Innsbruck an den Inn! Aber wie?

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung am Institut für Geographie haben sich Studierende damit beschäftigt, wie der Inn näher an die Stadt gebracht werden kann. Die mit Beteiligung der Bürgerinnen und Bürgern zu Tage gebrachten Erkenntnisse waren so vielversprechend, dass eine Projektgruppe aus Studierenden und Lehrveranstaltungsleitern nun am Ideenwettbewerb EUROPAN15 teilnehmen wird.
Projektgruppe meinINN
Bild: Die Projektgruppe meinINN (Credit: Projektteam „INNdentität“)

EUROPAN15 ist ein europaweit ausgeschriebener Architekturwettbewerb, der sich vor allem an junge StadtplanerInnen und ArchitektInnen richtet, um strategischen Konzepte für vorgegebene Gebiete zu generieren und innovative Ideen hervorzubringen. Innsbruck nimmt an dem Wettbewerb mit der Umgestaltung des südlichen Innbereichs zwischen Congress, Innrain und Internationalem Studentenhaus teil. Die vorgegebenen Ziele seitens der Stadt sind unter anderem die Aufwertung der Aufenthaltsqualität am und in der Nähe des Inns, die Verbesserung der Mobilitätsachsen und die Anbindung der Stadtteile an den Fluss. Da GeographInnen einen breiten Methodenmix beherrschen und eine nicht rein baulich-funktionale Sichtweise mitbringen, können sie wichtige Denkanstöße in den städtischen Planungsprozess einbringen.

Über ein Semester beschäftigten sich die 13 Studierenden mit einem vertiefenden Einblick in qualitative Forschungsmethoden. Das ursprüngliche EUROPAN15-Gebiet wurde im Zuge des Kurses auf die nördliche Innseite vergrößert und anschließend in vier Bereiche aufgeteilt. Während der Feldforschung wurde in diesen Teilgebieten mit verschiedenen Methoden gearbeitet. „Neben der Kartierung verschiedener Verkehrswege wurden Befragungen, Fotointerviews und auch nicht ganz herkömmliche Methoden wie Wahrnehmungsspaziergänge angewandt“, erläutern die TeilnehmerInnen. Die Umgestaltung des Innufers wurde von den Bürgerinnen und Bürgern mit regem Interesse aufgegriffen und emotional diskutiert. Trotz Ideenmüdigkeit der Befragten wegen nicht eingehaltener Versprechen in vergangenen Planungsprozessen, konnten viele interessante Eindrücke gewonnen werden.

Ergebnisse wurden präsentiert

Wichtige Erkenntnisse wurden vor allem für die Bereiche Aufenthaltsqualität und Naherholung am Inn festgestellt werden: Insbesondere verkehrsberuhigte und begrünte Aufenthaltsflächen mit ausreichend Sitzgelegenheiten werden von den BürgerInnen gerne genutzt. Wichtig dabei ist, dass Nutzungskonflikte durch Lärm, Müll oder Verkehr vermieden werden können.

Das Projektteam nimmt am EUROPAN15 Wettbewerb teil. (Foto: Projektteam „INNdentität“)

Die Feldforschung brachte Anregungen über die gewünschte Gestaltung der Stadt-Fluss-Bereiche hervor. Lieblingsorte und Orte des Unwohlgefühls konnten genauso herausgefiltert werden, wie der chaotische Verlauf von Verkehrsachsen oder daraus entstehende Gefahrenbereiche. Aus den Erkenntnissen wurden Handlungsempfehlungen abgeleitet, die zum einen darauf abzielen den Inn sichtbarer zu machen und ihn weiter zur Stadt hin zu öffnen. „Der Fluss sollte zur pulsierenden Ader des Stadtlebens werden“, meinten die TeilnehmerInnen des Projekts. Wohlfühlorte am Fluss und in der Umgebung können durch eine verbesserte Zugangsmöglichkeit zum Wasser hin geschaffen werden und sollten dabei alle Nutzer- und Altersgruppen gleichermaßen ansprechen. Die Verkehrsachsen sollten, vor allem im Bereich des Marktplatzes, entflochten und geregelt werden. Stufen hinunter zum Inn könnten die Stadt näher an den Fluss bringen. Die generelle Öffnung bzw. Ausrichtung angrenzender Gebäude – vor allem der Markthalle – zum Inn hin würden den Fluss mehr in das Stadtleben integrieren. Auch die Entschleunigung des Verkehrs im Marktplatzbereich würde den Wohlfühlfaktor im Herzen Innsbrucks steigen lassen. Ein “Branding” einzelner Flussabschnitte kann die Identifizierung der Bevölkerung mit dem Inn erhöhen und ihn im Alltag gegenwärtiger machen. Über die wesentlichen Ergebnisse hat die Projektgruppe am vergangene Woche bei einer öffentlichen Ergebnispräsentation am Inn bei Mariahilf erzählt. 

[Studienlink]

 

Mit dem Instagram Account Inndentitaet_6020 und der eigens angelegten Webseite https://innufer.github.io/ für die Verortung von Kommentaren und Bildern auf einem Stadtplan, ist die Projektgruppe online vertreten und sammelt dort weiterhin Anregungen und Ideen seitens der Bevölkerung. Sämtliche Ergebnisse inklusive eines Bündels an Handlungsempfehlungen stellt die Projektgruppe der Stadt Innsbruck zur Verfügung. 

(Stefan Obkircher)

 

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