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Hima­laya: be­drohte Wasser­ressour­cen

Das Himalaya-Karakorum Gebirge ist vom Klimawandel stark betroffen – mit potenziell massiven Konsequenzen für die Wasserversorgung der Region mit mehr als einer Milliarde Menschen. Ein int. Forscher*innen-Team mit Beteiligung des Innsbrucker Glaziologen Fabien Maussion hat nun die Erkenntnisse aus 250 Studien zusammengetragen. Der umfassende Überblick wurde in „Science“ veröffentlicht.

Regenfälle sowie Schnee- und Gletscherschmelzwasser dominieren mit unterschiedlichen saisonalen Verzögerungen die Wasserfracht der Flüsse aus Gebirgen und alle drei ändern sich mit der Erwärmung des Klimas. Niederschlagsmuster und –intensitäten werden sich verändern, Schnee wird seltener fallen als Regen, die Gletscher verlieren an Masse, was vorübergehend mehr und dann immer weniger Wasserzufuhr in die Flüsse bedeutet. Das unterschiedliche Zusammenspiel dieser drei Hauptkomponenten führt v.a. im mächtigsten Gebirge der Erde, der Karakorum-Himalaya Kette, die den indischen Subkontinent vom tibetischen Hochplateau trennt und vom trockenen Westwindwetter im Nordwesten bis in den Sommermonsun im Südosten reicht, zu sehr unterschiedlichem Abflussverhalten. Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern hat in akribischer Arbeit rund 250 Einzelstudien zum heutigen Abflussgeschehen, den im Klimawandel zu erwartenden Änderungen und den Auswirkungen auf die Bevölkerung in der Karakorum-Himalaya Region zusammengetragen, die kürzlich in Science erschienen ist. Das Bild das sich aus großräumigen Studien und solchen zu Teileinzugsgebieten wie ein Puzzle zusammensetzt, bestätigt im Wesentlichen eine frühere Studie der Innsbrucker Glaziologen: Im trockenen Westen und Nordwesten dominieren die Gletscher und v.a. im Südosten zunehmend der Regen des Sommermonsuns. Entsprechend wird das Zurückschmelzen der Gletscher v.a. den Abfluss des Indus verändern, die Verschiebung der Monsunströmungen aber Ganges, Brahmaputra, Irrawaddy und die großen chinesischen Flüsse.

Lücken identifizieren und schließen

Die neue Studie zeigt besonders deutlich die Lücken im Wissen über die drei wichtigsten, aber auch über jene der anderen hydrologischen Größen wie Verdunstung, Grundwasser und Permafrost auf und zeigt Wege, wie diese geschlossen werden können.  Hierfür empfehlen die Forscher*innen das Beobachtungsnetzwerk zu erweitern und Modellvergleichsprojekte zu entwickeln. „Gefahren wie Gletschersee-Ausbrüche und starke Veränderungen des Zeitpunkts und der Menge des Abflusses in vergletscherten Becken sind einige der Änderungen, die die Menschen im Himalaya bereits heute erleben“, ergänzt Fabien Maussion, Assistenzprofessor am Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften und Mitautor der Studie. „Es bedarf koordinierter internationaler Anstrengungen, um lokalen Interessengruppen und politischen Entscheidungsträger*innen genauere Szenarien als Planungsgrundlage anzubieten.“
Ein bestmögliches Wissen über die heutige Zusammensetzung der Abflüsse als Voraussetzung des Verstehens und Vorhersehens zukünftiger Wasserverfügbarkeit und Gefahrenpotentialen in den Einzugsgebieten der großen Flüsse aus der Karakorum-Himalaya Kette ist die unverzichtbare Grundlage für Schutz- und Anpassungsstrategien. Dieser Review-Aufsatz ist ein wesentlicher Wegweiser für dringend notwendige intensivere wissenschaftliche Forschung als auch ein wichtiger Anhaltspunkt für internationale, nationale, regionale und lokale Entscheidungsträger in der Region. Die Universität Innsbruck ist Teil eines großen internationalen Konsortiums – finanziert von der Europäischen Union im Rahmen von Horizon 2020 – das versucht, die potentiellen Folgen des Überschreitens der Klimaziele im Pariser Abkommens für lokale Gemeinschaften, wie zum Beispiel Siedlungen im Indus-Becken, zu quantifizieren. Die Arbeiten dazu werden im September dieses Jahres beginnen. 

 

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