Herakles im Archäo­logischen Univer­sitäts­museum

Kürzlich konnte finanziert durch eine großzügige finanzielle Spende der Abguss einer neuen Skulptur für das Archäologische Universitätsmuseum im ATRIUM - Zentrum für Alte Kulturen erworben werden, der den bogenschießenden griechischen Helden Herakles darstellt.
Museumsleiter assoz.-Prof. Mag. Dr. Florian Müller und Dr. Dietrich Feil mit der Neuerwerbung.
Bild: Museumsleiter assoz.-Prof. Mag. Dr. Florian Müller und Dr. Dietrich Feil mit der Neuerwerbung. (Credit: Chr. Heitz)

Das Original stammt vom Giebelschmuck des Tempels der Aphaia auf der griechischen Insel Ägina. Diese sog. „Ägineten“ zählen zu den bedeutendsten Zeugnissen der griechischen Skulptur am Übergang von der archaischen zur klassischen Epoche, also an der Wende vom 6. zum 5. Jahrhundert vor Christus. Dargestellt sind in beiden Giebelfeldern des Tempels die Kämpfe äginetischer Helden um Troja. Die fragmentierten Figuren waren 1811 entdeckt worden und befinden sich seit 1827 in der Glyptothek in München. Schon 1815 hatte sie der bedeutende dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen in klassizistischem Stil ergänzt. Diese Ergänzungen wurden jedoch schon im späten 19. Jahrhundert kontrovers diskutiert und schließlich 1963–1965 restlos entfernt.

Skulpturen aus Ägina seit 1870 in Innsbruck

1869 hatte man in Innsbruck eine eigene universitäre Abguss-Sammlung, das „k. k. Gypsmuseum – Sammlung von Abgüssen plastischer Meisterwerke“, gegründet, und schon im folgenden Jahr konnte als eines der frühesten Exponate der erste Abguss eines Ägineten, der von einem Pfeil getroffene sterbende trojanische König Laomedon, aus dem Ostgiebel vom damaligen Königlichen Polytechnikum in München, der späteren technischen Hochschule, angekauft werden.

Dies sollte lange Zeit das einzige Stück dieser Gruppe bleiben, bis man in einer konzertierten Aktion verlaufend über wenige Jahre von 1886 bis 1889 schrittweise den gesamten Westgiebel, zehn Skulpturen umfassend, erwarb. Alle besitzen somit noch die heute an Originalen in München nicht mehr vorhandenen klassizistischen Thorvaldsen-Ergänzungen. Über den Ankauf wurde auch in der lokalen Presse berichtet, so vermeldeten die Innsbrucker Nachrichten am 8. Jänner 1887: „Das Gypsmuseum der k. k. Universität, welches seit dem Beginne des Studienjahres an Sonntagen von 10-12 Uhr dem gebildeten Publikum wieder zu freiem Eintritte geöffnet ist, hat neuerdings manche Bereicherung erhalten und besitzt insbesondere einen großen Theil von der Gruppe des Westgiebels des Pallastempels auf der Insel Aegina.“

Der neue Herakles im ATRIUM–Zentrum für Alte Kulturen

Nach fast 130-jähriger Unterbrechung gelangte nun Dank der großzügigen Spende eines privaten Förderers, vermittelt durch Dr. Dietrich Feil, ein weiterer Äginet in das Museum. Die kniende Figur eines Bogenschützen kann durch ihre Löwenkappe sofort als Herakles erkannt werden, der sich im Kampf mit den Trojanern befindet. Einer seiner Pfeile hat bereits den trojanischen König Laomedon getroffen, den jene Skulptur darstellt, die 1870 als erster Äginet nach Innsbruck gekommen ist.

Der Westgiebel des Aphaia-Tempels von Ägina im ATRIUM-Zentrum für Alte Kulturen
Der Westgiebel des Aphaia-Tempels von Ägina im ATRIUM–Zentrum für Alte Kulturen. (Credit: G. Grabherr)

Der über 10 Meter lange Westgiebel des Aphaia-Tempels von Ägina kann seit 2008 aufgrund der optimalen Raumtiefe im Archäologischen Universitätsmuseum im ATRIUM–Zentrum für Alte Kulturen erstmals in seiner gesamten Monumentalität erfasst werden. Mit dem Erwerb des Herakles soll nun daran gegangen werden, schrittweise auch den Ostgiebel vollständig anzukaufen, um somit schlussendlich den Skulpturenschmuck des Tempels vollständig im Archäologischen Universitätsmuseum präsentieren zu können. „Dabei zählen wir weiter auf außeruniversitäre Sponsoren und Förderer, dank deren großzügiger Unterstützung im fünfstelligen Euro-Bereich bereits in den letzten Jahren eine Reihe von Abgüssen nach antiken Originalen angekauft werden konnte“, hofft der Leiter des Museums assoz. Prof. Mag. Dr. Florian Müller.

(Florian M. Müller) 

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