In einem offenen Brief vom 10.06.2026 an die europäischen GesetzgeberInnen sprechen sich mehr als 50 ForscherInnen aus den Bereichen Datenschutz, Informatik, Recht, Ethik und Digital Governance für eine ambitionierte Umsetzung des Artikels 88b im Rahmen des EU-Gesetzgebungspakets „Digital Omnibus“ aus. Die Unterzeichnenden kritisieren, dass Menschen ihre Datenschutzentscheidungen heute immer wieder auf verschiedenen Websites und in unterschiedlichen Apps treffen müssen. Die vielen Cookie-Banner und Einwilligungsabfragen führten dazu, dass viele NutzerInnen von diesen Entscheidungen überfordert oder genervt sind. Im Brief wird es als „Cookie-Müdigkeit“ bezeichnet.
Artikel 88b soll es NutzerInnen erleichtern, festzulegen, wie ihre personenbezogenen Da-ten verwendet werden dürfen. Entscheidungen wie Einwilligungen, Widersprüche oder Widerrufe könnten künftig über vertrauenswürdige Anwendungen wie Browser, Apps, Be-triebssysteme oder digitale Wallets automatisch übermittelt werden. Unternehmen wä-ren verpflichtet, diese Entscheidungen zu respektieren. Nach Ansicht der AutorInnen könnte dadurch die Ausübung von Datenschutzrechten deutlich vereinfacht und gleich-zeitig der Compliance-Aufwand für Organisationen reduziert werden.
Der Brief betont auch, dass eine solche Infrastruktur grundrechtsorientiert ausgestaltet werden müsse. Besondere Aufmerksamkeit soll dem Schutz von Kindern und anderen vulnerablen Gruppen gelten. Außerdem fordern die WissenschaftlerInnen offene, in-teroperable und transparent entwickelte Standards, die nicht von einzelnen Plattformen oder Technologiekonzernen kontrolliert werden. Die Umsetzung soll auf bestehenden eu-ropäischen Forschungsarbeiten und Datenschutztechnologien aufbauen und dazu bei-tragen, digitale Souveränität, Vertrauen in digitale Dienste sowie einen fairen Wettbewerb im europäischen Digitalmarkt zu stärken.