ERC-Projektstart: „Postsecular Conflicts“

Mit Beginn des Wintersemesters läuft am Institut für Soziologie das ERC-Starting-Grant-Projekt „Postsecular Conflicts“ unter der Leitung von Dr. Kristina Stoeckl voll an. Das im Oktober 2015 mit Mitteln des FWF START-Programms begonnene Projekt wird seit Mai 2016 vom ERC mit einem Fördervolumen von 1,5 Mio. Euro finanziert.
Kick-Off des Projekts „Postsecular Conflicts“.
Bild: Kick-Off des Projekts „Postsecular Conflicts“ in Obergurgl. (Credit: Kristina Fürhapter)

Das Projekt „Postsecular Conflicts“ untersucht am Beispiel der Russisch-Orthodoxen Kirche, welche Allianzen konservative Akteure zur Verteidigung „traditioneller Wertvorstellungen“ eingehen, und entwickelt aus politisch-theoretischer und religionssoziologischer Perspektive Strategien, wie in demokratischen Gesellschaften mit moralpolitischen Konflikten umgegangen werden kann. Seit Anfang September arbeitet das Projekt mit voller Besetzung: neben der Projektleiterin werden während der nächsten fünf Jahre zwei Doktorandinnen sowie ein wechselndes Team an Postdocs an der Umsetzung des Projekts arbeiten. Die international zusammengesetzte Forschergruppe (Italien, Österreich, Russland, Ukraine, USA, Weißrussland) zeichnet sich durch Transdisziplinarität aus und vereint Expertise aus Bereichen der Soziologie, Politikwissenschaft, Philosophie, Geschichte und Rechtswissenschaft. Das Projekt unterhält eine eigene Homepage, auf der alle Teammitglieder vorgestellt und regelmäßig Projektfortschritte und -events an die Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Den offiziellen Auftakt feierte das Projekt mit einer Konferenz am Universitätszentrum Obergurgl von 16. bis 19. Juni 2016. Auf 1.940 m Seehöhe wurde drei Tage lang unter der Leitung von Dr. Kristina Stoeckl über postsäkuläre Konflikte diskutiert. Mit dabei waren sowohl alle zehn Teammitglieder, welche in den kommenden fünf Jahren aktiv am Projekt mitarbeiten werden, als auch die Mitglieder des Advisory Boards. Die insgesamt 21 Teilnehmer aus neun verschiedenen Nationen vereinten Forschungsfelder aus Ethik, Geschichte, Philosophie, Politik, Recht, Soziologie und Theologie.

Begrüßt wurden die Teilnehmer durch den Dekan der Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie, Prof. Dr. Helmut Staubmann. Im Anschluss daran eröffnete der Philosoph Alessandro Ferrara von der Universität Rom Tor Vergata die Konferenz mit dem Vortrag „Rethinking Legitimacy in Hyperpluralist Postsecular Societies: A Multivariate Model“. An den zwei darauffolgenden Konferenztagen vertieften die geladenen Experten einzelne Aspekte der Fragestellung. So gingen der Philosoph Veit Bader von der Freien Universität Amsterdam und der Islam- und Fundamentalismusforscher Olivier Roy vom Europäischen Hochschulinstitut einmal mehr auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Säkularismus und Religion in liberaldemokratischen Gesellschaften ein. Clifford Bob von der Duke University stellte seine Forschungsergebnisse zur transnationalen Moralpolitik vor und begrüßte die Tatsache, dass dieses Projekt eine Lücke in der Forschung in Bezug auf die Rolle Russlands füllen wird. Auf Russland und die Russische Orthodoxe Kirche als moral norm entrepreneur gingen dann auch Alexander Agadjanian von der Moskauer Universität RGGU und Dmitry Uzlaner, Postdoc im Projekt, im Detail ein. Über den Stellenwert von Tradition, Traditionalismus und Moral sprachen sowohl der Soziologe Arpad Szakolczai von der Universität Cork, der russische Philosoph Sergej Horuzhy, wie auch die Theologen Ingeborg Gabriel (Universität Wien) und Aristotle Papanikolaou (Fordham University). Thomas Bremer von der  Universität Münster und Elena Namli von der Universität Uppsala fragten schließlich nach der internationalen politischen Rolle der Russischen Orthodoxen Kirche während des Kalten Kriegs und danach. Neben den angeregten Diskussionen kam auch das Rahmenprogramm nicht zu kurz und das gesamte Team unternahm eine kleine gemeinsame Wanderung entlang des Zirbenwegs. Im Anschluss an die dreitätige Konferenz trafen sich die Teammitglieder für ein intensives Workshop an der SOWI, bei dem Methodentraining und Planung der mittelfristigen Projektziele im Mittelpunkt standen.

(Kristina Stoeckl)

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