohne Ressourcen geht da nichts. So sind z.B. Sentiment-Analysen der Social-Media-Quellen derzeit sehr wichtig“, untermauert TTRA-Europe-Präsident Mike Peters. Daten müssen nicht wirklich „big“ sein, um einer Destination oder einem Betrieb schwer zu schaden. So können bspw. nur zehn negative Meldungen in sozialen Netzwerken die Reputation einer touristischen Attraktion ruinieren. „Deshalb brauchen wir heute mehr denn je einen Fokus auf Sicherheit – wenn jemand reisen möchte, sollte der Gast vor der Reise mithilfe von smarten Daten die gesamte Reisekette vorher anschauen können, um abzuschätzen, ob eine sichere Reise in Zeiten von COVID-19 möglich ist“, meint Top-Tourismusforscher Dimitrios Buhalis aus Bournemouth, UK. Negative Schlagzeilen rund um mangelnde Sicherheit sind Gift für den Tourismus. „Die Möglichkeiten über Smart-Data-Management ein effektives Gesundheits- und Sicherheitskonzept für Destinationen zu schaffen sind vielfältig“, so auch UNWTO-Sprecher Jonathan Gómez-Punzón. Leider stünden wir uns in Europa jedoch mit Verordnungen und Regelungen oftmals selbst im Weg. So untermauern die Diskutanten Patricio Hetfleisch (Tirol Werbung) und Reinhard Lanner (Österreich Werbung) die Bedeutung der Nutzung von Kundendaten, um bspw. Besucherlenkungen zu optimieren und Menschenansammlungen zu vermeiden. „Eine evidenzbasierte Entscheidung braucht nun mal Daten und Fakten – dies ist die Grundlage für eine Optimierung der Kundenströme und -erlebnisse“, so auch Barbara Neuhofer (FH Salzburg). Die Experten waren sich einig, dass es in Zeiten von COVID-19 darauf ankommen wird, dem Gast Sicherheit zu vermitteln, entlang seiner gesamten Customer Journey, von der Anreise bis zur Abreise. Da Sicherheit aber viele Aspekte aufweist, stehen Destinationen und Betriebe auch hier vor vielen Herausforderungen, die mit Hilfe smarter Daten leichter bewältigt werden können.

Die Konferenz wurde vom Team KMU & Tourismus organisiert und hybrid abgehalten – einerseits konnte man online teilnehmen, andererseits waren auch TeilnehmerInnen vor Ort. Insgesamt präsentierten 45 WissenschaftlerInnen live und via Video-Conferencing. Dabei diskutierten WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Ländern online mit allen Teilnehmern und auch jenen ZuhörerInnen, die im Hörsaal an der SOWI vor Ort waren. Die Konferenz gilt als hybrides Vorbild für weitere wissenschaftliche Konferenzen in den derzeit unsicheren Zeiten.

(Mike Peters/red)

Unileben aktuell – die neuesten Beiträge

weitere Beiträge

Nach oben scrollen