Nach­richten im Zeit­alter der Digita­lisie­rung

Im Rahmen der Vortragsreihe „Herausforderung Digitalisierung“ besuchte Clemens Pig, Vorsitzender der Geschäftsführung der Austria Presse Agentur (APA), die Fakultät für Betriebswirtschaft. In seinem Vortrag sprach er über den Wandel der Medienbranche durch die Digitalisierung und wie sich die APA in diesem Umfeld strategisch positioniert.
Nachrichten im Zeitalter der Digitalisierung
Bild: Clemens Pig Vorsitzender der Geschäftsführung und geschäftsführender Vorstand der APA – Austria Presse Agentur war im Rahmen der Vortragsreihe "Herausforderung Digitalisierung" an der Fakultät für Betriebswirtschaft zu Gast. (Credit: Uni Innsbruck)

Eröffnet wurde die zweite Ausgabe der Vortragsreihe „Herausforderung Digitalisierung“ von Rektor Tilman Märk, der in diesem Zusammenhang auch die Digitalisierungsoffensive der Universität vorstellte. Matthias Bank, Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft, stellte den Vortragenden vor. Clemens Pig ist seit Juli 2016 Vorsitzender der Geschäftsführung und geschäftsführender Vorstand der APA.

Glaubwürdigkeit und redaktionelle Unabhängigkeit

Im ersten Teil seines Vortrags stellte Dr. Clemens Pig zunächst die Austria Presse Agentur (APA) vor. Kerngeschäft der Nachrichtenagentur ist es, einen redaktionellen Basisdienst für 12 österreichische Tageszeitungen und den ORF bereitzustellen, welche gleichzeitig die Eigentümer der genossenschaftlich organisierten APA sind. Die APA unterstützt damit die jeweiligen Redaktionen in der Planung ihrer individuellen Berichtserstattung und liefert die dafür notwendigen, inhaltlichen Grundlagen. Dabei übernimmt sie auch einen Teil der journalistischen Qualitätssicherung, indem sie beispielsweise Nachrichtenquellen verifiziert. Ihre eigene Glaubwürdigkeit nannte Pig als höchstes Gut der APA, welche durch eine ausgewogene Quellenauswahl sichergestellt werden soll. Ferner versucht sie ihre redaktionelle Unabhängigkeit durch wirtschaftliche Stärke zu sichern, was durch den Aufbau weiterer Geschäftsfelder gewährleistet werden soll. In Ausblick auf den weiteren Vortrag bezeichnete er die „verstaubt klingende“ Genossenschaft als beste Rechtsform, mit der traditionelle Medienhäuser dem digitalen Wandel begegnen können.

Verschiebungen von Marktmacht und Wandel von Berufsbildern

Anschließend erörterte Pig im zweiten Teil seines Vortrags die wesentlichen Determinanten des Medienwandels. Seiner Ansicht nach sind Hoffnungen auf mehr Pluralismus zu Beginn des Internetzeitalters nicht eingetreten. Stattdessen haben sich Plattformen verbreitet, mit denen starke Monopolisierungstendenzen einhergehen. Für traditionelle Verlage bedeutet dies, dass ihr Gesamtpaket aus Nachrichten und Werbung in Form von klassischen Zeitungen auseinandergebrochen ist. Dadurch werden einerseits Nachrichten anders verbreitet und fragmentierter präsentiert und andererseits Werbeerlöse zu Gunsten der Plattformbetreiber verschoben. Technologische Trends, wie die künstliche Intelligenz, beeinflussen zu dem die Art und Weise, wie Nachrichten produziert werden. So können Nachrichten, die auf standardisiert verfügbaren Daten basieren, bereits heute automatisch generiert werden, wodurch traditionelle, journalistische Aufgaben entfallen. Als Beispiele hierfür wurden von Pig Live-Ticker von Fußballspielen oder Wetterberichte genannt. Doch die Digitalisierung führt nicht nur dazu, dass journalistische Aufgaben entfallen, sondern es gewinnen auch andere Aufgaben an Bedeutung. In Zusammenhang mit sog. „Fake-News“ wird es laut Pig zunehmend wichtiger, Quellen zu verifizieren und Informationen in einen Kontext einzubetten.

Digitalen Wandel strategisch angehen

Im dritten Teil seines Vortrags präsentierte Pig, wie die APA technologische Trends strategisch aufgreift. Er ging dabei insbesondere auf die Frage ein, wie Innovation in ein Unternehmen geholt werden kann. Die APA beteiligt sich dazu einerseits an externen Start-Ups, hat aber auch eine interne Innovationseinheit geschaffen. Er stellte unter anderem das Arbeitsmodell dieser Innovationseinheit vor, in der binnen einer Woche Prototypen entwickelt werden, über deren weitere Entwicklung zur Marktreife im Anschluss daran entschieden wird. Durch diesen rapiden Entwicklungsprozess soll einerseits mit den technologischen Entwicklungen Schritt gehalten werden und andererseits teure Fehlinvestitionen vermieden werden.

Zum Abschluss seines Vortrags wandte sich Pig an die Studierenden und gab ihnen Empfehlungen für die Praxis mit auf den Weg, um den digitalen Wandel zu gestalten. So sei es einerseits wichtig, die Innovationsfelder zu identifizieren und klar zu benennen, sowie ausgewählte Leuchtturmprojekte zu benennen. Außerdem empfahl er, externe Veränderungen am Markt und interne Veränderungen in der Organisation nicht gleichzeitig zu verfolgen. Stattdessen sollen Expansionsphasen und Konsolidierungen der internen Prozesse schrittweise erfolgen.

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