Inter­nationale Kon­ferenz zu Her­aus­forder­ungen der Mi­gra­tion

Vom 10. bis 13. Juli fand an der Katholisch-Theologischen Fakultät ein Kongress des internationalen Colloquium on Violence and Religion statt. Die Tagung stand unter dem Titel „Imagining the Other. Theo-Political Challenges in an Age of Migration”.
Preisverleihung im Rahmen der Tagung
Bild: COV&R-Präsident Jeremiah Alberg (International Christian University, Japan) und Tagungsorganisator Nikolaus Wandinger mit den drei Gewinnern des jährlich vergebenen Raymund-Schwager-Award aus Burkina Faso, Kolumbien und den USA. (Credit: Uni Innsbruck)

Die etwa 350 Mitglieder umfassende interdisziplinäre ForscherInnenvereinigung wurde 1991 unter intensiver Innsbrucker Beteiligung an der Universität Stanford gegründet. Zum zweiten Mal fand der jährliche Kongress des Colloquiums nun in Innsbruck statt und lockte an die 140 TeilnehmerInnen von Australien bis Kolumbien und von Irland bis Südafrika an. Den methodischen Fokus der Vereinigung bildet der kulturanthropologische Ansatz der Mimetischen Theorie, der auf den 2015 verstorbenen franko-amerikanischen Historiker, Anthropologen und Literaturwissenschaftler René Girard zurückgeht. Girard war nicht nur Mitglied der Académie française, sondern auch Ehrendoktor der Universität Innsbruck. Sein Ansatz wird in unterschiedlichen Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Disziplinen als Analyseinstrument und Deutungsmuster herangezogen.

Der diesjährige Kongress, organisiert vom Institut für Systematische Theologie, der im Rahmen des Forschungsschwerpunts „Kulturelle Begegnungen – kulturelle Konflikte“ stattfand, stand unter dem Titel „Imagining the Other. Theo-Political Challenges in an Age of Migration”. In Auseinandersetzung mit ReferentInnen aus Soziologie, Ethnologie, Politikwissenschaft, internationalem Recht, Religionswissenschaft, Philosophie und Theologie bewährte sich die analytische und interpretative Stärke des Ansatzes erneut. Zahlreiche Phänomene, die Europa und die internationale Gemeinschaft derzeit bewegen und verunsichern, wie Migrationsbewegungen und die darauf reagierenden Verfeindungs- und Exklusionsmuster oder die Herausforderungen interkulturellen und interreligiösen Zusammenlebens in zunehmend pluralisierten Gesellschaften, können mit Hilfe der Mimetischen Theorie besser verstanden werden.

Beim bloßen Analysieren und Beschreiben stehen zu bleiben, mag angesichts brennender Fragen jedoch zu wenig sein. Die Gesellschaft erwartet von Wissenschaft und Universität auch Lösungsansätze – dies gilt nicht nur für den naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Wie ein solcher Impuls aussehen kann, wurde eindrucksvoll von Peter Balleis in seinem Eröffnungsvortrag demonstriert. Balleis ist Mitglied des Jesuitenordens und seit 2016 Executive President von Jesuit Worldwide Learning. Diese Einrichtung organisiert weltweit Studienprogramme in Krisen- und auch Kriegsgebieten, um jungen Menschen gerade dort eine Perspektive zu eröffnen und so die Ursachen von Armut, Isolation, Hoffnungslosigkeit, Konflikt und Flucht zu bekämpfen. Die Inhalte zum vielfach online-gestützten Unterricht werden von Universitäten weltweit geliefert. Auf diese Weise findet eine Vernetzung von Kulturen statt, die einen enormen Beitrag zur Überwindung wechselseitiger Vorurteile und zerstörerischer Rivalität leisten kann.

(Wilhelm Guggenberger)

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