SOGENANNTER "MARIUS"

Wohl L. Cornelius Scipio Asiaticus

Inv.Nr. I/649

München, Glyptothek 
Inv.Nr. 319

FO: unbekannt, in Rom erworben (ehem. Palazzo Barberini)

Höhe: 45 cm
weißer Marmor

wohl augusteische Kopie nach Vorbild aus der Mitte des 2. Jh. v. Chr.

Das Bild zeigt einen älteren Mann, unbärtig, mit kurzen Haaren und leicht geöffnetem Mund. Der Kopf ist heftig nach links und etwas nach oben gewendet, die weit geöffneten Augen und die Mimik unterstreichen den heftigen Affekt, den die Kopfbewegung vermittelt.

Obwohl dieser Kopf und der danebenstehende "Sulla" unabhängig voneinander in Rom erworben wurden, hat sich in Folge ihrer gemeinsamen Aufstellung in der Glyptothek die Einsicht durchgesetzt, daß sie schon in der Antike ein zusammengehörendes gegensätzliches Paar gebildet haben (Stilmerkmale wie z.B. die Gestaltung der Augenpartie bestätigen den gemeinsamen Ursprung). Der berechtigte Eindruck, die Köpfe (bzw. die ihnen zugrundeliegenden Originale) müßten in republikanischer Zeit entstanden sein, hat zu der konventionellen Benennung "Marius" geführt: von den beiden großen Gegenspielern der innerrömischen Auseinandersetzungen des frühen 1. Jh. v. Chr., Marius und Sulla, war Marius (ca. 158 - 86 v. Chr.) etwa zwanzig Jahre älter (Sulla 138 - 78 v. Chr.) und sein Namen wurde daher dem älter wirkenden Kopf gegeben, wobei allerdings in der Forschung seit langem klar war, daß sich diese Benennung nur auf Gewohnheit stützt.

Der Vorschlag von L. Giuliani, den "Sulla" mit Publius Cornelius Scipio Africanus zu identifizieren, führte dazu, auch "Marius" für einen Scipionen zu halten, am ehesten für Lucius Cornelius Scipio Asiaticus, den Bruder des Africanus, von dem bekannt ist, daß er um die Mitte des 2. Jh. v. Chr. eine Statue vor dem Scipionengrab an der Via Appia bekam, auf die dieser Kopf zurückgehen könnte.

Literaturhinweise:

L. Giuliani, Bildnis und Botschaft (1986) 175-189 Abb. 48. 50.

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Texte: Elisabeth Walde, Dietrich Feil; Photos: Jörg Moser; Gestaltung: Dietrich Feil;
© Institut für Archäologien / Klassische und Provinzialrömische Archäologie, Universität Innsbruck, 2003
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