Samm­lung anti­ker Mün­zen bear­beitet

Das Archäologische Universitätsmuseum hat die Zeit des Corona-Lockdown dazu genutzt, die fast 500 Stücke umfassende Sammlung antiker Münzen zu inventarisieren. Die Originalmünzen stammen zum ganz überwiegenden Teil aus Grabungen, die im Innsbrucker Stadtteil Wilten durchgeführt worden waren.
Zahlreiche antike Münzen
Bild: Antike Münzen im Archäologischen Universitätsmuseum (Credit: Florian Müller)

Neben einer Sammlung von Abgüssen besitzt das Archäologische Universitätsmuseum auch eine umfangreiche Sammlung antiker Originale, die durch Ankauf aber auch vielfach als Schenkung an das Institut gekommen sind. Neben zahlreichen antiken Marmorfragmenten, wie Architekturdekoration, Reste von Sarkophagen, Stelen und Weihreliefs, einer Sammlung von lateinischen Inschriftensteinen, antiker Keramik sowie Terrakotten verfügt das Museum auch über eine große Kollektion antiker Münzen.

Home-Office zur Aufarbeitung genutzt

Die Zeit des Home-Office während des Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 bot nun die Möglichkeit für eine erstmalige systematische Gesamtinventarisierung dieser Münzbestände. Diese wurde durch Dr. Dietrich Feil, den Spezialisten für Numismatik am Institut für Archäologien, vorgenommen.

Die Münzen besitzen unterschiedliche Provenienz und sind auf verschiedensten Wegen ins Innsbrucker Museum gelangt. Dies führte somit, wie bei einer über Jahrzehnte gewachsenen Sammlung üblich, zu einer großen Heterogenität. Sie spiegeln so in gewisser Weise aber auch die Geschichte der Forschungen des Archäologischen Institutes der Universität Innsbruck wieder.

Vom römischen Veldidena zum griechischen Elea/Velia

Die Originalmünzen stammen zum ganz überwiegenden Teil aus Grabungen, die im Innsbrucker Stadtteil Wilten durchgeführt worden waren. Dort befand sich in römischer Zeit als wichtige Etappenstation entlang der Brennerstraße das antike Veldidena, ein Kastell mit zugehöriger Zivilsiedlung. Nachdem in den 1950er Jahren die Trasse der Arlbergbahn verlegt wurde, fanden durch die Universität Innsbruck unter der Leitung des Klassischen Archäologen Alfons Wotschitzky (1917–1969), damals Vorstand des Instituts für Klassische Archäologie, und des Prähistorikers Osmund Menghin (1920–1989) von 1953 bis 1955 Untersuchungen statt. Die dabei geborgenen insgesamt 402 Münzen reichen von hadrianischer Zeit (117–138 n. Chr.) bis in neueste Zeit mit Schwerpunkt im 3. und 4. Jh. n.Chr. Obwohl die meisten Originalfunde aus Wilten an das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum abgetreten wurden, befinden sich neben den Münzen auch noch eine Reihe anderer Originalfunde aus den Veldidena-Grabungen im Universitätsmuseum.

Vier Münzen vom 4.–1. Jh. v.Chr. stammen aus Elea/Velia, einer antiken griechischen Hafenstadt in Kampanien im Süden Italiens. Dort hatte Bernhard Neutsch (1913–2002), der Nachfolger Wotschitzkys, seit Beginn der 1970er Jahre Ausgrabungen begonnen.

14 Originalmünzen, davon elf antike, sind zudem als Schenkungen von Privatpersonen, darunter der langjährigen Leiter des Innsbrucker Stadtarchivs, Franz-Heinz Hye (1937–2016), an das Museum gekommen.

Daneben gibt es noch zwei größere Bestände von Münzkopien: Eine zu didaktischen Zwecken angelegte Kassette enthält 32 Kopien der wichtigsten Münztypen von den Anfängen der Münzprägung bis ins 3. Jh. n. Chr. Eine 33 Stück umfassende Sammlung einseitiger galvanoplastischer Kopien großgriechischer Münzen wurden für eine Sonderausstellung zu den Elea/Velia-Forschungen 1974/75 in Innsbruck angeschafft. Die Originale beider Sammlungen befinden sich, soweit feststellbar, im Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums in Wien.

Es bleibt zu hoffen, dass einmal sowohl die finanziellen als auch räumlichen Ressourcen bereitgestellt werden, um die Sammlung von Originalen des Archäologischen Universitätsmuseums, darunter die umfangreichen Münzbestände, nicht nur selektiv in Forschung und Lehre zu nutzen, sondern sie auch interessierten Besucherinnen und Besuchern präsentieren zu können.

(Florian M. Müller)

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